Die Papagenos aus dem Salzkammergut: Altes Brauchtum erhitzt jetzt die Gemüter!
- NEWS: Vogelfang treibt Tierschützer auf Barrikaden
- Im Jahr 2004 verboten, seit Mitte März wieder erlaubt

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Die einen nennen es Traditionspflege - die anderen Tierquälerei. Ein altes Brauchtum erhitzt die Gemüter von Österreichs Vogelfreunden.
Jahr für Jahr, zwischen September und November, bleibt im Salzkammergut in den schmalen Tälern zwischen Goisern und Gmunden, Traun- und Mondsee die Zeit für einige Stunden stehen. Dann nämlich, noch ehe die Morgensonne die Spitzen von Dachstein, Traunstein und Schafberg in ein warmes, rot-goldenes Herbstlicht taucht, machen sich Hunderte Männer auf in die Berge. Gekleidet in Trachten und ausgestattet mit kleinen grünen Käfigen sowie leuchtenden Beeren, haben sie nur ein Ziel vor Augen: Singvögel.
Proteste um Ausstellungen
Die Szenarien, die ebenso aus einem klassischen "Wald-und-Wiesen"-Heimatfilm der frühen 50er-Jahre stammen könnten, sind Bestandteil einer uralten Tradition. Jenes Brauchtumsrelikts des Vogelfanges, das die Volksseele regelmäßig hochkochen lässt. Denn: Nach einem bundesweiten Verbot öffentlicher Wildvogelausstellungen im Jahr 2004 wurden diese Mitte März wieder genehmigt - unter heftigen Protesten der Tierschützer. "Durch das Fangen und Ausstellen wird den Tieren enormer Stress zugefügt. Das ist aus tierschutzrechtlichen Gründen nicht vertretbar", empört sich Andreas Sax von Vier Pfoten. Anders sehen das naturgemäß die Freunde des Singvogelfangs: "Der Vogelfang ist keine Tierquälerei. Wir sind Vogelfreunde, die eine uralte Tradition aufrechterhalten möchten", betont Alfred Riezinger, Obmann der Vogelfreunde Salzkammergut.
Seit seinem 16. Lebensjahr wandelt der heute 52-Jährige alljährlich in seiner Heimat rund um den oberösterreichischen Traunsee auf den Spuren Papagenos. Jeden Herbst geht der Schlosser mehrmals pro Woche noch vor Sonnenaufgang auf die Pirsch nach Gimpeln, Zeisigen, Stieglitzen und Kreuzschnäbeln. Mitunter dauert es mehrere Wochen, bis der erste Vogel in einer der kleinen Schnappfallen landet. Gefangen werden dabei aufgrund ihres prächtigeren Federkleids nur die Männchen. Bei der traditionellen Ausstellung Ende November werden von einem Schiedsgericht die Vögel mit dem schönsten Federkleid ausgezeichnet. Ihre Fänger werden mit kleinen Statuen, Medaillen und handbemalten Holzscheiben belohnt. Geldpreise gibt es nicht - für Vogelfänger zählt einzig die Ehre.
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