Montag, 6. August 2007

Benedikt XVI. hat besonderes Verhältnis zu
Österreich: Schon als Präfekt oft zu Gast

  • Schönborn und Kapellari sind Freunde des Papstes
  • Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um Österreich

Papst Benedikt XVI. hat ein besonderes Verhältnis zu Österreich. Der gleich hinter der Grenze in Bayern vor 80 Jahren geborene Papst war vor seiner Wahl zum Heiligen Vater wiederholt in Österreich, sei es als Theologe, als Gesandter des Vatikans oder auch im Urlaub. Nach Mariazell, wohin ihn im September die einzige Papstreise innerhalb Europas im heurigen Jahr führen wird, ist Benedikt erst vor einigen Jahren gepilgert.

Papst Benedikt XVI. hat viele Bezüge zu Österreich. Schon als Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation war Joseph Ratzinger hier oft zu Gast, sowohl in offizieller Funktion als auch privat. Seine Urlaube verbrachte der heutige Papst 30 Jahren hindurch zum Wandern im salzburgischen Bad Hofgastein. Sein Quartier bezog er in einem schlichten Zimmer im Gästehaus der örtlichen Pfarre. Mit einigen österreichischen Bischöfen ist Ratzinger bestens bekannt, allen voran mit Kardinal Christoph Schönborn: Der Wiener Erzbischof war nicht nur ein Schüler Joseph Ratzingers in Regensburg, er war auch an der Erarbeitung des "Katechismus der katholischen Kirche" als Redaktionssekretär maßgeblich beteiligt.

Als der damalige Gurker Bischof Egon Kapellari in den achtziger Jahren die inzwischen renommierten "St. Georgener Gespräche" ins Leben rief, gewann er den höchstrangigen Theologen der Weltkirche 1985 als Referenten über die Lage des Glaubens in der Welt. 15 Jahre später ließ es sich Kardinal Ratzinger nicht nehmen, den nach einer Operation noch rekonvaleszenten Bischof Kapellari im Forsthaus der Gurker Bischöfe auf der Flattnitz aufzusuchen, als er wieder einmal im Gasteinertal seinen Urlaub verbrachte. Ratzinger, der mit Kapellari auch durch die Nähe zur Kunst verbunden ist, besuchte dabei auch die Ausstellung mit alter und zeitgenössischer sakraler Kunst auf Schloss Straßburg im Gurktal.

Der Kunst war auch ein weiterer Ratzinger-Besuch in Österreich gewidmet. 1991 weilte er aus Anlass des 200-Jahr-Gedenkens der Uraufführung des "Ave Verum" von Wolfgang Amadeus Mozart in Baden. Im August 2002 verbrachte er gemeinsam mit seinem Bruder Georg einige Tage in Wien.

Goldenes Ehrenzeichen
Die Republik Österreich drückte ihre Wertschätzung für den großen Theologen 1992 durch die Verleihung des höchsten österreichischen Ordens aus, des "Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich am Bande".

Im März 2004 war Ratzinger zuletzt in Wien - als persönlicher Vertreter Johannes Pauls II. an den Trauerfeiern für Kardinal Franz König teil, für den er auch das Requiem zelebrierte. Ratzinger würdigte dabei "die große geschichtliche Sendung Wiens als Begegnungsort zwischen Ost und West", die der verstorbene Wiener Alterzbischof gleichsam verkörpert habe.

Ein halbes Jahr nach dem Requiem für Kardinal König, im Oktober 2004, führte Kardinal Ratzinger die Wallfahrt der Notare Mitteleuropas nach Mariazell. Er zelebrierte das feierliche Pontifikalamt in der Basilika des Marienortes. In seiner Predigt betonte Ratzinger, dass das Christentum eine Religion der Freude sei.

Wortmeldungen zu Kirchen-Diskussionen
In seiner Funktion als gestrenger Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation hat sich Kardinal Ratzinger wiederholt zu innerkirchlichen Diskussionen in Österreich - vor allem im Zusammenhang mit dem "Dialog für Österreich" nach der Krise rund um die "Causa Groer" - zu Wort gemeldet. Dem "Kirchenvolks-Begehren" im Jahr 1995 mit fünf Reformwünschen an die Kirchenleitung, das mehr als 500.000 Unterstützer fand, konnte er wenig abgewinnen. Im Frühjahr 1997 beschied er der Initiative in einem Schreiben an den damaligen Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz, Bischof Johann Weber, zur "Spaltung zwischen dem Volk Gottes und der kirchlichen Leitung" beizutragen und ein "unannehmbares demokratisches Kirchenmodell" zu propagieren.

Im Wendejahr 1989 weilte Kardinal Ratzinger in Österreich, um in Laxenburg bei Wien an einem Treffen der vatikanischen Glaubenskongregation mit Vertretern der Glaubenskommissionen der Bischofskonferenzen Europas teilzunehmen. Dabei betonte er mehrmals, eine verstärkte Tätigkeit der Glaubenskommissionen solle den Zentralismus zurückdrängen und "Entscheidungen verstärkt in die einzelnen Länder verlegen".

(apa/red)

6.8.2007 17:15