Freitag, 6. April 2007

'Links von der Linken': Trotzkist Besancenot liegt im antiwirtschaftsliberalen Lager voran

  • Frankreichs extreme Linke sind schwächer als 2002
  • Nur Besancenot schafft es in Umfragen auf 4 bist 5 %

Unerwartet schwach schneiden in den Umfragen zum französischen Präsidentschaftswahlkampf bisher die antiwirtschaftsliberalen Kandidaten "links von der Linken" ab. Nachdem sie es bei der Volksabstimmung im Mai 2005 geschafft hatten, das Scheitern des Europäischen Verfassungsvertrages herbeizuführen, bewegen sich Trotzkisten, Kommunisten und Globalisierungsgegner nunmehr unter der Fünf-Prozent-Schwelle. Bei der Präsidentenwahl 2002 hatten es ihre Kandidaten zusammen auf mehr als zehn Prozent der Stimmen gebracht.

Die einzige Ausnahme bildet der Kandidat der "Kommunistischen Revolutionären Liga" (LCR), Olivier Besancenot, der es in jüngsten Umfragen auf vier bis fünf Prozent der Wählerabsichten bringt. Der junge Briefträger unterscheidet sich von der Trotzkistin Arlette Laguiller ("Lutte Ouvrière"/LO), vom Globalisierungsgegner José Bové und von der Kommunistin Marie-George Buffet durch eine geschickte Mischung aus "harter Linie" im Alleingang und Öffnung zu den Gesinnungsgenossen. Gleichzeitig wirft er, anders als 2002, die parlamentarische Linke und die Rechte nicht mehr in einen Topf. Zwar lehnt er wie seine linken Gesinnungsgenossen eine Allianz mit der sozialistischen Kandidatin Ségolène Royal (PS) ab, allerdings lässt er durchblicken, dass er sich nach dem ersten Durchgang am 22. April für die Sozialistin in der Stichwahl aussprechen dürfte, was Laguiller kategorisch ausschloss.

Die kleinen Linkskandidaten, die sich einen potenziellen Wähleranteil von etwa zwölf Prozent strittig machen, benötigen im ersten Durchgang einen Teil der PS-Wähler, wenn sie hoffen wollen, die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen, welche laut französischem Wahlrecht Anspruch auf die Rückvergütung der Wahlkampfspesen gibt. Besancenot übernimmt zu diesem Zweck einen Teil der Versprechen Royals, indem er sie allerdings noch weiter anreichert. Wenn die Sozialistin etwa einen gesetzlichen Mindestlohn (SMIC) von 1.500 Euro brutto verspricht, so stellt der LCR-Kandidat dieselbe Summe netto in Aussicht, "wenn man dafür auf die Errichtung eines siebenten nuklearbetriebenen Flugzeugträgers verzichtet".

Für Besancenot spricht sein Alter von nur 32 Jahren, während Laguiller eine 66 Jahre alte Rentnerin ist. Buffet ist 57 und verlor bei den extremen Linken viel von ihrer Glaubwürdigkeit, nachdem sie von 1997 bis 2002 unter dem sozialistischen Premier Lionel Jospin Ministerin für Sport und Jugend war. In Umfragen kann sie nur noch mit zwei bis drei Prozent der Stimmen rechnen. Sie schneidet damit noch schlechter ab als ihr Vorgänger Robert Hue, der 2002 mit 3,4 Prozent bereits das schlechteste Ergebnis in der Parteigeschichte verzeichnen musste.

Was Bové anlangt, so leidet der radikale Bauernführer als Präsidentschaftskandidat noch sehr unter seinem Image als "Revolutionär". In der Tat machte er bisher mehr durch Protestkundgebungen, die Zerstörung von genetisch veränderten Maisfeldern oder von Fast-Food-Restaurants auf sich aufmerksam als durch politische Ideen. Durch zahlreiche Auftritte in benachteiligten Vorstadtzonen versucht der 53-Jährige nun dieses "Bauern-Image" zu korrigieren. Es bleibt allerdings fraglich, ob er letztendlich mehr als die zwei Prozent Wähler überzeugen wird, die ihm die Meinungsforscher derzeit versprechen. (apa/red)

6.4.2007 13:33