"Der Papst aus der Nähe von Salzburg": In mozartinischer Umgebung aufgewachsen
- 'Mariazell ist ihm von der Heimat her näher als Berlin'
- In Marktl am Inn an einem Karsamstag geboren

Papst Benedikt XVI. aus Deutschland wird auf Grund seines kulturellen Hintergrunds von Vatikan-Mitarbeitern und Mitgliedern der deutschen Gemeinde am Heiligen Stuhl als der "Papst aus der Nähe von Salzburg" beschrieben. "Mariazell ist ihm von der Heimat her näher als Berlin."
Joseph Ratzinger stammt aus Bayern. In Marktl am Inn nahe der österreichischen Grenze erblickte er am 16. April 1927 - an einem Karsamstag, wie die kirchlichen Chronisten gerne betonen - das Licht der Welt. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf, erlebte aber ein "freudiges, farbiges, menschliches Christentum", erinnert er sich in seiner Autobiografie "Aus meinem Leben".
Tittmoning: Traumdland der Kindheit
Der Vater, ein Gendarm, wurde wiederholt versetzt. 1929 zog die Familie nach Tittmoning an der Salzach, wo Joseph im Alter von drei Jahren den Kindergarten im ehemaligen Augustinerkloster besuchte. In seiner Autobiografie schreibt er: "Die zweite Station unserer Wanderschaft war Tittmoning, die kleine Stadt an der Salzach, deren Brücke zugleich die Grenze nach Österreich bildet. Tittmoning, architektonisch ganz vom Salzburgischen her geprägt, ist das Traumland meiner Kindheit geblieben." Ende 1932 führte die Familie ein weiterer Umzug nach Aschau am Inn. Der fünfjährige Joseph besuchte dort die Schule. Zusammen mit Bruder Georg erhielt er im nahe gelegenen Kloster Au Klavierunterricht bei den Franziskanerinnen. Bis heute verbindet die Brüder die gemeinsame Liebe zur Musik.
Umzug nach Traunstein
Nach der Pensionierung des Vaters zog die Familie nach Traunstein, wo sie ein kleines Bauernhaus erwarb. Als Zwölfjähriger folgte Joseph seinem Bruder Georg in das Traunsteiner Studienseminar St. Michael, "mit großen Erwartungen", wie er in seiner Autobiografie schreibt. In dem besonders der Förderung von Priesterberufen ausgerichteten Studienseminar begann für die beiden Brüder der Weg zum Priestertum. Von Traunstein radelten die beiden Brüder immer wieder mal nach Salzburg, hörten Musik und lernten diesen Teil Österreichs kennen und lieben. In dieser Umgebung, die er selber als "mozartianisch" bezeichnete, erhielt er seine christliche, menschliche und kulturelle Prägung. Als Theologieprofessor war er dann regelmäßig zu Vorträgen und Vorlesungen an österreichischen Erwachsenenbildungseinrichtungen und als Kurienkardinal verbrachte er regelmäßig seine Urlaube im Bad Hofgasteiner Pfarrhof. Ein knappes Jahr bevor er Papst wurde, war er noch auf Salzburgurlaub und besuchte hier auch gemeinsam mit seinem Bruder Georg die Salzburger Festspiele.
Zerstörung Münchens mit 16
Joseph Ratzinger war 16 Jahre alt, als er die Zerstörung der bayerischen Landeshauptstadt München miterlebte. 1943 war er mit den anderen Seminaristen als so genannter Flakhelfer eingezogen worden. 1946 begann Joseph Ratzinger sein Theologiestudium in Freising und München. Am 29. Juni 1951 empfing er zusammen mit seinem Bruder Georg und 38 weiteren Diakonen durch Kardinal Michael Faulhaber die Priesterweihe.
Uni-Dozent mit 25
Bereits im Alter von 25 Jahren begann seine Universitätslaufbahn. Er wurde Dozent in Freising. 1958 folgte er einem Ruf auf den Fundamentaltheologischen Lehrstuhl nach Bonn, wurde 1963 Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte in Münster, später dann noch in Tübingen und in Regensburg. Viele österreichische Theologiestudenten zog es in diesen Jahren zu Freisemestern an Ratzingers Wirkungsstätten, darunter auch Kardinal Schönborn.
Erzbischof von München
1962 begleitete der junge Theologieprofessor Ratzinger den Kölner Kardinal Josef Frings zum II. Vatikanischen Konzil und wurde zu einem der bedeutenden Konzilsberater und Konzilstheologen. Am 25. März 1977 ernannte Papst Paul VI. den Regensburger Theologieprofessor und international renommierten Theologen zum Erzbischof von München und Freising und damit zum Nachfolger von Kardinal Julius Döpfner. Im Münchner Liebfrauendom wurde er am 28. Mai 1977 zum Bischof geweiht. Am 27. Juni 1977 nahm ihn Papst Paul VI. in das Kardinalskollegium auf.
Engster Mitarbeiter von Papst Johannes Paul II.
Am 25. November 1981 berief ihn Papst Johannes Paul II. als Kurienkardinal nach Rom und ernannte ihn zum Präfekten der Römischen Glaubenskongregation. In dieser Aufgabe war er mehr als zwei Jahrzehnte einer der engsten Mitarbeiter des Papstes. In seiner Amtszeit erschien auch der neue Katechismus der katholischen Kirche - Kardinal Schönborn war dabei einer seiner engsten Mitarbeiter - eine prägnante Zusammenfassung der katholischen Glaubenslehre, die weltweit zum Bestseller wurde.
265. Nachfolger des Hl. Petrus
Am 19. April 2005 wählten die wahlberechtigten Kardinäle der katholischen Weltkirche den Kardinaldekan Joseph Ratzinger zum Nachfolger des am 2. April 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II. Der 265. Nachfolger des heiligen Petrus nahm den Namen Benedikt XVI. an. Weltweit löste die Nachricht große Zustimmung und Anerkennung aus, besonders in Deutschland auch Freude und Hoffnungen. Nach dem aus Utrecht stammenden Papst Hadrian VI. (gestorben 1523) gab es nach 482 Jahren damit wieder einen Deutschen auf dem Stuhl Petri.
Am 25. Dezember 2005 veröffentlichten der neue Papst seine erste Enzyklika "Deus caritas est - Gott ist Liebe", die weltweit ein großes positives Echo auslöste.
(apa/red)
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