Mittwoch, 4. April 2007

Elsner beginnt Rehab in Kärnten: Ex-Bawag- Boss checkte unter Buhrufen in Kurklinik ein

  • Keine Sonderbehandlung - Essen nur am Zimmer
  • Informationssperre während Aufenthalts verhängt
    PLUS BILDER: Elsners Ankunft in seinem Kurdomizil!

Der ehemalige Bawag-Chef Helmut Elsner (71) hat seinen Rehabilitationsaufenthalt in der Humanomed Klinik im Kärntner Althofen begonnen. Er wurde aus der geschlossenen Abteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Wien-Leopoldstadt nach Kärnten gebracht. Der Transport erfolgte liegend in einem Krankenwagen, in eine grüne Decke gehüllt wurde der ehemalige BAWAG-Boss unter Buhrufen anderer Patienten in die Klinik gebracht. Elsner wird rund um die Uhr von zwei Beamten bewacht.

Während seines Aufenthaltes wird eine Informationssperre verhängt. Der Vorwurf, Elsner erfahre eine Sonderbehandlung, wurde von der Justiz erneut zurückgewiesen.

Alfred Steinacher von der Vollzugsdirektion in Wien betonte erneut, man sei "bei allen Insassen der Justizanstalten verpflichtet, für ihre körperliche und geistige Gesundheit zu sorgen". Eine Sonderbehandlung für Elsner gebe es nicht. Dass die Bewacher von Häftlingen oder U-Häftlingen weiße Mäntel tragen würden, sei nichts Ungewöhnliches und komme öfters vor.

Auch der Leiter der Justizanstalt Klagenfurt, Peter Bevc, erklärte: "Wir behandeln alle gleich." Es gebe aber Unterschiede, etwa zwischen Untersuchungshäftlingen, Strafgefangenen, Jugendlichen, oder Drogenabhängigen.

Essen aufs Zimmer
Die Tatsache, dass Elsner das Essen aufs Zimmer serviert werde, erklärte Bevc mit Sicherheitsproblemen. "Es wäre schwierig, die Bewachung in einem Speisesaal durchzuführen."

Zu dem Vorwurf, es sei ein Privileg, dass der U-Häftling ein Mobiltelefon erhalte, sagte Bevc: "Grundsätzlich gilt für Untersuchungshäftlinge in Österreich die Unschuldsvermutung." Die U-Richterin habe keine Telefon-Einschränkungen verfügt, die Begrenzung auf 15 Minuten pro Tag sei von den Justizbehörden angeordnet worden. Das Handy werde von den Wachebeamten verwahrt.

316 Euro pro Tag
Helmut Eder, geschäftsführender Gesellschafter des Kurzentrums, zeigte sich überrascht von dem Medienrummel und den Privilegien-Vorwürfen. In Althofen gebe es rund 650 Betten, 120 seien eine Krankenanstalt, 270 Betten seien für Rehabilitation vorgesehen, der Rest stehe für Kurgäste zur Verfügung. "Elsner befindet sich nicht in einer Privatklinik, sondern in einer Abteilung, die für jeden Staatsbürger zugänglich ist." Die Kosten bezifferte Eder mit 316 Euro pro Tag, "das ist der normale Tarif".

Es werde keine Bevorzugung geben, Elsner werde gleich behandelt werden wie alle anderen Patienten auch. Eder wies auch die Meldung, wonach man mit Elsner auf der Homepage des Zentrums geworben habe, dezidiert zurück: "Wir haben lediglich eine kurze Notiz ins Internet gestellt." Von dem Medienrummel sei man völlig überrascht gewesen.

Primarius Josef Sykora, Leiter der Herz-Rehab, betonte, die Rehabilitation sei "fixer Bestandteil" der Behandlung schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankungen. "Praktisch jeder Österreicher nach einer Herzoperation bekommt eine." Der Schwerpunkt liege bei Bewegungstraining und der Verringerung der Risikofaktoren. Elsner erhalte alle Behandlungen, die notwendig seien, allerdings werde es keine Therapien in Gruppen mit anderen Patienten geben. Der laufende Rehab-Betrieb werde durch den Aufenthalt Elsners nicht beeinträchtigt.

In seinem Zimmer wurde auch eine Kamera montiert, der Leiter der Justizanstalt Klagenfurt, Peter Bevc, begründete diese Maßnahme mit der Erleichterung der Überwachung des Untersuchungshäftlings vor allem während der Nachtstunden.

Vier Wochen
Die Aufenthaltsdauer des prominenten U-Häftlings ist vorerst für vier Wochen vorgesehen. Sykora gab aber zu bedenken, dass die Dauer von den gesundheitlichen Fortschritten abhänge. "Es könnte sich um eine, maximal zwei Wochen verlängern." Ob es am Ende seines Kärnten-Aufenthaltes Informationen über seinen Gesundheitszustand geben wird, darüber entscheidet nicht die Klinik, sondern die Justiz. Der Prozess gegen Elsner soll im Juli beginnen.

Kärntner Politiker verärgert
Die Ankunft Elsners hat in Kärnten auch politische Reaktionen ausgelöst. Landeshauptmann Jörg Haider bezeichnete die Wahl Kärntens für die Rehabilitation Elsners in einer Aussendung als "roten Affront gegenüber unserem Bundesland". Für SPÖ-Landesgeschäftsführer Gerald Passegger ist das "Gschisti-Gschasti um Elsner eine Zumutung für die übrigen Kurgäste".

Haider übte heftige Kritik daran, dass man "den Hauptverantwortlichen für den größten Wirtschaftskriminalfall der Zweiten Republik mit Steuergeld ausgerechnet auf Kur nach Kärnten schickt". Er forderte Justizministerin Maria Berger dazu auf, Elsner dorthin zu verfrachten, wo er hingehöre: "In ein Wiener Gefängnis."

Passegger erklärte den 71-Jährigen U-Häftling via Aussendung überhaupt zur "persona non grata" und verlangte, Elsner, der wie ein Staatsgast behandelt werde, solle die Kosten für seinen Aufenthalt und seine Bewachung selbst bezahlen. "Jeder normale Arbeiter muss ja auch selbst für seine Kur aufkommen", hieß es.

Auch die ÖVP stimmte in den Chor der Kritik ein. Landesgeschäftsführer Siegfried Torta forderte in einer Aussendung, die Steuerzahler dürften nicht für Elsners "Luxus-Rehab" herangezogen werden.

Torta fürchtet auch um das Image Kärntens als Urlaubsland, das durch Elsners bloße Anwesenheit "ruiniert" sei. Durch die 24-Stunden Extrabewachung entstünden nicht unerhebliche Mehrkosten. Torta: "Es reicht ganz einfach! Es ist nicht einzusehen, warum Elsner unbedingt in Kärnten kuren muss." Dieser solle mit seiner Pension die Kosten dafür bestreiten, forderte der ÖVP-Politiker. SPÖ-Justizministerin Berger warf er vor, dass "die roten Genossen" Elsner nicht rechtzeitig gestoppt hätten, damit wäre nämlich den Österreichern vieles erspart geblieben.

(apa/red)

4.4.2007 14:46