Dienstag, 3. April 2007

Neues Video von entführten Deutschen im Irak aufgetaucht: Regierung berät Vorgehen

  • Terrorismus-Experte sieht "Chance" für Entführte
  • Videofilm enthält auch Drohung gegen Österreich

Die Entführer der beiden Deutschen im Irak haben in einem Video ein neues Ultimatum für einen deutschen Truppenabzug aus Afghanistan gestellt. In der Botschaft appelliert die entführte Hannelore Krause an die Regierung, die Forderungen der Geiselnehmer zu erfüllen. Danach habe Deutschland zehn Tage Zeit, seine Truppen aus Afghanistan zurückzuziehen. Auch Österreich wurde wegen des Afghanistan-Einsatzes von Bundesheer-Offizieren in dem Video kritisiert. Die deutsche Regierung drückte tiefe Besorgnis aus. Österreich wies die Vorwürfe von Islam-Feindlichkeit in dem Video zurück.

In dem gut fünf Minuten dauernden Video wird die 61-jährige Deutsche zusammen mit ihrem Sohn Sinan vor einem grün-blauen Wandteppich gezeigt, wie sie um die Erfüllung der Forderungen der Geiselnehmer bittet. "Wieso wollen unsere Politiker, dass wir Opfer in einem Krieg werden, der uns nichts angeht?", sagte Krause in dem Video. Sie trug ein Kopftuch und schwarze Kleidung.

Krause rief Deutschland und Österreich dazu auf, ihr beizustehen: "Ich bitte euch, helft mir." "Deutschland war in Sicherheit, bevor es sich mit den Amerikanern zu dieser Koalition gegen den sogenannten Terrorismus zusammengeschlossen hat", sagte Krause weiter. Die Frau wirkte verzweifelt: "Ich kann nicht mehr, ich bin völlig am Ende. Ich halte es nicht mehr aus", sagte sie weinend.

Nach Einschätzung des Terrorismus-Experten Rolf Tophoven könnte die Videobotschaft auch eine Chance für die Geiseln bedeuten. Schließlich wüssten die Geiselnehmer genau, dass dieRegierung ihre politische Forderung nach einem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan nicht erfüllen werde. SITE ordnete die Botschaft der Gruppe "Brigade der Pfeile der Rechtschaffenheit" zu.

Österreich weist Islam-Feindlichkeit zurück
Das genaue Datum, wann das Ultimatum auslaufen soll, konnte zunächst nicht bestimmt werden. Tophoven bewertete das neue Video als nächste Eskalationsstufe in einem Psycho-Krieg. Der Druck auf auf die deutsche Regierung solle erhöht werden.

Im österreichischen Außenministerium wurde betonte, man stehe mit der deutschen, in dieser Sache federführenden Regierung in engstem Kontakt. "Die Deutschen tun das Menschenmögliche und sind Tag und Nacht an dem Fall dran", erklärte Außenamts- Sprecherin Astrid Harz, nachdem bekannt geworden war, dass die im Irak gemeinsam mit ihrem Sohn entführte Deutsche früher für den österreichischen Handelsdelegierten in Bagdad gearbeitet hatte. Der in der Video-Botschaft vorgebrachte Vorwurf der Islam-Feindlichkeit Österreichs wurde zurückgewiesen.

Zur Geiselnehmer-Kritik am Einsatz von Österreichern in Afghanistan stellte wiederum das Verteidigungsministerium klar, im Raum Kabul seien im Rahmen der UNO-Mission ISAF vier Stabsoffiziere stationiert, die "mit Stabsfunktionen betraut sind und nicht im Kampfeinsatz stehen".

(apa/red)

3.4.2007 16:32