Flaschen gegen Polizisten: Gewaltsame Krawalle in Pariser U-Bahnhof Gare du Nord
- Nach Festnahme eines gewalttätigen Schwarzfahrers
- 13 Jugendliche von Polizei verhaftet. Plus: VIDEO

Eine Fahrkartenkontrolle hat am Pariser Bahnhof Gare du Nord gewaltsame Ausschreitungen zwischen Jugendlichen und Sicherheitskräften ausgelöst und Erinnerungen an die Vorstadtunruhen vor eineinhalb Jahren geweckt. Nach der Festnahme eines Schwarzfahrers gingen Jugendbanden mit Metallstangen auf die Beamten los und zogen stundenlang plündernd durch die Metrostation. 13 Personen wurden festgenommen, wie Frankreichs Innenminister François Baroin bekannt gab. Mindestens neun Personen wurden verletzt.
Der Tumult macht knapp vier Wochen vor der Präsidentschaftswahl Jugendgewalt und die Lage in den Außenbezirken und Trabantenstädten Frankreichs wieder zum Thema. "Aus einer Routineüberprüfung wurde ein Guerilla-Krieg", sagte Baroin, der den Präsidentschaftskandidaten Nicolas Sarkozy als Innenminister abgelöst hatte. Dieser verteidigte das Vorgehen der Polizei: "Wir sind wohl das einzige Land, in dem man es nicht normal findet, einen Schwarzfahrer zu stoppen", sagte er.
Etwa 100 Menschen waren an den Ausschreitungen beteiligt, hunderte Schaulustige versammelten sich auf den verschiedenen Ebenen des Bahnhofs Gare du Nord. Einige der Jugendlichen waren mit Metallstangen bewaffnet. Sie schlugen gegen Getränkeautomaten und Schaufenster und plünderten ein Sportgeschäft. Mehrere Mistkübel und ein Info-Stand gingen in Flammen auf. Die Polizei ging mit Tränengas und Hunden gegen die Randalierer vor. Eine Frau musste von Rettungskräften versorgt werden.
Die Auseinandersetzung begann nach Darstellung der Behörden, als ein Mann ohne Fahrkarte während einer Überprüfung zwei Kontrolleure schlug. Laut Innenminister Baroin handelte es sich um einen 32-jährigen Einwanderer ohne Aufenthaltsgenehmigung, der bereits 22 Einträge in seinem Vorstrafenregister hat. Nach seiner Überprüfung seien weitere Jugendliche zunächst auf die Kontrolleure losgegangen und dann auf die hinzueilenden Polizisten, sagte ein Sprecher der Verkehrsbetriebe RATP. Einige Jugendliche wiesen diese Darstellung zurück: Vielmehr habe ein Polizist einen Jugendlichen afrikanischer Abstammung grob behandelt und diesem dabei einen Arm gebrochen.
Von der Metrostation fahren zahlreiche Züge in die Trabantenstädte nördlich der französischen Hauptstadt, wo im Herbst 2005 die Krawalle begannen. An diesen waren vor allem Jugendliche aus Einwandererfamilien beteiligt, die sich ausgegrenzt fühlen. "Der Brand unter der Asche in den Vorstädten schwelt noch", sagte die sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal vor wenigen Tagen. (apa/red)
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