Gemischte Bilanz nach fünf Jahren: Euro ist
in vielen Bereichen zum "Teuro" geworden!
- Preise für Gastronomie & Dienstleistungen gestiegen
Sicherheitsmängel: Neue Euro-Scheine wohl ab 2010 - INFO: Was teurer bzw. billiger wurde! Plus: UMFRAGE!
·INFO-GRAFIK
Preis-Änderungen seit der Einführung des Euros
·UMFRAGE: Vermissen Sie den Schilling?
Klicken: Wäre Ihnen die alte Währung lieber?
·Euro wird von Öster-
reichern akzeptiert
Nur 23 Prozent hätten gerne Schilling zurück
·Österreichs Jugend will in der EU bleiben
Umfrage: Für 95 Prozent ist Austritt kein Thema
·Europäer werden mit dem Euro nicht warm
Mehrheit hätte lieber die alten Währungen zurück
·Kaufkraft: Ein Euro nur noch 84 Cent wert!
Hauptgrund sind drastisch
gestiegene Energiepreise
Der Euro hat auch fünf Jahre nach seiner Einführung als gesetzliches Zahlungsmittel am 1. Jänner 2002 in Österreich noch problematische Seiten. Bei Großausgaben rechnen rund vier von fünf Österreichern immer noch in Schilling um, haben also kein "Eurogeldwertgefühl". Preisanstiege werden von 93 Prozent der Österreicher dem Euro angelastet, als größte Vorteile werden einfachere Preisvergleiche (51 Prozent) und günstigere Reisen (57 Prozent) genannt. Während 62 Prozent insgesamt Vorteile des Euro sehen, bleiben 24 Prozent der Österreicher skeptisch und sehen insgesamt Nachteile durch die Einführung der europäischen Währung.
"Wir müssen noch ein Viertel der Österreicher von den Vorteilen überzeugen", zeigte sich der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Klaus Liebscher, am Dienstag bei einer Pressekonferenz zum Thema "Fünf Jahre Eurobargeld in Österreich" optimistisch.
OeNB sieht Erfolgsgeschichte
Für die OeNB ist der Euro jedenfalls eine Erfolgsgeschichte: Österreich gehöre mit Finnland und Deutschland zu den drei preisstabilsten Ländern des Euroraums. Die durchschnittliche HVPI-Inflationsrate betrug zwischen 1999 und 2006 1,7 Prozent jährlich und war damit so niedrig wie nie zuvor über einen Zeitraum von acht Jahren seit 1945. In den fünf Jahren seit der Euro-Bargeldumstellung betrug die Inflationsrate in Österreich trotz stark gestiegener Erdölpreise im Durchschnitt ebenfalls 1,7 Prozent.
Starke Verbilligungen vs. empfindliche Verteuerungen
Bei genauer Betrachtung zeigt sich allerdings ein gemischtes Bild: Starken Verbilligungen in einigen Sektoren stehen empfindliche Preissteigerungen im Alltag gegenüber. Im Schnitt betrugen die kumulierten Preissteigerungen (Verbraucherpreisindex insgesamt) zwischen 2002 und 2006 in Österreich 9,0 Prozent.
Überdurchschnittlich stark stiegen die Preise in der Gastronomie (+ 12,8 Prozent), bei Dienstleistungen (+13,2 Prozent) sowie bei Energie (+23,1 Prozent). Nahrungsmittel blieben mit einer Preissteigerung von 7,4 Prozent etwas unter dem Schnitt. Billiger wurden etwa Flugreisen (-10,9 Prozent Preissenkung), Nachrichtenübermittlung (-15,3 Prozent) und Produkte im Elektroniksektor (-38,8 Prozent).
Der in den ersten Jahren nach der Euro-Bargeldeinführung auftretende Unterschied zwischen "gefühlter" und "gemessener" Inflation hat sich laut OeNB bis Ende 2006 deutlich vermindert. Von OeNB-Direktor Peter Mooslechner wird die höhere "gefühlte Inflation" darauf zurückgeführt, dass die billiger gewordenen Waren, "etwa der Flachbildfernseher", eben nur alle paar Jahre angeschafft werden, die teurer gewordene Melange im Kaffeehaus und der Friseurbesuch aber viel häufiger im Geldbörsel gespürt werden.
Preisempfinden einkommensabhängig
"Es ist unbestreitbar, dass es in einzelnen Sektoren zu beachtlichen Preissteigerungen kam, die sich verfestigt haben", räumte auch Liebscher ein. Das Preisempfinden sei sicherlich einkommensabhängig. Ältere Menschen, Frauen und Personen mit niedriger Bildung empfinden höhere Preissteigerungen. Auf die Frage, ob die höhere "gefühlte Inflation" nun ein Vorurteil oder ein Fakt sei, meinte der Nationalbank-Gouverneur diplomatisch, "sowohl als auch".
Kaum Probleme mit Euro-Werteskala
Die praktischen Probleme mit der neuen Währung sind inzwischen eher gering: Im Jahr 2006 gaben 93 Prozent der Österreicher an, sich mit der Handhabung der Banknoten sehr leicht oder leicht zu tun. Bei den Münzen sind dies allerdings nur mehr 68 Prozent. Nur 12 Prozent haben mit der Euro-Werteskala noch größere Probleme. Das "Eurogeldwertgefühl" ist beim täglichen Einkauf schon recht ausgeprägt: 69 Prozent der Österreicher haben 2006 bereits ein Wertgefühl für den Euro entwickelt. Anders bei Großausgaben: Hier denken nur 22 Prozent der Österreicher in Euro - die große Mehrheit nimmt bei größeren Summen noch den (umgerechneten) Schilling-Preis als Referenzwert.
Neue Euro-Banknoten sollen 2010 kommen
Die nächste Generation von Euro-Banknoten ist bereits in Vorbereitung: Eine neue Euro-Banknotenserie mit verbesserten und neuen Sicherheitsmerkmalen ist für das Jahr 2010 geplant. Die Motive und die Stückelung sollen unverändert bleiben, das Design werde angepasst, erklärte der Vize-Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Wolfgang Duchatczek.
Am häufigsten gefälscht werde derzeit die 50-Euro-Banknote. Auch bei Euro-Münzen werde gefälscht. Die Gesamtzahl der aus dem Umlauf stammenden Fälschungen hat sich in Österreich von rund 13.000 im Jahr 2004 auf unter 6.000 Stück im Jahr 2006 mehr als halbiert. Um das Vertrauen in die Währung zu sichern, will die Nationalbank auch in Zukunft weiter in die Fälschungssicherheit des Bargelds investieren.
(apa/red)

