Dienstag, 3. April 2007

U-Häftling flüchtete aus Salzburger Klinik: Täuschte schwere psychische Krankheit vor

  • Alarmfahndung nach "hochgefährlicher Person" läuft
  • Vergewaltigung & bewaffneten Raubüberfall begangen

Ein 29-jähriger Untersuchungshäftling aus der Türkei, der in Salzburg eine Vergewaltigung und einen bewaffneten Raubüberfall verübt haben soll, ist aus der forensischen Psychiatrie der Christian Doppler Klinik geflüchtet. Die Polizei leitete eine Alarmfahndung nach der "hochgefährlichen Person" ein. Bisher gebe es keine Hinweise auf den Flüchtling, teilte die Polizei mit.

Bekleidet mit einer grünen Pyjamahose, einem karierten Kurzarmhemd und in schwarzen Schuhen mit hellen Bändern ist Deniz Aktas aus der forensischen Sonderstation geflüchtet. Der Türke, der seit Wochen nicht ansprechbar war, sich nicht bewegte und sich zudem wickeln ließ, ist besonders dreist vorgegangen: "Als er in seinem Rollstuhl am Gang der geschlossenen Station im Erdgeschoss saß und sah, wie eine Pflegeschwester das Dienstzimmer verließ, stand er auf, schubste sie auf die Seite und sprang durch das Fenster ins Freie", schilderte Karin Göll, Leiterin der Justizanstalt Salzburg.

Der in Deutschland geborene Türke soll am 18. Oktober 2006 eine Verkäuferin der Agip-Tankstelle in der Moosstraße in der Stadt Salzburg brutal vergewaltigt haben. Am 6. Februar 2007 wurde er nach einem bewaffneten Raubüberfall auf die selbe Tankstelle verhaftet. Seitdem hüllte er sich in Schweigen und täuscht laut Behörden eine schwere psychische Krankheit vor.

"Verhielt sich wie Wachkomapatient"
Seit seiner Verhaftung am 6. Februar habe sich der Türke wie ein Wachkomapatient verhalten. Weil er nichts mehr gegessen hatte, musste er künstlich ernährt werden. "Dann wurde gefüttert", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Barbara Feichtinger. Kurz vor der Flucht sei der Mann, der sich wie ein zweijähriges Kind verhalten habe, noch frisch gewickelt worden.

Der Ärzte hätten einen psychogenen Stupor diagnostiziert. Auf Grund dieser Erkrankung würden diese Patienten keine körperliche und psychische Reaktion zeigen. Wie der Mann nach wochenlanger Regungslosigkeit plötzlich aus dem Fenster springen konnte, ist auch für die Staatsanwältin unerklärbar. "Entweder sein Gesundheitszustand hat eine plötzliche Änderung erfahren oder er ist möglicherweise ein perfekter Schauspieler." Wegen seines attraktiven Aussehens befürchtete Feichtinger, dass Mädchen leicht auf den Mann hereinfallen könnten.

Bei der letzten Haftprüfungsverhandlung am 20. März sei Deniz Aktas wegen des Stupors weder verhandlungs- noch vernehmungsfähig gewesen. Die Justiz habe sich nichts vorzuwerfen, der Mann sei ein Pflegefall gewesen und hätte auch nicht woanders untergebracht werden können, betonte Feichtinger.

(apa/red)

3.4.2007 15:24