Zivildiener-Mangel verschärft sich: Schon jeder vierte Platz in Österreich bleibt leer
- Im Februar 2007 nur 75 Prozent der Plätze besetzt
- Verkürzung der Dienstzeit auf neun Monate Grund
·Kürzer, kein Zugang für Frauen, mehr Geld
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Davon die meisten wegen
'psychischer Erkrankung'
Erstmals seit langem hat es im Vorjahr wieder einen deutlichen Zivildienermangel gegeben. Ausschlaggebend dürfte die Verkürzung der Dienstzeit von zwölf auf neun Monate sein. Wegen der Verkürzung um ein Viertel haben die Trägerorganisationen 2006 ein Viertel mehr Zivildiener angefordert (13.189). Zwar erreichten auch die Zuweisungen Rekord-Niveau (11.675), sie konnten jedoch nur 89 Prozent des Bedarfs decken. Im Februar 2007 hat sich die Situation noch einmal deutlich verschärft: Nur noch 75 Prozent der angeforderten Zivildiener wurden vom Innenministerium tatsächlich zugewiesen - jede vierte Stelle blieb also unbesetzt.
Zivildiener beschäftigen dürfen Blaulicht-Organisationen (Rettung, Feuerwehr), Sozial- und Behinderteneinrichtungen (z.B. Caritas, SOS-Kinderdorf) sowie öffentliche Gebietskörperschaften (z.B. Landeskrankenhäuser). Wie aus einer Anfragebeantwortung des Innenministeriums an die Grüne Abgeordnete Theresia Haidlmayer hervorgeht, konnten beim Zuweisungstermin Februar 2007 in allen drei Kategorien nur noch rund drei Viertel der angefragten Zivildienstplätze besetzt werden: Angefordert wurden 1.314 Zivildiener, zugewiesen 984.
Im Februar 2006 war die Zuweisungsquote bei Sozialorganisationen und Gebietskörperschaften noch bei 90 Prozent und mehr gelegen. Nur bei den Blaulichtorganisationen lag die Quote schon damals bei 73 Prozent.
Besonders schwierig dürfte die Situation beim Roten Kreuz in der Steiermark, in Kärnten und in Niederösterreich sein: In der Steiermark wurden von 150 angeforderten Zivildienern nur 58 zugewiesen (also nur knapp mehr als ein Drittel), in Kärnten von 40 Angemeldeten 18 und in Niederösterreich von 22 Angemeldeten neun (also jeweils weniger als die Hälfte). Das Kärntner Rote Kreuz ist daher dazu über gegangen, fixe Aushilfskräfte anzustellen, die den Zivildienermangel ausgleichen sollen und zu Rettungssanitätern ausgebildet werden. Zur Finanzierung tragen Land Kärnten und das AMS bei.
Im gesamten Jahr 2006 lag die Quote schließlich bei 88,5 Prozent - fast zwölf Prozent der Zivildienerstellen konnten also nicht besetzt werden. Damit sank die Quote erstmals seit langem wieder auf das Niveau der 90er Jahre - und das, obwohl so viele Zivildiener zugewiesen wurden wie noch nie. Grund: Wegen der Verkürzung der Dienstzeit erreichte auch die Nachfrage im Vorjahr Rekord-Niveau und der Anstieg bei den Zuweisungen konnte das starke Plus beim angemeldeten Bedarf bei weitem nicht decken.
BZÖ fordert Ausbau des freiwilligen Sozialjahres
Das BZÖ fordert angesichts des Zivildienermangels, das "Freiwillige Soziale Jahr" (FSJ) auszubauen. Konkret schlägt BZÖ-Sozialsprecherin Ursula Haubner vor, das Sozialjahr bei einschlägigen Ausbildungen (etwa im Pflegebereich oder bei medizinischen Fachhochschulen) anzurechnen.
Das FSJ können Männer und Frauen ab 18 Jahren für zehn bzw. elf Monate bei Sozialeinrichtungen absolvieren. Laut Haubner haben im Vorjahr 336 Österreicher diese Möglichkeit genutzt. "Die Regierung ist gefordert, das FSJ gesetzlich zu verankern", so Haubner.
(apa/red)
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