Montag, 26. März 2007

Böhler-Disput zwischen AK & Industrie: Geld ist wichtiger als langfristiges Interesse

  • Muhm: "Kernaktionäre in Österreich sind eine Fiktion"

Die angedachte Übernahme von Böhler-Uddeholm durch den britischen Investmentfonds CVC sorgt für Kontroversen zwischen Arbeitnehmervertretern und Industrie. "Der Böhler-Fall ist die Erkenntnis, dass private stabile Kernaktionäre in Österreich eine Fiktion sind. Es muss nur genügend Geld geboten werden, dann ist das wichtiger als das langfristige Interesse", sagte AK-Direktor Muhm in einem Zeitungsinterview.

Die Arbeitnehmervertreter sehen sich durch die Ereignisse rund um Böhler-Uddeholm in ihrer Kritik an den Privatisierungen bestätigt. CVC werde auch eines Tages wieder aussteigen, so Muhm im Kurier-Interview. Böhler sei auch schon sehr erfolgreich gewesen, als es teilverstaatlicht war.

"Fakt ist, dass Böhler zu Verstaatlichten-Zeiten ein Bankrott- Unternehmen war", meinte hingegen der Generalsekretär der Industriellenvereinigung Breyer. Seit der Vollprivatisierung 2003 habe sich der Umsatz mehr als verdoppelt, der Gewinn verdreifacht. Jobs und Wohlstand sichere die heimische Industrie durch Wettbewerbsfähigkeit. Ein staatlicher Kernaktionär gehe in diese Richtung. Gerade der Börsengang der Post zeige laut Beyrer, wie positiv solche Schritte sind. Doch die Unternehmen, die in die Privatisierung entlassen wurden, seien erfolgreicher denn je.

Uneingeschränkte Entstaatlichung ist bedrohlich
Muhm empfindet uneingeschränkte Entstaatlichung als Bedrohung: "Sie haben die Privatisierung auf breitester Ebene forciert. Sie treten ja auch für die Privatisierung der Infrastruktur, Energie, Wasser oder Spitäler ein. Die Bedeutung der Infrastruktur ist für die Volkswirtschaft viel zu bedeutend, als dass man sie dem Spiel der Börse aussetzen sollte", wirft der AK-Direktor der Industriellenvereinigung vor. In Österreich gebe es noch viele Übernahmekandidaten, die für die Volkswirtschaft von großer Bedeutung seien, so der AK-Direktor.

(apa/red)

26.3.2007 10:33