Gut für Deutsche, schlecht für Österreich: Blühender Tanktourismus ruiniert CO2-Bilanz
- Sprit-Pendler aus Deutschland belasten Klimastatistik
- Statistik: Vor allem Tirol und Salzburg zahlen drauf

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Gut für Deutschland, schlecht für Österreich: So lassen sich die Auswirkungen des so genannten "Tanktourismus" auf die jeweiligen Klimabilanzen beschreiben. Während sich die Autolobby bei unserem nördlichen Nachbarland mit guten Statistiken brüstet, weisen Tirol und Salzburg horrende Zuwachsraten beim Ausstoß von Treibhausgasen auf. Eine Lösung ist nur auf EU-Ebene möglich.
Im österreichweiten Schnitt stieg die Emission von Treibhausgasen zwischen 1990 und 2004 um 15,6 % an. In Tirol gibt es hingegen ein Plus von 32,9%, in Salzburg 31% (siehe Grafik links). Damit stehen die westlichen Bundesländer als absolute Klimasünder der Alpenrepublik da. Ein beträchtlicher Anteil dieser Steigerung ist allerdings nicht hausgemacht, sondern entfällt auf "Tanktouristen" aus den Nachbarländern, vor allem aus Deutschland.
"Derzeit werden alle aus dem Tanktourismus anfallenden Emissionen am Schreibtisch der österreichischen Klimabilanz zugerechnet, obwohl sie gar nicht in Österreich anfallen", meint ÖAMTC-Verkehrswirtschaftsexpertin Elisabeth Brugger-Brandau. Die CO2-Emissionen werden entsprechend einem Schlüssel aus der im Land getankten Kraftstoff-Menge errechnet. Bis zu 30 Prozent des in Österreich getankten Sprits werden im Ausland verfahren und belasten damit auch dort die Atmosphäre mit CO2. Dennoch landet dieser Anteil in der österreichischen Statistik. Angesichts dieser Tatsache fordert der ÖAMTC eine Neuregelung der Berechnung auf EU-Ebene.
Diskussionen in Deutschland
"Allein im Straßenverkehr wurden seit 1999 15 Millionen Tonnen CO2 eingespart", vermeldet der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) laut "Spiegel Online". Diese Reduktion ist allerdings Augenauswischerei. Seit der Einführung der Ökosteuer in Deutschland im Jahr 1999 wurde Kraftstoff immer teurer, weswegen viele Lenker zum Tanken Österreich, aber auch Luxemburg, Polen oder Tschechien ansteuern - und damit die dortigen Klimabilanzen belasten. Auch deutsche Politiker sind mit diesem Umstand nicht glücklich, allerdings nicht ausschließlich aus Umweltschutzgründen. So ärgert sich Bayerns Innenminister Günther Beckstein laut "Spiegel Online" in erster Linie über die "enormen Steuerausfälle". Insgesamt sollen deutsche Kraftfahrer im Jahr 2005 fast vier Milliarden Liter Sprit bei den Nachbarn getankt haben, das sind bis zu acht Prozent des Gesamtaufkommens.
Geld für heimischen Fiskus
Die andere Seite der Medaille sind die zusätzlichen Einnahmen durch den Tanktourismus in Österreich. Jeder getankte Liter bringt dem Finanzminister Geld in die Kassa, dieser Effekt wird nach der Erhöhung der Mineralölsteuer noch verstärkt. Umweltminister Josef Pröll kündigte an, einen Teil der Einnahmen in Richtung Umweltinvestitionen ziehen zu wollen, gleichzeitig will er sich aber auch für eine neue Berechnung auf EU-Ebene einsetzen.
(apa/red)
