Freitag, 6. April 2007

Darf "Die Geschworene" nicht ausgestrahlt werden? ORF droht Einstweilige Verfügung!

  • Film löste Urheberrechtsstreit um 'Fall Tibor Foco' aus
  • Linzer Journalist brachte Klage auf Unterlassung ein

Der Spielfilm "Die Geschworene" hat einen Urheberrechtsstreit um den mysteriösen "Fall Foco" ausgelöst. Das Handelsgericht Wien könnte die für kommenden Mittwoch (11.4.) geplante ORF-Ausstrahlung des TV-Films in letzter Minute untersagen. Ein Linzer Journalist hat eine Klage auf Unterlassung eingebracht und eine Einstweilige Verfügung beantragt. Der ORF reagiert gelassen.

Der Film mit Christiane Hörbiger und Erwin Steinhauer in den Hauptrollen ist nach Angaben der Produktionsfirma Allegro Film an den Justizskandal um den Mord an einer Linzer Prostituierten am 13. März 1986 angelehnt, so die "Salzburger Nachrichten". Es handle sich aber um kein Doku-Drama, sondern um einen fiktiven Film. Story und Figuren wichen von der Realität ab, hieß es bei Allegro.

Für den Linzer Journalist Peter Römer, der behauptet, wegen seines Engagements im Fall Foco seit 1992 die Persönlichkeitsrechte des Ex-Rennfahrers zu besitzen, werden in dem von Nikolaus Leytner inszenierten Streifen "Tatsachen verdreht, nicht ein Justizirrtum aufgedeckt", heißt es in den SN weiter. Es handle sich um einen Missbrauch von Tibor Foco und der Mitbeteiligten, um einen Film zu drehen, der eine ganz andere Botschaft habe, kritisiert Römer. Sein Linzer Rechtsanwalt Johannes Hintermayr habe daher eine Klage auf Unterlassung eingebracht und eine Einstweilige Verfügung beantragt.

Das Handelsgericht hat laut SN bereits in einer ersten Tagsatzung Zeugen einvernommen und wird noch vor der Ausstrahlung seinen Beschluss verlautbaren. "Es geht um die Vermarktung des Falles Foco. Mein Mandant will selbst ein Buch schreiben und einen Film drehen, in dem wirklich alles aufgedeckt wird", betont Hintermayr. Römer habe seit 1996 ein fertiges Manuskript mit dem Titel "Im Namen der Republik" über den Fall Foco in der Schublade. Die Veröffentlichung sei bisher gescheitert, da Verlage rechtliche Probleme wegen der Anschuldigungen gegen Beamte von Justiz und Exekutive befürchteten.

Hintermayr schätzt den Schaden für seinen Mandanten auf 100.000 bis 200.000 Euro, die exakte Höhe müsse von einem Sachverständigen geklärt werden. Auch für den ORF geht es um viel Geld. Eigenen Angaben zufolge beliefen sich die Produktionskosten auf zwei Millionen Euro, 155.000 Euro seien in Werbung investiert worden. "Die Geschworene" wurde stets im Zusammenhang mit dem Fall Foco beworben, und auch der Haupt-Protagonist Laszlo Varga (gespielt von Harry Prinz) sieht Tibor Foco zum Verwechseln ähnlich.

"Wir sehen dem Ganzen gelassen entgegen und gehen davon aus, dass der Rechtsstaat siegt, weil wir uns auf einem gesicherten rechtlichen Fundament befinden", reagierte ORF-Sprecher Markus Wibmer gegenüber der APA, "Wir denken nicht daran, dieses beeindruckende Werk österreichischen Films dem österreichischen Publikum vorzuenthalten."

Tibor Foco ist seit 1995 auf der Flucht. Er war wegen Mordes verurteilt worden und acht Jahre hinter Gittern. Das Urteil wurde 1997 aufgehoben, seit Jahren gibt es eine zweite Mordanklage. (apa/red)

6.4.2007 17:07