Freitag, 6. April 2007

Nikis Rundumschlag: Niki Lauda im FORMAT-Interview über Airline-Pläne und alte Väter

  • Attacke von Niki gegen AUA auf Wien-Moskau Strecke
  • Umtriebig: Werbung, Moderation, Autovermietung

Airliner Nikolaus Andreas Lauda, seines Zeichens Chef des Low-Cost-Carriers "Niki" holt zum Rundumschlag aus. Niki nazionale präsentierte sich im Exklusivinterview mit FORMAT in Hochform und ließ kaum ein heißes Thema unberührt: die Troubles bei SkyEurope, mit der eine von Investor Ronny Pecik eingefädelte Kooperation mit Nikis Airline vorerste einmal platzte (siehe Kasten Seite 42), seinen Erzfeind AUA, wo er dem neuen General Alfred Ötsch zwar ein gutes Zeugnis ausstellt, ihn aber nicht um die Aufgabe beneidet, die Hinterlassenschaft seiner Vorgänger aufzuräumen. In der österreichischen Politik konsta-tiert er ein "Paris-Hilton-Syndrom" und empfiehlt den Verantwortlichen aller Couleurs, erst nachzudenken und dann mit Ideen an die Öffentlichkeit zu treten.

Format: Herr Lauda, Sie haben am Sonntag mit dem Investor Ronny Pecik ein ziemlich angeregtes Gespräch im Café Blaustern geführt. Worüber haben Sie mit ihm gesprochen?

Lauda: Das Thema war SkyEurope, an der Pecik über seine Privatstiftung Aktionär ist. Am Tag der Hauptversammlung der Airline habe ich die Maschine des "Niki"-Erstfluges Wien-Moskau persönlich pilotiert und habe mir von Ronny deshalb die Details nachträglich schildern lassen.

Format: Wo liegt denn Ihr primäres Interesse bei diesem Deal?

Lauda: Es gab Pläne, Synergien zwischen den Low-Cost-Carriern und Niki zu bündeln. Doch dazu müsste SkyEurope zuerst ihre Verluste, die sich 2006 auf 57 Millionen Euro beliefen, auf null stellen.

Gewinne trotz Billig-Tickets
Format: Wie kalkulieren Sie, dass Sie trotz Billigtickets auch noch Gewinne einfahren?

Lauda: Zehn bis 15 Prozent der Tickets gibt es zum absoluten Bestpreis von et-wa 29 Euro. Der Rest der Sitzplätze wird frei kalkuliert. Das heißt, je näher es zum Abflugtermin geht, desto teurer werden die Tickets.

Format: Wie teuer müssen dann diese Tickets verkauft werden, damit die Airline noch kostendeckend arbeitet?

Lauda: Mit einem Durchschnittspreis pro Sitzplatz von 75 bis 90 Euro pro Stunde Betriebszeit und knapp 80 Prozent Auslastung verdienen wir schon Geld. Hinzu kommt natürlich eine sehr gute Kostenstruktur, angefangen beim Flugzeugeinkauf bis hin zu den Personalkosten. Niki beschäftigt lediglich 19 Mitarbeiter in Wien im Overhead, die restliche Organisation wird von Air Berlin bestritten.

Konkurrenz-Kampf mit der AUA
Format: Seit ein paar Tagen attackiert Niki die AUA auf der Strecke Wien- Moskau. Um wie viel unterbieten Sie Ihren Mitbewerber?

Lauda: Unser billigstes Ticket kostet 99 Euro, die AUA ist wesentlich teurer. Wir sind auf jeden Fall bis zu 50 Prozent billiger und mit den Vorausbuchungen sehr zufrieden. Es wird allerdings zwei Jahre brauchen, bis wir auf dieser Strecke Geld verdienen werden.

Werbung, Moderation, Autovermietung: Umtriebiger Niki
Format: Herr Lauda, Sie sind ja neben dem Airlinebusiness ziemlich umtriebig, werben für Brain Force, Oerlikon, Superfund, moderieren bei RTL die Formel 1 und betreiben zudem noch die Autovermietung Lauda Motion. Wie geht das alles unter einen Hut?

Lauda: Langsam. Für Brain Force werbe ich, weil die meinen Sohn Mathias für die DTM sponsern. Beim Hedgefonds Superfund habe ich meinen Werbevertrag nicht verlängert …

Format: …weil dessen Werbespruch "Hedgefonds sind wie ein Ferrari" nicht mehr stimmt?

Lauda: Zum Teil. Als ich damals investiert war, gab es gute Zeiten, es folgten aber auch Downturns. Heute bin ich bei Superfund nicht mehr investiert.

Format: … dafür umso mehr bei Ronny Peciks Anlagenbauer Oerlikon. Der ist ja auch Ihr neuer Kapperl-Sponsor, von dem Sie gut einen dreistelligen Tausenderbetrag in Euro pro Jahr kassieren.

Lauda: Oerlikon ist eine Super-Firma. Dort bin ich heute auch investiert.

Koalition: Schluss mit dem Paris-Hilton-Syndrom
Format: Themenwechsel. Herr Lauda, wie sind Sie eigentlich mit der Arbeit unserer neuen Regierung zufrieden?

Lauda: Dass eine große Koalition eine der mühsamsten Formen ist, ist ja bekannt. Es wird meist so lange verhandelt, bis ein schlechter Kompromiss herauskommt. Was ich mir wünsche, ist, dass der Konjunkturmotor künftig mit noch mehr PS fährt, das sichert Arbeitsplätze. Was mich allerdings stört, ist das Paris-Hilton-Syndrom in der Politik, die Effekthascherei in den Medien, ohne fundierte Information anzubieten.

Format: Beispielsweise …

Lauda: Etwa die mühsame Diskussion über Umweltprobleme wie die Belastung durch Kerosin und die gleichzeitige Aufforderung an die Bürger, auf Langstreckenflüge zu verzichten. Dasselbe gilt für die Nichtraucherdiskussion. Die Politiker sollten zuerst hinter verschlossenen Türen Vorschläge erarbeiten und danach dem Volk die Lösungen präsentieren, anstatt die Bürger mit jedem Furz und Kleinkram zu belästigen. Es ist nicht die Aufgabe von Politikern, ständig in der Zeitung zu stehen, das soll Paris Hilton tun.

Wird Lauda noch einmal Vater?
Format: Verzeihen Sie diese intime Frage: Sie haben eine sehr junge Freundin, stellt sich da nicht die Frage nach einem Kind. Wenn ja, sind Sie dafür nicht schon zu alt?

Lauda: Es kommt nicht darauf an, wie alt ein Vater ist, sondern darauf, wie er mit dem Kind umgeht. Es gibt nämlich auch junge Väter, die im Denken und im Umgang mit ihren Kindern uralt sind.

Interview: Gabriela Schnabel

Das ganze Interview lesen Sie im aktuellen FORMAT!

6.4.2007 10:40