Samstag, 31. März 2007

Drittbeste OSV-Platzierung: Nadarajah
im WM-Finale über 50 m Delfin Sechste

  • Mirna Jukic überrascht über 50 m Brust mit Platz zehn
  • 6. Gold für Phelps! Thorpe unter Dopingverdacht

Die Österreicherin Fabienne Nadarajah hat im Finale der Schwimm-WM in Melbourne über 50 m Delfin Platz sechs belegt. Die 21-jährige Wienerin sorgte damit für die drittbeste OSV-Platzierung der Titelkämpfe nach den Plätzen drei und fünf von Markus Rogan. Mirna Jukic stellte über 50 m Brust mit einer Zeit von 31,78 Sekunden einem OSV-Rekord auf und belegte damit überraschend den zehnten Platz. Für den Einzug ins Finale reichte diese Leistung dennoch nicht.

Jukic fehlten nur 0,06 Sekunden auf das Finale der besten Acht. Dennoch holte die Ex-Europameisterin damit in Melbourne in ihrer sonst schwächsten Disziplin ihre beste WM-Platzierung.

In 26,77 Sekunden blieb Nadarajah 0,27 Sekunden über ihrem österreichischen Rekord, mit dem sie 2005 in Montreal WM-Vierte geworden war. Gold holte sich die Schwedin Therese Alshammar in 25,91.

Nadarajah und Marilies Demal schafften es zudem als 25. bzw. 31. im Vorlauf über 50 m Kraul wie erwartet nicht ins Semifinale. Nadarajah war nicht wirklich zufrieden. "Das war nicht atemberaubend", erklärte die 21-Jährige, die in 26,41 Sekunden angeschlagen hatte.

Demal blieb als 31. in 26,60 Sekunden nur knapp hinter ihrer Trainingskollegin. "Ich bin nicht in Hochform, aber die Kraul waren auf alle Fälle besser als die Delfin", meinte das 17-jährige Talent. Dort war Demal über 50 m als 24. relativ deutlich über ihrer Bestzeit geblieben.

Phelps holt sechstes Gold!
Der Weg zu achtmal Gold bei der Schwimm-WM in Melbourne scheint für US-Superstar Michael Phelps geebnet zu sein. Der 21-Jährige besiegte in einem packenden Finale über 100 m Delfin seinen Landsmann und Titelverteidiger Ian Crocker, holte sich damit sein sechstes Gold bei diesen Titelkämpfen.

Bis zu den finalen Metern hatte Crocker relativ klar geführt, doch mit einem unwiderstehlichen Finish holte sich Phelps seinen insgesamt 16. Weltmeistertitel. "So gewinnt man Medaillen. Es war ein großer Fight. Ian war großartig", bestätigte Phelps, der in 50,77 Sekunden 0,05 vor seinem Teamkollegen anschlug. Bereits mit dem sechsten Gold von Melbourne stellte der US-Amerikaner den Rekord des Australiers Ian Thorpe ein, der bei der WM 2001 in Fukuoka ebenfalls sechs Titel geholt hatte.

Doch während Thorpe nach einem Bericht der französischen Sportzeitung "L'Equipe" nach seinem Rücktritt unter Dopingverdacht steht, ist Phelps dabei, alle Rekorde zu brechen. Das dominante US-Team gewann durch den 22-jährigen Kalifornier Benjamin Wildman-Tobriner und den 23-jährigen New Yorker Cullen Jones außerdem Gold und Silber im Kraul-Sprint. Über 200 m Rücken der Damen siegte Margaret Hoelzer, über 800 m Kraul Kate Ziegler.

Manadou verpasst dritten Sieg
Die Französin Laure Manaudou verpasste damit ihre dritte Goldmedaille. Die 20-Jährige musste sich Ziegler trotz neuem Europarekord in 8:18,80 geschlagen geben. Die US-Amerikanerin schwamm in 8:18,52 neuen WM-Rekord. Bronze holte sich Hayley Peirsol, die jüngere Schwester von Aaron Peirsol, dem Dauerkonkurrenten des Österreichers Markus Rogan auf den Rückenstrecken.

Australische Damen-Staffeln mit Weltrekord
Für den 13. Weltrekord der WM sorgten erstmals australische Athleten. Die Lagen-Staffel der Damen verbesserte ihre eigene Bestmarke, die sie im Vorjahr bei den Commonwealth Games ebenfalls in Melbourne aufgestellt hatte, von 3:56,30 auf 3:55,74 Minuten. Die erst 14-jährige Emily Seebohm, Leisel Jones, Jessicah Schipper und Lisbeth Lenton siegten vor den USA und China. Über 50 m Delfin der Damen setzte sich die Schwedin Therese Alshammar durch.

Thorpe unter Dopingverdacht
Ein Dopingverdacht gegen den zurückgetretenen australischen Superstar Ian Thorpe überschattet das abschließende Wochenende der Schwimm-WM. Der Weltverband FINA bestätigte nun offiziell, dass er den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne angerufen hat, um einen auffälligen Test der australischen Anti-Doping-Behörde (ASADA) erneut auswerten zu lassen. Der Name des betroffenen Athleten wurde nicht genannt.

Die französische Sportzeitung "L'Equipe" hatte berichtet, dass Thorpe bereits im Mai 2006 unter anderem mit einem deutlich überhöhten Wert des männlichen Sexualhormons Testosteron aufgefallen, der Fall in Australien wegen "wissenschaftlicher Zweifel" aber nicht als positiv behandelt worden sei. "Ziel der Berufung beim CAS ist es, sämtliche Fragen rund um diesen Fall zu klären", hieß es in einem FINA-Statement.

Die Doping-Kontrollinstanz des Weltverbandes hatte die Probe als "abnormal" bezeichnet und daher eine neuerliche Kontrolle gefordert. Das Recht dazu könne in diesem Fall der CAS erteilen. Eine abnormale Probe sei allerdings von einer positiven Probe zu unterscheiden, betonte der FINA-Dopingexperte Andrew Pipe. "Ein abnormale Probe bedeutet nur, dass etwas gefunden worden ist. Wir wissen aber nicht, ob der betroffene Athlet womöglich eine Ausnahmegenehmigung hat."

Offiziell sei der Name des Athleten dem Weltverband nämlich nicht bekannt. "Wir kennen nur die Nummer", betonte Generalsekretär Cornel Marculescu vor mehr als 200 Journalisten, die sich in der Rod Laver Arena versammelt hatten, aber von den FINA-Funktionären zu diesem Thema kaum aufschlussreiche Antworten erhielten. "Wir kennen den Fall seit Mai", versicherte Marculescu. "Er ist kein ungewöhnlicher. Wir haben jährlich vier, fünf solcher Fälle, in denen wir Einspruch erheben." Wie den betroffenen Aktiven stehe es auch dem Weltverband zu, in Berufung zu gehen.

Der Betroffene selbst reagierte laut Angaben von Australiens Verbands-Generaldirektor Glenn Tasker ebenso geschockt auf die Anschuldigungen wie seine australischen Landsleute. Thorpe wollte nicht an die Öffentlichkeit gehen, hatte aber mit dem australischen Cheftrainer Alan Thompson telefoniert. "Der australische Schwimmsport steht hinter ihm. Wir werden alles Mögliche tun, um ihn zu unterstützen", versicherte Tasker. Sogar der australische Premierminister John Howard drückte öffentlich seine Unterstützung für Thorpe aus.

Thorpe hatte seine unvergleichliche Karriere im November überraschend für beendet erklärt. Der 24-jährige Nationalheld begründete seinen Rücktritt mit Motivationsproblemen, nachdem er zuvor von gesundheitlichen Problemen zurückgeworfen worden war. Seinen letzten großen Wettkampf hatte Thorpe bei Olympia 2004 in Athen bestritten. Der Australier ist fünffacher Olympiasieger und elffacher Weltmeister. In Einzelbewerben hatte der Kraul-Spezialist 13 Weltrekorde aufgestellt.

(apa/red)

31.3.2007 17:03