Freitag, 6. April 2007

Dramatische Rückbildungen: Österreichs Gletscher verloren 2006 im Schnitt 15 Meter

  • Extreme Zungenauflösungen haben sich fortgesetzt

Der Rückzug der österreichischen Gletscher geht weiter. Wie aus dem Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereines hervorgeht, betrug 2006 der mittlere Längenverlust 15,8 Meter. Im Jahr zuvor waren es 16,3 Meter. Von 102 gemessenen Gletscherzungen schmolzen 97 Gletscher (95 Prozent) zurück, vier (vier Prozent) blieben stationär. Bei einem Gletscher wurde ein schwacher Vorstoß registriert.

Seit 1891 wird vom Alpenverein der Gletschermessdienst organisiert. Seit 115 Jahren werden von den Mitarbeitern dieses Dienstes ausgewählte Gletscher beobachtet und ihre Veränderungen messend verfolgt.

Durch den derzeitigen Gletscherrückgang wird alljährlich Neuland eisfrei, das zumindest seit den vergangenen 1.300 Jahren dauernd eisbedeckt war. Der starke Gletscherrückgang sei "kein Trauerkapitel". Er zeige auch, dass die derzeitige Entwicklung an den Gletschern "nicht außergewöhnlich" sei.

Die extremen Zungenauflösungen hätten sich 2006 fortgesetzt. Das Horn Kees in den Zillertaler Alpen sei ist um 84 Meter, das Schmiedinger Kees in der Glocknergruppe um 70,5 Meter und der Gaisbergferner in den Ötztaler Alpen um 70 Meter kürzer geworden. Ein Gletscher (Schalf Ferner, Ötztaler Alpen) sei um 52,2 Meter und 20 Gletscher seien zwischen 20 und 40 Meter zurückgeschmolzen.

Bei der Pasterze bereite sich durch kesselförmige Eiseinbrüche am schuttfreien Zungenende ein überdurchschnittlicher Rückzugsbetrag vor. Der einzige vorrückende Gletscher war mit 1,9 Meter der hochgelegene Freiger Ferner in den Stubaier Alpen.

Die Jahresfließwege seien gering und auf der Pasterzenzunge in allen vier vermessenen Profilen weiterhin abnehmend. Die Jahresbewegung in der Profillinie 6 am Hintereisferner in den Ötztaler Alpen sei mit 6,2 Metern nahezu unverändert geblieben.

An allen Gletschern, an denen in Profilen die Höhe der Eisoberfläche eingemessen wird (Hintereisferner, Pasterze, drei Gletscher der AnkogelHochalmspitzgruppe) hätten sich Einsinkbeträge ergeben. Somit zeigten die Messungen wieder das Bild eines unverändert starken Massen- und Längenverlustes für das letzte Haushaltsjahr.

(apa/red)

6.4.2007 11:15