Freitag, 6. April 2007

Nach und nach mehr erschreckende Details:
Briten saßen im Iran teils in Isolationshaft!

  • Teheran ließ die 15 Soldaten nach zwei Wochen frei
  • PLUS: Alle BILDER und VIDEO von der Rückkehr!

Nach der Rückkehr der 15 britischen Soldaten aus iranischer Gefangenschaft ist in Großbritannien eine Diskussion über das Verhalten der Seeleute in Gang gekommen. Während die Marine den Mut der Soldaten würdigte, kritisierten Medien die "offensichtliche Inkompetenz" der Streitkräfte.



Der Chef der Royal Navy, Admiral Jonathon Band, sagte, die Soldaten hätten während ihrer 13-tägigen Gefangenschaft "beachtliche Würde und eine Menge Mut" an den Tag gelegt. Die so genannten Geständnisse, die die iranischen Medien veröffentlichten, seien offenbar unter psychologischem Druck zu Stande gekommen. "Unsere Leute haben unter sehr schwierigen Umständen sehr gut reagiert", sagte Band.

Das Verteidigungsministerium hat bereits versichert, die Soldaten würden nicht bestraft. Dennoch würden die genaue Aufgabe, die Position und die Taktik der Einheit überprüft, teilte das Ministerium mit. Bis auf weiteres würden die Kontrollfahrten im Persischen Golf eingestellt, sagte Band. "Natürlich wollen wir nicht, dass so etwas nochmals passiert", erklärte der Admiral. Aufgabe der britischen Patrouillenboote ist es unter anderem, den Waffenschmuggel in irakischen Gewässern zu verhindern. Der Iran wirft den 15 Soldaten vor, am 23. März illegal in iranisches Hoheitsgebiet eingedrungen zu sein.

Medien kritisieren "offensichtliche Inkompetenz"
In britischen Medien wurde Kritik an den Streitkräften laut. Der "Daily Telegraph" warf der Royal Navy in einem Leitartikel "offensichtliche Inkompetenz" vor. Sie habe die Besatzung der Schlauchboote nicht ausreichend geschützt. Die Soldaten wiederum hätten nicht gezögert, ihr Fehlverhalten einzugestehen und sich dafür zu entschuldigen. "Die alte Militärpraxis, nur Namen, Rang und Nummer zu nennen, wurde aufgegeben", schrieb das Blatt.

Für Diskussionen sorgten in London auch Angaben eines der Soldaten, wonach die Patrouillenfahrten die Aufklärung iranischer Aktivitäten einschlossen. Die Äußerungen stammen aus einem Interview, das Chris Air bereits vor drei Wochen dem Fernsehsender Sky gegeben hatte. Die britische Regierung erklärte dagegen, die Seepatrouille vom 23. März habe keinen Aufklärungsauftrag gehabt, sondern habe lediglich Handelsschiffe kontrollieren sollen.

Gefangene saßen in Isolationshaft
Unterdessen wurde bekannt, dass sich die britischen Soldaten im Iran teilweise in Einzelhaft befanden. Einige seien vorübergehend "allein gelassen" worden, teilte das britische Verteidigungsministerium mit. Das iranische Außenministerium erklärte, der einzigen Frau unter den Gefangenen, Faye Turney, sei vollständige Privatsphäre gewährt worden.

Die 15 Soldaten landeten an Bord einer Linienmaschine der British Airways auf dem Londoner Flughafen Heathrow und wurden zum Marinestützpunkt in Chivenor gebracht. Premier Tony Blair versicherte, die Regierung in Teheran habe keine Gegenleistung erhalten. Es habe keinen Handel und keine Vereinbarungen gegeben. Weiters erklärte er, jetzt sei der richtige Moment, die Beziehungen zwischen Großbritannien und dem Iran zu überdenken.

(apa/red)

6.4.2007 14:53