Sarkozy "niederträchtig" und ein "Lügner": Schlammschlacht vor der Frankreich-Wahl!
- Debatte über zentrale Anliegen bisher ausgeblieben
- Bayrou: Unruhen bei der Gare du Nord inszeniert?
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Der Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich gerät zunehmend zur Schlammschlacht. Was nach Jugendkrawallen in Paris in der vergangenen Woche mit gegenseitigen Schuldzuweisungen der beiden Favoriten begann, steigerte sich inzwischen zu handfesten Beleidigungen. Nicolas Sarkozy wirft seiner Kontrahentin Ségolène Royal vor, ihn als "niederträchtig" zu beschimpfen. Diese brandmarkt Sarkozy daraufhin vor laufenden Kameras als "Lügner". Zentrumskandidat Francois Bayrou versucht sich in der Rolle des Friedensstifters in Szene zu setzen. Dabei heizt auch er das gereizte Klima mit dubiosen Unterstellungen weiter an.
Royal hatte sich bisher mit Attacken gegen Sarkozy strikt zurückgehalten. Auf ihren Wahlkampfveranstaltungen verbat sie sich gar Buh-Rufe gegen den UMP-Chef. Mittlerweile ist es mit ihrer Contenance jedoch vorbei. Der Grund: Sarkozy unterstellte ihr, sie habe sich nach den Krawallen am Pariser Nordbahnhof (Gare du Nord), die durch die Festnahme eines Schwarzfahrers ausgelöst worden waren, auf die Seite der Randalierer gestellt. "Eine Beleidigung", wetterte sie auf einer Pressekonferenz. Sarkozy habe seinen kühlen Kopf verloren, "keine würdige Art, Politik zu machen".
Der so Gescholtene ließ das nicht auf sich sitzen. Er hatte den Polizeieinsatz gerechtfertigt. Die Sozialisten machten dagegen die Law-and-Order-Politik des zurückgetretenen Innenministers für die Eskalation verantwortlich. Royal dürfe keinen Applaus von ihm erwarten, wenn sie sich hinter Betrüger stelle, legte er nach. "Und wenn sie mich als 'niederträchtig' hinstellt, dann sage ich nichts, es liegt wohl an vorübergehender Erschöpfung", fügte er hinzu.
"Lügner geeignet, Präsident zu werden?"
Royal platzte darauf endgültig der Kragen. Als "schändlich" habe sie allein seinen Vorschlag zu einem Ministerium für Einwanderung und nationale Identität kritisiert, stellte sie am Abend im Fernsehsender Canal+ klar. "Herr Sarkozy hat also gelogen, und ist ein Lügner geeignet, Präsident der Republik zu werden? Dieser Mann ist wirklich bereit, im Wahlkampf alles zu behaupten." Schon am Wochenende unterstellte sie Sarkozy, die Nerven zu verlieren, und mutmaßte, für den "bedauerlichen" Fall seiner Wahl werde er auch andere Staatschefs beleidigen, sollten sie nicht seiner Meinung sein.
Keine Debatte über Inhalte
Die gegenseitigen Tiefschläge erscheinen wie eine logische Folge des bisherigen Wahlkampfverlaufs. Eine echte Debatte über zentrale Anliegen ist ausgeblieben. Die Kampagne konzentriert sich wie nie zuvor auf die Personen, und die Kontrahenten reagieren oft im Abstand weniger Stunden auf vermeintliche Fehler oder Irrtümer.
Unruhen inszeniert?
Der Zentrumspolitiker Bayrou, der in Umfragen hinter Sarkozy und Royal auf dem dritten Platz liegt, bedauerte "die gegenseitigen Verletzungen", die sich die beiden Favoriten zufügten, und forderte ein Ende der Scharfmacherei. Doch auch der UDF-Chef beschränkt sich nicht allein auf eine sachliche Debatte. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Grenoble deutete er indirekt an, er halte die Unruhen bei der Gare du Nord für inszeniert. Die Krawalle brachten die innere Sicherheit schlagartig auf die Tagesordnung, Profit konnte daraus Sarkozy schlagen. Ein Zufall? "Ich finde das jedenfalls merkwürdig", sagte Bayrou. (apa/red)
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