Samstag, 7. April 2007

Keine Geld-Zahlungen im "Spionagefall" Spyker: Berger gegen Ecclestone-Vorschlag

  • Streit um Kundenautos weitet sich immer mehr aus
  • PLUS: Alexander Wurz lehnt "Fahrerkuppel" ab

Der Plagiats-Streit in der Formel 1 zwischen Spyker und Toro Rosso bzw. Super Aguri weitet sich zum "Spionagefall" aus. Denn Toro-Rosso-Miteigentümer Gerhard Berger fragt sich nun, wie Spyker-Teamchef Colin Kolles an jene Kopie der technischen Zeichnung gekommen ist, die beweisen soll, dass zumindest Teile des Toro Rosso von Red Bull Racing gefertigte Kopien sind.

Kolles behauptet, dass ihm das Papier anonym zugespielt worden sei. "So etwas passiert in der Formel 1 oft", sagte der Deutsche. Auch Niki Lauda kann das nachvollziehen. "Das ist Teil der Neidgenossenschaft Formel 1. Und überall dort üblich, wo einer glaubt, dass der andere betrügt", betonte der dreimalige Weltmeister.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat unterdessen versucht, einen Kompromiss in Form einer Geldzahlung an Spyker anzuregen. Doch Berger hält vom Vorschlag des 76-Jährigen nichts. "So einen Kompromiss lehne ich ab. Entweder wir haben Recht oder nicht. Wenn nicht, müssen wir eben etwas anders machen. Hier geht es um's Prinzip", erklärte der Tiroler und ergänzte: "An sich sollten Max Mosley oder Bernie hier entscheiden. Wenn das nicht geht, ist es für uns auch okay, wenn das ein ordentliches Gericht tut."

Prinzipiell beweise diese Zeichnung ohnehin nichts, so Berger, der von einem Formal-Problem sprach. Die Red-Bull-Technologies habe es schon längst gegeben, ehe Red-Bull-Racing-Limited - so heißt RBR nun - gegründet worden sei. Sportlich hat Berger unterdessen bestätigt, dass Toro Rosso keinen dritten Fahrer engagieren wird. Vielmehr sollen Tonio Liuzzi und Scott Speed so viele Kilometer wie möglich fahren. Zur Not könnte offenbar Red-Bull-Testfahrer Michael Ammermüller "ausgeborgt" werden.

Bezüglich der Pläne eines Nacht-Grand Prix in Singapur hat Ecclestone unterdessen die besorgten Malaysier beruhigt. Schon 2008 könnte es im benachbarten Singapur, das sich in den 60er Jahren vom heuer seine 50-jährige Unabhängigkeit feiernden Malaysia abgetrennt hat, einen Stadt-GP unter Flutlicht geben. Dagegen hatte sich aber unlängst sogar die malaysische Sportministerin ausgesprochen.

Ecclestone sieht aber keine Probleme. "Malaysia würde weiter am Saisonbeginn stattfinden, Singapur erst gegen Ende", beruhigte der Engländer. Dessen ungeachtet mehren sich kritische Stimmen. Regen oder ein Stromausfall seien viel zu gefährliche Faktoren für ein Formel-1-Nachtrennen, so der Tenor.

Der gefährlich "Flugunfall" zwischen David Coulthard und Alex Wurz in Australien hat in Malaysia zu einem Sicherheits-Meeting geführt. Es sei vorstellbar, die Cockpitwände höher zu gestalten, hieß es danach. Das Cockpit mit einer Art "geschlossene Kuppel" zu versehen, stößt hingegen auf wenig Zustimmung.

Auch Wurz selbst kann sich damit nicht anfreunden. "Die Formel 1 ist traditionell Autofahren mit offenen Cockpits. Wenn sie das machen, hätten sie gleich bei Sportautos bleiben können", meinte der Österreicher. Eine Möglichkeit wäre aber, die Seitenkühler so zu vergrößern, dass damit die Räder besser abgedeckt sind und das "verhaken" zweier Autos verhindert wird.

Wurz ist punkto Sicherheit besonders engagiert. Auch im normalen Straßenverkehr, wie sein Engagement bei "Test&Training International" beweist. Der 33-Jährige wird deshalb noch im April sogar einen Vortrag bei der UNO in Genf halten.

(apa/red)

7.4.2007 15:53
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