Freitag, 6. April 2007

"Alle Optionen offen": DaimlerChrysler gibt
sich zu Kaufangeboten weiterhin bedeckt

  • Kerkorian bietet Mitarbeitern "erhebliche" Beteiligung
  • Auch Cerberus, Magna anscheinend noch im Rennen

Der Autokonzern DamilerChrysler gibt sich weiterhin bedeckt zu den Kaufabsichten von US-Multimilliardär Kirk Kerkorian (89), nachdem dieser völlig überraschend ein Angebot über 4,5 Mrd. Dollar (3,36 Mrd. Euro) für die US-Sparte von DaimlerChrysler gelegt hatte. "Wir können bestätigen, dass wir in Gesprächen mit potenziellen Partnern sind", erklärte DaimlerChrysler-Sprecher Han Tjan in New York. Es seien "alle Optionen offen". "Zu Tracinda können wir keine Stellung nehmen", betonte er.

Das Kaufangebot für die Chrysler Group erfolgte über die Investmentfirma von Kerkorian namens Tracinda. Es ist der zweite Versuch des legendären Investors, Chrysler zu übernehmen. Kerkorian war 1995 mit einer Kaufofferte von knapp 23 Mrd. Dollar beim US-Autobauer abgeblitzt. Chrysler war dann 1998 von Daimler-Benz für rund 36 Mrd. Dollar übernommen worden.

Nach bisher unbestätigten Berichten liegen auch Kaufangebote der US-Investmentfirmen Cerberus Capital sowie der gemeinsam vorgehenden Blackstone Group und Centerbridge Partners vor. Der kanadische Zulieferer und Autohersteller Magna International wolle Chrysler ebenfalls kaufen. Die Magna-Offerte soll bei 4,7 Mrd. Dollar liegen. Andere Schätzungen gehen von einem möglichen Kaufpreis von bis zu neun Mrd. Dollar aus. Die Firmen nahmen dazu keine Stellung.

Der Vorstoß Kerkorians erfolgte in einem Schreiben seines Investmentberaters und früheren Chrysler-Finanzchefs Jerome B. York an Zetsche und den Aufsichtsrat des deutschen Autoriesen. Die Tracinda-Offerte ist allerdings mit vielen Auflagen verbunden.

Kerkorian: "Erhebliche" Beteiligung für Mitarbeiter
Kerkorian offerierte den Chrysler-Mitarbeitern über die amerikanische Automobilarbeitergewerkschaft UAW (United Auto Workers) "eine erhebliche" Beteiligung an Chrysler. Das Chrysler-Management solle ebenfalls beteiligt werden. Vorbedingung seien ein neuer "befriedigender Tarifvertrag" mit der Gewerkschaft und eine "gerechte Vereinbarung mit Chrysler über die Teilung der nicht finanzierten Pensionsverpflichtungen und der Krankenversicherungskosten der Chrysler-Rentner". Die Altlasten werden von Fachleuten auf 18 Mrd. Dollar geschätzt.

Tracinda will ein "exklusives" Recht auf Einsicht in die Chrysler-Bilanzen für 60 Tage und ist bereit, 100 Mio. Dollar bei einem Treuhänder zu hinterlegen. 25 Mio. Dollar sollen an DaimlerChrysler gehen, falls keine Transaktion zustande kommt.

Langwierige Sanierung notwendig
Es sei das Beste, wenn Chrysler als privates Unternehmen geführt werde und nicht an der Börse notiert sei. Eine Sanierung des Autobauers sei nicht innerhalb kurzer Zeit möglich. Um Chrysler wieder wettbewerbsfähig zu machen, seien fünf bis sieben Jahre nötig. So müsse die Produktpalette vollständig erneuert und um "grüne" Angebote erweitert werden. Verbesserungen seien zudem bei der Qualität nötig, um Kunden zurückzugewinnen.

Chrysler hatte 2006 einen operativen Verlust von 1,5 Mrd. Dollar und war wegen enormer Marktanteils- und Absatzverluste in geschäftliche Schwierigkeiten geraten. Chrysler soll mit der Freisetzung von weiteren 13.000 Mitarbeitern sowie einer Werksschließung und Produktionskürzungen zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre saniert werden.

(apa/red)

6.4.2007 14:22

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