Donnerstag, 29. März 2007

Keine Kulturtechnik, aber doch "epochal":
Österreichische Experten werten Internet

  • Mit Lesen, Schreiben und Rechnen nicht gleichstellbar
  • Blogs wie "Bassena-Tratsch auf weltweitem Niveau"

Internetsurfen wird auch künftig dem Lesen, Schreiben und Rechnen nicht gleich gestellt sein. Das befand zumindest eine Expertenrunde mit u. a. Wissenschaftsminister Hahn und dem Philosophen Liessmann bei einer Diskussion. Denn dass das Internet die "vierte Kulturtechnik" sein könnte, wurde einhellig abgelehnt. Umso kritischer wurden die Umwälzungen durch diese "epochale Entwicklung" hinterfragt.

Die Meinungen über die Verdienste des Internet blieben bei dem von den Internet Service Providers Austria (ISPA) veranstalteten Philosophicum geteilt - tendenziell jedoch eher kritisch. Während der Vorstandschef des RTL-Konzerns Zeiler eine "Demokratisierung der Wissensgesellschaft" und mehr Chancen für Künstler sah, bezweifelte Hahn, ob das Internet einen "wesentlichen Beitrag" dazu leiste und warnte vor einer Überbewertung der Partikular-Interessen: "Das große gemeinsame Ganze geht verloren".

Regisseur Virgil Widrich beklagte die "Reduktion", die damit einhergeht, "den ganzen Tag in ein Rechteck zu schauen, das vorgibt, die Welt zu sein". Es sei "von Vorteil, spät den Umgang mit dem Internet zu lernen, weil man zuerst denken lernen" sollte, so Widrich.

Das Internet stelle keine Kulturtechnik wie Lesen und Schreiben dar, sondern sei eine Kombination verschiedener Kulturtechniken, sagte Liessmann. Insbesondere das Schreiben erfahre jedoch durch den Gebrauch des Computers eine Umwertung: Mit der Hand schreiben zu lernen könnte zunehmend an Bedeutung verlieren. Liessmann kann auch der viel beschworenen Produktion von Inhalten durch die User etwa bei den "Blogs" nichts abgewinnen: Diese seien "Bassena-Tratsch auf weltweites Niveau gehoben." Dass der Umgang mit dem Internet jedenfalls kein eigenes Unterrichtsfach sein soll, darüber waren sich die Diskutanten einig. (apa/red)

29.3.2007 13:08