Mittwoch, 4. April 2007

Rad-Sattel statt Auto- oder U-Bahnsitz: Frühlingswetter sorgt für Bike-Boom in Wien

  • Fahrräder für die Stadt sind heuer besonders gefragt
  • PLUS UMFRAGE: Sind auch Sie schon umgestiegen?

Nach dem milden Winter, der Wien Rekordwerte beim Radverkehr verschafft hat, sorgt nun der Frühling für klingende Kassen bei den Fahrradhändlern. Gerade Stadträder für die täglichen Fahrten verkaufen sich überdurchschnittlich gut. Dass derzeit auch die Parkschein-Preise und Öffi-Tarife steigen, dürfte damit nur wenig zu tun haben.

"Ich kann mich nicht beklagen", sagte Fritz Aichinger, Sportartikel-Händler, Handelsobmann der Wiener Wirtschaftskammer auf APA-Anfrage: "Wir verkaufen Räder heuer schon seit Februar sehr gut." Um ein gutes Drittel liege man über den üblichen Werten für diese Jahreszeit, und beim Fahrradservice gebe es einen regelrechten Rückstau.

Vor allem Stadtfahrräder gefragt
Gefragt seien bei ihm vor allem Stadtfahrräder, so Aichinger. Dass gerade jetzt so viele Räder gekauft würden, habe wohl vor allem mit dem Wetter zu tun, meinte er. Wegen teurerer Park- oder Fahrscheine steige kaum jemand aufs Fahrrad um. Da gehe es schon eher um Staus und den Parkplatzmangel in der Stadt: "Es sind eher die Umstände als die Preise", so der ÖVP-Politiker.

Gestresst gab man sich bei der "Cooperative Fahrrad", ein auf hochwertige Alltagsgeräte spezialisiertes Geschäft in Wien-Mariahilf. "Ja, es werden mehr Räder verkauft. Das merkt man daran, dass das Geschäft voll ist", meinte ein Verkäufer. Räder für den Alltag gingen auch bei ihnen besser denn je, und auch Falträder - die aufgerüsteten Nachfolger der Klappräder der siebziger Jahre - seien sehr gefragt.

Immer mehr Radfahrer in Wien
Nach Angaben der Stadt werden in Wien immer mehr Wege mit den Rad zurückgelegt. Der Anteil am Gesamtverkehr soll nach jahrelangem Dahindümpeln zwischen drei und vier Prozent inzwischen bei sechs Prozent liegen, und bis 2010 will man einen Radverkehrsanteil von acht Prozent schaffen. Zählt man alles zusammen, kommt Wien auf 1.056 Kilometer an Radverkehrsanlagen. Heuer sollen 30 Kilometer dazu kommen, was der Stadt sechs Mio. Euro Wert ist.

Bei der Radlerlobby Argus will man der Euphorie nicht ganz trauen. "Ja, es ist mehr geworden, aber vor allem in den inneren Bezirken", meinte Evelyne Doppel. Aktuelle Verkaufszahlen kenne sie nicht, aber der große Boom beim Fahrradverkauf habe doch eher schon in den neunziger Jahren stattgefunden.

15% Radverkehrsanteil wäre in Wien machbar
Machbar wäre in Wien ein Radverkehrsanteil von 15 Prozent, doch dafür brauche man flächendeckend Radstreifen in den Hauptverkehrsstraßen. "Derzeit kann man von Anfängern nicht verlangen, dass sie dort fahren", so Doppel. Immerhin sei die Aggressionen gegenüber den Radlern nicht mehr so groß wie früher: "Je mehr Radler unterwegs sind, desto mehr gewöhnen sich die Autofahrer daran."

(apa/red)

4.4.2007 12:27