Mittwoch, 4. April 2007

Manipulation der Blutprobe dementiert: Schlinge um Ullrich zieht sich zusammen

  • Fund bei Arzt Fuentes erhärtet den Doping-Verdacht
  • T-Mobile-Sprecher "enttäuscht, aber nicht überrascht"

Die Bonner Staatsanwaltschaft hat im Fall Jan Ullrich Manipulations-Vorwürfe zurückgewiesen, die Anwälte des Ex-Radstars bestreiten weiter jeden Nachweis von Doping. Nach dem positiven Abgleich von neun Blutbeuteln aus der Madrider Klinik des mutmaßlichen Doping-Arztes Eufemiano Fuentes mit einer DNA-Probe Ullrichs hatten dessen Anwälte Manipulation nicht ausgeschlossen. "Dafür gibt s keine Anhaltspunkte", betonte der ermittelnde Staatsanwalt Friedrich Apostel. Der Hauptbetroffene hat bisher keinen Kommentar abgegeben.

"Wir warten jetzt erst einmal auf eine Reaktion der Ullrich-Anwälte und auf die Ergebnisse der Rechtshilfe-Anfragen an die Schweizer und belgischen Behörden, gegen die die Anwälte ebenfalls Rechtsmittel eingelegt haben", sagte Apostel.

Der Staatsanwalt wollte sich nicht auf einen Termin einer möglichen Anklage gegen den ehemaligen Kapitän des T-Mobile-Teams festlegen. Er habe "die große Hoffnung", das Verfahren vor Ende des Jahres abzuschließen, erklärte der Staatsanwalt. Aber es gebe vergleichbare Fälle, die zwei Jahre gedauert hätten.

Noch kein Doping-Beweis
Peter-Michael Diestel, einer der Anwälte Ullrichs, sieht seinen Mandanten durch die Ergebnisse des DNA-Abgleichs nicht belastet, es liege kein Doping-Beweis vor. "Von mir kursiert auch Blut. Ich habe einen Arzt in Rostock, ich habe einen Arzt in Berlin, ich habe einen Arzt in wer weiß wo. Das heißt doch noch lange nicht, dass mit dem Blut manipuliert wurde, dass es für Dopingzwecke und so weiter verwendet wurde. Der Weg bis zum Betrug ist sehr sehr weit", sagte Diestel dem Fernsehsender N24.

Ob ein mögliches Geständnis von Ullrich einen jetzt wahrscheinlicher gewordenen Strafprozess verhindern könnte, wollte der Staatsanwalt nicht sagen: "Das würden wir mit den Anwälten regeln." Es hätte vor dem Bekanntwerden der Identität der Blutbeutel mit den Code-Namen "Jan", "Nummer 1" und "Rudis Sohn" Gespräche mit den Ullrich-Vertretern "zur Erledigung des Verfahrens" gegeben. Ob es dabei auch konkrete Angebote gab, gegen Zahlung einer Summe die Ermittlungen einzustellen, bestätigte Apostel nicht.

Über 50 Radprofis unter Verdacht
Nach den neuesten Erkenntnissen Ullrich betreffend liegt der Verdacht nahe, dass die von den spanischen Behörden anderen verdächtigten Fahrern zugerechneten Codenamen ebenfalls stimmen. Das könnte unter anderen den bei Discovery Channel unter Vertrag stehenden Ivan Basso (Italien) betreffen und den Deutschen Jörg Jaksche, der allerdings einem DNA-Abgleich zugestimmt hat. Insgesamt wurden über 50 Radprofis verdächtigt, mit dem umstrittenen Mediziner illegal zusammengearbeitet zu haben.

Christian Frommert, der Sprecher von Team T-Mobile, zeigte sich "enttäuscht, aber nicht überrascht" über die jüngste Entwicklung. Ullrich habe der Teamführung gegenüber stets betont, nie mit Fuentes in Kontakt gewesen zu sein.

Über eine mögliche Klage gegen Ullrich, dessen Vertrag im Juli aufgelöst worden war, wollte sich Frommert im TV-Sender N24 nicht äußern. Für den Rest des Jahres 2006 standen Ullrich laut Vertrag theoretisch geschätzte 1,1 Millionen Euro zu. Aus Ullrich-Kreisen war mehrfach kolportiert worden, der Profi hätte die gesamte Summe erhalten.

Kein gutes Zeugnis für den Weltverband
Frommert mahnte von den Sportbehörden Tests bei den übrigen Fahrern ein, die auf der Kunden-Liste von Fuentes stehen. "Der Fall Ullrich zeigt, dass der DNA-Abgleich richtig und notwendig ist."

Die Entwicklung im Fall Ullrich stellt die Rolle des Weltverbandes in Frage. Denn die Aufdeckung der jüngsten Fakten waren nur durch die Klage einer Privatperson vor einem deutschen Gericht möglich. Die Rechtsprofessorin Britta Bannenberg hatte Klage gegen Ullrich wegen Betrugs zum Nachteil seines Arbeitgebers eingebracht.

(apa/red)

4.4.2007 15:00