Mittwoch, 25. April 2007

Drakonische Strafen für Sturm & den GAK:
'Kann für Fußball reinigende Wirkung haben'

  • Heribert Weber im networld-Talk über Grazer Krise
  • "Frage mich, wie es überhaupt so weit kommen kann"

Österreichs Klubfußball erlebt derzeit eine seiner schwersten Krisen. Die Misswirtschaft der beiden Grazer Vereine GAK und Sturm erschüttert den Sport in seinen Grundfesten. Die drastischen Punkteabzüge des Senates 5 machen aus der Meisterschaft eine Farce, die Bundesliga hat ihre Glaubwürdigkeit verloren. Auch Heribert Weber steht den aktuellen Entwicklungen im NETWORLD-Interview skeptisch gegenüber. "Ich frage mich, wie es über Jahre hinweg überhaupt so weit kommen kann, dass man dann so harte Strafen setzen muss."

Mehr als leise Kritik an Klub-Funktionären, Präsidenten und Kontrollgremien der Bundesliga. So hart und bitter der Paukenschlag vor allem für den GAK sein mag, vielleicht bedurfte es eines derartigen Schrittes, um ein Umdenken einzuleiten. "Das kann für den ganzen österreichischen Fußball eine reinigende Wirkung haben", hofft der Ex-ÖFB-Internationale.

"In Zukunft kann man nur ganz genaue Kontrollen durchführen, damit es so etwas in der Art nicht mehr gibt", fordert der profunde Kenner der heimischen Szene, um im selben Atemzug hinzuzufügen. "Wenn man zuerst dementsprechende Maßnahmen setzt, braucht man danach keine so drastischen Strafen aussprechen."

Kritik am Lizenzierungsverfahren
Zwei Vereine, die in einer Saison den Gang vor den Insolvenzrichter antreten müssen und eine beinahe endlos lange Liste vergangener Pleiten rücken auch das Lizenzierungsverfahren bzw. dessen Handhabung in den Mittelpunkt. "Dass es hier in der Vergangenheit Versäumnisse gegeben hat, ist für mich jetzt zur Klarheit geworden", kritisiert Weber. Die Probleme des GAK und Sturms seien schließlich nicht im letzten halben Jahr entstanden. Dies habe sich über mehrere Jahre hingezogen, hält der Steirer fest.

Jenen Stimmen, die in den getroffenen Strafmaßnahmen eine Wiener Verschwörung orten, erteilt der ehemalige Sturm-Spieler eine Absage: "Das sind Reaktionen, die für mich übertrieben sind." Der 51-Jährige schlägt damit in die selbe Kerbe, wie die österreichische Fußballer-Gewerkschaft VdF, welche die massiven Punkteabzüge als "klares Signal gegen Wettbewerbsverzerrung" begrüßt.

Zweifel an Erfolg von Klage
Der vom GAK angestrebten Klage räumt der Premiere-Experte kaum Chancen auf Erfolg ein. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man an dem Urteil etwas ändern wird." Weber hofft allerdings, dass die "Roten Teufel" den Zwangsausgleich positiv vollenden, um dann zumindest in der Red Zac Ersten Liga spielen zu können, "damit die Tradition des Klubs bewahrt wird."

Das Drama um den GAK hat viele traurige Gesichter und Verlierer. Fans, Spieler, Trainer und Mitarbeiter sind die großen Leidtragenden der zweifelhaften Geschäfte und Machenschaften jener, die sich für das Schicksal des Vereins verantwortlich zeichnen. "Es ist vor allem für die Menschen am Schlimmsten, die nichts für die ganze Situation können", bedauert Weber. "Es ist eine traurige Geschichte, weil keiner weiß, wie es jetzt weitergehen soll." (red/Gernot Ebner)

25.4.2007 09:07