Dienstag, 3. April 2007

Endesa-Poker zu Ende: E.ON einigt sich mit seinen Konkurrenten auf einen Kompromiss

  • Deutsche geben Kampf um die Übernahme auf
  • Düsseldorfer bekommen Paket im Wert von 10 Mrd.

Nach dem Ausscheiden aus dem Übernahmekampf um Endesa sucht Deutschlands größter Energieversorger E.ON nach neuen Übernahmezielen. E.ON-Chef Wulf Bernotat sagte, die Einigung mit Acciona und Enel lasse dem Düsseldorfer Konzern einen großen finanziellen Spielraum, um weiter einer aktive Rolle bei der Konsolidierung der Energiebranche in Europa zu spielen. An der Börse schoss der Kurs der E.ON-Aktie nach der Bekanntgabe des Kompromisses steil in die Höhe.

In der überraschend bekannt gegebenen Einigung macht E.ON den südeuropäischen Konkurrenten Enel und Acciona den Weg frei für eine Mehrheitsübernahme beim spanischen Strommarktführer. Im Gegenzug erhält der Konzern ein umfangreiches Paket von Endesa- und Enel-Beteiligungen in Spanien, Italien und Frankreich. Der Preis für das Paket, dass knapp 30 Prozent der weltweiten Erzeugungskapazität von Endesa umfasst, liegt bei rund 10 Mrd. Euro, 32 Mrd. Euro weniger als E.ON eigentlich in Spanien auszugeben bereit war.

E.ON habe damit mehr Möglichkeiten zum Wachstum in anderen Märkten, betonte Bernotat. Großes Augenmerk will der Konzern dabei Osteuropa und Russland widmen. Vor allem in Russland böten sich bei der Privatisierung des Strommarktes interessante Möglichkeiten. Ein Übernahmeziel in der Größe von Endesa sei allerdings nicht in Sicht. Der Kauf hätte E.ON mit einem Schlag zum weltgrößten Energieversorger gemacht.

Bernotat räumte ein, der nun erzielte Kompromiss sei gemessen am ursprünglichen Ziel enttäuschend. Doch sei es der einzige vernünftigen Ausweg aus der immer stärker verfahrenen Situation um Endesa gewesen. Die angestrebte Mehrheit bei dem spanischen Unternehmen sei für E.ON nicht mehr erreichbar gewesen.

E.ON baut Stellung in Südeuropa aus
Der Kompromiss bringt den deutschen Stromriesen Bernotat zufolge strategisch ein großes Stück weiter. "E.ON wird dadurch insbesondere in Südeuropa noch stärker vertreten sein. Damit haben wir unser strategisches Ziel erreicht, wenngleich auch nicht in dem ursprünglich angestrebten Umfang", sagte Bernotat.

Der Kompromiss macht E.ON auf einem Schlag zum viertgrößten Stromproduzenten in Italien und Spanien, sowie zur Nummer drei auf dem französischen Markt. Das neue Engagement in Spanien und Italien ergänze ideal die Aktivitäten des Konzerns in Nord-, West-, Zentral- und Osteuropa und eröffne dem Konzern Wachstumschancen in attraktiven Märkten. Kein anderes Energieunternehmen sei in Europa so breit aufgestellt, betonte der Manager.

Der Übernahmekampf um Endesa hat für E.ON fast eineinhalb Jahre gedauert. Von Anfang an sah sich der Konzern massiven Widerständen von Seiten der spanischen Regierung gegenüber, der auch nachgesagt wird, bei dem Übernahmeangebot von Enel und Acciona die Fäden gezogen zu haben. Die beiden südeuropäischen Konzerne wollen nun so schnell wie möglich ein eigenes Übernahmeangebot für Endesa mit einem Mindestpreis von 41 Euro je Endesa-Aktie vorlegen. Da sie bereits über mehr als 45 Prozent der Aktien verfügen, besteht an einem Erfolg kaum ein Zweifel.

(apa/red)

3.4.2007 15:17