Frankreich: Die Waffen einer Frau

So will Ségolène Royal trotz chronischen Umfragetiefs die erste Präsidentin werden: NEWS begleitete die Sozialistin auf den entscheidenden Metern ihrer Wahlkampftournee.
Die Inszenierung der Spontanität gelingt. Über eine Stunde wartet die Menge bereits vor dem Lycée am Stadtrand von Orléans, wo Ségolène Royal mit Lehrern mittagessen wird. Menschentrauben gruppieren sich um Vertreter der Sozialistischen Partei (PS), die im feinsten Zwirn und hochnervös auf die Begrüßung warten. Sie hält nicht am Tor, sondern fährt direkt ins Schulareal, ruft plötzlich ein Funktionär den ebenso wartenden Fotografen zu.
Tut sie aber nicht. Minuten später lässt Ségolène Royal den silbergrauen Wagen einige Meter vor dem Tor, neben einer Gruppe Jugendlicher, halten, schüttelt ihre Hände, umarmt sie, fragt sie nach den Noten. Ségolène wird Präsident, haben sie eine Stunde lang im Chor gebrüllt, feierten die 53-Jährige wie einen Rockstar. Im Laufschritt stürzt die wartende Menge hin zur Kandidatin, umzingelt sie. Royals Sicherheitstrupp rinnt der Schweiß in Bächen von der Stirn. Die Kandidatin ist in dem wilden Gewühl nicht mehr zu sehen. Verloren steht das eigentliche Begrüßungskomitee vor dem Tor. Die honorigen Herren sehen aus, als hätten sie gerade in eine Zitrone gebissen.
Weiblicher Stimmenschwund. Ségolène Royal tut, was sie will, und schert sich dabei wenig um Protokoll oder alte Spielregeln. Das bekommen die Parteisekretäre hier in der Provinz genauso zu spüren wie die Granden der Partei in Paris.
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