Mittwoch, 4. April 2007

Kühbauers Predigt zündete Mattersburg: Underdog jagte die Bullen aus dem Cup

  • "In der Kabine ging es etwas rustikaler zur Sache"
  • Coach Lederer fordert mehr Respekt für "Dorfklub"

Spätestens seit der spektakulären Aufholjagd im Cup-Halbfinale auswärts gegen Red Bull Salzburg (3:2 nach 0:2-Rückstand) ist der SV Mattersburg ganz klar Österreichs Mannschaft der Stunde. Platz zwei in der Bundesliga, zum zweiten Mal in Folge Cupfinalist - kein Wunder, dass Coach Franz Lederer die Öffentlichkeit auffordert, seiner Truppe ein wenig mehr Respekt entgegen zu bringen.

"Wir sind Zweiter und spielen im Cupfinale. Klar, wir sind noch immer ein Dorfklub und bei uns läuft alles sehr bodenständig ab. Aber wir haben uns mehr Respekt verdient. Spätestens mit diesem Spiel haben wir gezeigt, dass wir eine ausgezeichnete Fußballmannschaft sind." Die Burgenländer stehen zum zweiten Mal in der Geschichte im Cup-Endspiel (1. Mai), im Vorjahr gab es im Finale ein 0:3 gegen Double-Gewinner Austria.

Der Knackpunkt der lange Zeit schwachen, aber ab der 70. Minute umso mitreißenderen Partie dürfte kurioserweise in der Pause in den Katakomben des EM-Stadions passiert sein. Während Giovanni Trapattoni und Lothar Matthäus ihre 2:0 in Führung liegende Startruppe scheinbar vergeblich vor Überheblichkeit und Nachlässigkeit gewarnt haben, flogen in der Kabine der vor der Pause harmlosen und schwachen Mattersburger die Fetzen.

"In der Kabine ging es rustikal zur Sache"
Ein Mann für solche Fälle ist natürlich Leithammel Didi Kühbauer, der die richtigen Worte gefunden haben dürfte. "Vor der Pause haben einige nicht an sich geglaubt. Da ging es dann in der Kabine etwas rustikaler zur Sache", berichtete Lederer. Und Doppeltorschütze Ilco Naumoski meinte: "Kühbauer hat uns in der Kabine aufgeweckt und einigen Spielern gesagt, wo es lang geht."

Kühbauer selbst meinte zum Thema beim Pausentee: "Was wir vor der Pause gezeigt haben, war ein Graus. Das war zum Genieren. Gegen Salzburg kann man verlieren, aber nicht so. Da hätte ich zu Hause bleiben und mit meiner kleinen Tochter spazieren gehen können, das wäre gescheiter gewesen." Nach dem Schlusspfiff zeigte sich der "Oldboy" dafür dann "sehr, sehr stolz". Auch 2006 hatte es für Kühbauer ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk gegeben, damals hatten die Mattersburger an seinem 35. Geburtstag im Cup-Viertelfinale seinen Ex-Klub Rapid 1:0 bezwungen.

"Wir waren körperlich klar stärker"
Mann des Spiels war neben "Kabinenprediger" Kühbauer der Zweifachtorschütze Naumoski, der mit einer tollen Leistung und den Treffern zum 2:2 (83.) und 2:3 (110.) hauptverantwortlich für die "Auferstehung" der Gäste war. "Salzburg ist keine Übermannschaft. Wir haben den Respekt in der Kabine gelassen und gezeigt, was passiert, wenn man mit Herz Fußball spielt", erzählte der mazedonische Teamstürmer, der am Tag des Spiels vom Tod seines ihm sehr nahe stehenden Großvaters erfahren hatte.

Bei der Siegesparty der Burgenländer in der Kabine gab es übrigens neben Bier auch Pizza für die gesamte Belegschaft. Allerdings kalte, denn die Pizzen waren Mitte der zweiten Hälfte für 19:45 Uhr bestellt worden, also fürs Ende der regulären Spielzeit. Wirklich alle Mattersburger dürften also doch nicht vollends ans "Wunder" geglaubt haben.

Pizza hin oder her - was besonders beeindruckte und auch etwas überraschte, war die Tatsache, dass die Mattersburger bei ihrem Husarenritt den deutlich längeren Atem als die Red-Bull-Stars hatten. "Wir waren körperlich klar stärker", meinten Lederer und Kühbauer unisono.

(apa/red)

4.4.2007 11:22