Freitag, 6. April 2007

Freigelassene britische Soldaten widerrufen
'Geständnis': Waren in irakischem Gewässer

  • "Haben unsere Position ständig über GPS kontrolliert"
  • Freigelassene berichten von psychologischem Druck

Nach ihrer Rückkehr aus dem Iran haben die britischen Soldaten von massivem psychologischen Druck während ihrer Gefangenschaft berichtet. Ihnen seien sieben Jahre Haft angedroht worden, sollten sie nicht eingestehen, in iranisches Hoheitsgebiet eingedrungen zu sein, sagte einer der 15 Soldaten auf dem Marinestützpunkt Chivenor in Devon. Sie seien gefesselt und mit verbundenen Augen an eine Wand gestellt worden, dabei hätten sie das Entsichern von Waffen gehört.

Die einzige Frau in der Gruppe, Faye Turney, sei von den anderen isoliert und in einer Einzelzelle festgehalten worden, hieß es in einer Erklärung, die die Soldaten Chris Air und Felix Carman vortrugen. Turney sei gesagt worden, dass die anderen nach Hause zurückgekehrt seien. "Sie hatte etwa vier Tage lang den Eindruck, sie sei dort ganz alleine." Das iranische Außenministerium hatte erklärt, der Soldatin sei vollständige Privatsphäre gewährt worden.

"Waren in irakischen Gewässern"
Die Heimkehrer bekräftigten die britische Position, wonach die Gruppe in irakischen Gewässern aufgegriffen wurde. "Lassen Sie mich das klarstellen: Egal, was wir in der Vergangenheit sagten, wir waren in irakischen Gewässern", sagte Carman. Das iranische Fernsehen hatte Entschuldigungen der Briten für einen illegalen Grenzübertritt ausgestrahlt, Großbritannien kritisierte dies als Propaganda. Die 15 Soldaten waren am Mittwoch nach fast zwei Wochen Gefangenschaft überraschend frei gekommen.

Bei der Gefangennahme habe man sich bewusst gegen eine Gegenwehr entschieden, erklärten die Soldaten. Die Iraner seien sehr aggressiv vorgegangen, sagte Air. "Sie rammten unsere Boote und richteten ihre schweren Maschinengewehre, ihre Geschosse und Waffen auf uns. Weitere sechs Boote umzingelten uns. Wir merkten, dass unsere Versuche, mit diesen Leuten zu argumentieren, keine Chance hatten." Widerstand hätte zu einem Kampf geführt, "den wir nicht hätten gewinnen können", sagte der Soldat. Premierminister Tony Blair hat betont, die Briten hätten in Selbstverteidigung schießen dürfen.

Mut vs. "offensichtliche Inkompetenz"
In Großbritannien kam unterdessen eine Diskussion um das Verhalten der Seeleute in Gang. Während die Marine den Mut der Soldaten würdigte, kritisierten Medien die "offensichtliche Inkompetenz" der Streitkräfte. Das Verteidigungsministerium leitete eine Untersuchung zum Einsatz der Patrouillenboote im Persischen Golf ein.

Das Verteidigungsministerium hat bereits versichert, die Soldaten würden nicht bestraft. Dennoch werde die genaue Aufgabe, die Position und die Taktik der Einheit überprüft, teilte das Ministerium mit. Bis auf weiteres würden die Kontrollfahrten im Persischen Golf eingestellt, sagte der Chef der Royal Navy, Admiral Jonathon Band.

Gab es Aufklärungsauftrag?
Für Diskussionen sorgten auch Angaben eines der Soldaten, wonach die Patrouillenfahrten die Aufklärung iranischer Aktivitäten einschlossen. Die Äußerungen stammen aus einem Interview, das Kapitän Air bereits vor drei Wochen dem Fernsehsender Sky gegeben hatte. Die britische Regierung erklärte dagegen, die Seepatrouille vom 23. März habe keinen Aufklärungsauftrag gehabt, sondern habe lediglich Handelsschiffe kontrollieren sollen.

Iranische Revolutionsgardisten hatten die Angehörigen der britischen Kriegsmarine am 23. März im Mündungsbereich des Shatt al-Arab zwischen dem Irak und dem Iran gefangengenommen. Der Grenzverlauf zwischen dem Iran und dem Irak ist in diesem Bereich umstritten. Iranische Medien hatten wiederholt über Schuldeingeständnisse der festgehaltenen Briten berichtet.

Iran: Pressekonferenz war "Propaganda"
Teheran hat die Pressekonferenz der nach Großbritannien zurückgekehrten britischen Soldaten als reine Propaganda kritisiert. Den Soldaten seien die Worte von den britischen Streitkräften in den Mund gelegt worden, erklärte das staatliche iranische Fernsehen. Die Rückkehrer hätten abgelesen, was ihnen diktiert worden sei, und völlig andere Aussagen gemacht als im Iran. (apa/red)

6.4.2007 19:31