Dienstag, 27. März 2007

Gute Konjunktur hält 2007 an: Heimischer Arbeitsmarkt reagiert "unüblich stark"

  • Wifo: Arbeitslosenquote sinkt von 4,7 auf 4,2 Prozent
  • Wachstumsprognosen auf fast 3,0 Prozent angehoben

Die Wirtschaft in Österreich wird heuer und im nächsten Jahr stärker wachsen als bisher erwartet. In ihrer Frühjahrsprognose haben die Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS für heuer ein Wachstum von 3,0 bzw. 2,9 Prozent vorausgesagt. Für 2008 gehen sie jetzt von einer leichten Verlangsamung auf 2,4 bzw. 2,6 Prozent aus. Österreich zählt damit zu den Top 5 Wachstumsländern im Euro-Raum. Gleichzeitig steigt aber auch der Reformdruck auf die Regierung. "1,1 Prozent Budgetdefizit im zweiten guten Konjunkturjahr (2007) sind ein Sündenfall", sagte Wifo-Chef Karl Aiginger in einer Pressekonferenz.

Die Arbeitslosigkeit wird laut Wifo heuer noch "unüblich stark" zurückgehen, die Arbeitslosenquote (nach Eurostat) soll demnach heuer von 4,7 Prozent 2006 auf 4,2 Prozent sinken. Danach rechnen die Wirtschaftsforscher aber damit, dass die Quote 2008 dann nur noch auf 4,1 Prozent zurückgeht und bis 2011 auf diesem Niveau verharren wird. Nach Zahlen von heuer würde das etwa 216.00 Arbeitslosen entsprechen. Nach österreichischer Berechnung wird sich die Arbeitslosenquote damit bei rund 6 Prozent einpendeln.

"Mittelfristig wird das Wirtschaftswachstum nicht ausreichen, um die Arbeitslosigkeit weiter zu senken", warnte Aiginger die Politik. Das Wifo geht bis 2011 von einem durchschnittlichen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent pro Jahr aus. Fällt das Wachstum nur leicht auf 2,3 Prozent, werde dies wieder einen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Österreich bedeuten. Das Budgetdefizit sei noch eine "lässliche Sünde". Eine "harte Sünde" wäre es jedoch, wenn die Politik sich nicht bewusst sein würde, dass sie jetzt für die schwächeren Konjunkturzeiten sparen müsse, so der Wifo-Chef.

Weitere Reformen fordern Wirtschaftsforscher vor allem im Bereich Bildung, Weiterbildung und Innovation und insbesondere in der Verwaltung - konkret etwa im Haushaltsrecht, bei der Beibehaltung des Personalstandes und bei der Kompetenzverteilung. Laut IHS-Chef Bernhard Felderer sollten etwa keine neuen Lehrer eingestellt werden, der Gesundheitsbereich, etwa die Spitälerverwaltung, in Bundeskompetenz wandern oder die Hoheit über Subventionen wie etwa die Wohnbauförderung an die Länder gehen. Auch wenn der Druck zu Reformen jetzt nicht so groß sei - "wie groß der Druck tatsächlich ist, sehen wir daran, dass wir ein Budgetdefizit in der Hochkonjunktur haben. Es ist ein kurzes Zeitfenster, das zur Verfügung steht. Reformen die später beginnen, werden größere Probleme haben, sich im Budget durchzusetzen", betonte Aiginger.

Außerdem sprachen sich die Wirtschaftsforscher wenn möglich für eine Vorziehung der für 2010 geplanten Steuerreform um ein Jahr aus. Das Budget könnte sich besser entwickeln als erwartet. Sobald ein Nulldefizit oder ein Budget-Überschuss erreicht sei, müsse eine Steuerreform kommen. Es gebe "Signale von Entscheidungsträgern, dass man die Reform machen wird, wenn der Zeitpunkt kommt", versicherte Felderer. Er plädierte dabei vor allem für eine niedrigere Lohnsteuer. Nach den Steuererleichterungen für Vermögen und Unternehmen müsse es jetzt ausschließlich um die Senkung der Kosten für den Faktor Arbeit gehen.

Grundsätzlich, betont er, gebe es bei einer solchen Steuerreform einen "Selbstfinanzierungseffekt". Wenn Arbeit hoch besteuert werde, würden viele in die Schattenwirtschaft ausweichen. Bei einer Senkung der Steuern sei daher mit zusätzlichen Einnahmen, aber auch mit einem zusätzlichen Arbeitsplatzangebot zu rechnen. Außerdem hoffen die Wirtschaftsforscher auch auf einen Anstieg der Einkommen. Diese sind derzeit immer noch unter Druck.

Das Wifo geht von Zuwächsen um 0,9 Prozent heuer und 0,7 Prozent 2008 aus. Ein halbes Prozent davon wird auch noch durch zusätzliche Steuerlasten aufgefressen - bleibt für die Arbeitnehmer in der Börse real netto nur 0,4 Prozent mehr Lohn heuer und 0,2 Prozent 2008. Das bremst weiter den Konsum. Heuer wird sich das Konsumwachstum laut Aiginger nur zaghaft beschleunigen - von 1,9 Prozent 2006 auf heuer 2,2 Prozent und 2008 wieder auf 2,0 Prozent zurückgehen. Das IHS geht heuer von 2,4 Prozent mehr Konsum und 2008 von 2,6 Prozent aus.

Auf die Arbeitskosten hat sich die Entwicklung hingegen positiv ausgewirkt. Zugewinne bei Forschung und Entwicklung, die Nähe zum Wachstumsraum Südosteuropa und ein steigendes Arbeitskräfteangebot haben den Standort zusätzlich attraktiver gemacht. Getrieben wird das Wachstum deshalb jetzt vor allem durch Investitionen in der Industrie und im Bau. Die Ausrüstungsinvestitionen dürften heuer um 8 Prozent steigen. Das Wachstum hat sich damit von den Exporten zur Binnennachfrage verlagert.

Trotz eines Dämpfers dürften sich aber auch die Ausfuhren weiter gut entwickeln. Das Wifo rechnet mit einem Warenexportzuwachs um 8,3 Prozent 2007 und um 7,0 Prozent im nächsten Jahr, das IHS sogar mit 9,1 bzw. 8,3 Prozent. IHS-Chef Bernhard Felderer geht vor allem davon aus, dass die USA bereits heuer wieder einen Aufschwung erleben könnten: "Die Mehrheitsmeinung ist derzeit, dass die Immobilienkrise überwunden ist." Das Wifo ist da noch etwas pessimistischer. Der Euro dürfte nach Meinung des Wifo in den nächsten beiden Jahren gegenüber dem Dollar noch fester werden. Im Jahresdurchschnitt dürfte der Euro-Dollar-Kurs gegenüber rund 1,25 Dollar 2006 heuer auf 1,33 Dollar und 2008 weiter auf 1,40 Dollar ansteigen. Der Ölpreis dürfte nach Meinung beider Institute auch noch 2008 über 60 Dollar je Fass verharren.

(apa/red)

27.3.2007 21:34