'Habe 3,2 Millionen Euro verdient': Rumpold
verteidigt Einnahmen für Eurofighter-PR
- Werberin will Verwendung der 6,6 Mio. Euro belegen
- Ehepaar Rumpold macht gegen Tageszeitung mobil
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Mit einem riesigen schwarzen Koffer wollte Erika Rumpold im Wiener Straflandesgericht beweisen, dass sich die 6,6 Millionen Euro, die ihre Agentur "100% Communications" für Werbemaßnahmen für den Eurofighter-Hersteller EADS erhalten hatte, belegen lassen. Der Koffer, dessen Gewicht Richterin Brigitte Zeilinger nach einem vergeblichen Versuch, diesen anzuheben, auf "mindestens 30 Kilo" schätzte, enthielt Dutzende Ordner mit Rechnungen, aus denen sich laut der 37-jährigen PR-Frau die genaue Verwendung der lukrierten Millionen ablesen lässt.
"Ich habe 3,2 Millionen Euro verdient. Ich habe gut gewirtschaftet", gab Erika Rumpold unter Wahrheitspflicht zu Protokoll. Sie sei allerdings auch "Tag und Nacht durch Österreich gefahren, weil wir so dicht wie möglich arbeiten sollten. Wir haben einen enormen Zeitdruck gehabt", meinte sie in ihrer knapp einstündigen Einvernahme.
Über 3 Millionen Euro habe sie für Fremdaufträge vergeben. Rumpold verwies in diesem Zusammenhang auf "Lieferanten, Freelancer, Produktionskosten, Transportkosten". Sie habe natürlich sämtliche Drittbelege dabei, deutete sie auf den Koffer, für dessen Transport sie einen robusten Mitarbeiter abgestellt hatte.
Ihre Agentur, die sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Gernot Rumpold betreibt, hatte 2002 mit dem EADS-Lobbyisten Erich Steininger einen lukrativen Werbevertrag für eine österreichweite Imagekampagne zu Gunsten der Eurofighter abgeschlossen. Dafür wurden zunächst 2,8 Millionen Euro an Werbebudget und Agenturhonorar bezahlt. Ab Mai 2002 seien "für zusätzliche Leistungen" weitere Millionen geflossen, so Rumpold im Zeugenstand. In derartigen Fällen sei eine Agenturprovision von 15 Prozent üblich. Sie habe diese jedoch höher bemessen, da sie von einem Erfolgshonorar Abstand genommen habe.
Roadshow, Politiker-Treffen und "Kamingespräche"
Befragt zu den für EADS erbrachten Leistungen, führte Rumpold unter anderem Kino-Spots, eine Roadshow, Treffen mit Politikern - darunter Landeshauptleute - und "Kamingespräche" ins Treffen: "So was geht ins Geld natürlich." Die Kosten für "Pressekonferenzen mit 40 Personen und anschließendem Essen" bezifferte sie mit 100.000 Euro: "Wir mussten alles zukaufen, vom Rednerpult abwärts."
Es seien "niemals Schmiergelder geflossen", schwor die 37-Jährige "bei meiner Brustkrebserkrankung". Das zuständige Finanzamt prüfe seit zwei Jahren ihre Abrechnungen: "Bis jetzt gibt es keine Beanstandungen. Es gibt nichts, was auf eine Schmiergeldaffäre hindeutet."
Rumpolds machen gegen Tageszeitung mobil
In dem Verfahren ging es um eine medienrechtliche Klage auf Gegendarstellung, die Erika und Gernot Rumpold gegen die Tageszeitung "Österreich" eingebracht hatten. Das Ehepaar setzte sich damit gegen einen in ihren Augen unwahren Bericht zur Wehr. Mittlerweile sind mehrere weitere Klagen gegen "Österreich" anhängig.
Erika Rumpold und ihr Anwalt Michael Rami - Gernot Rumpold hatte sich mit einem berufsbedingten Auslandsaufenthalt entschuldigt - luden die Richterin ein, den mitgebrachten Koffer zu inspizieren, um die Haltlosigkeit des inkriminierten Berichts festzustellen. "Einem ordentlichen Gericht werde ich alles vorlegen. Aber nicht dem Ausschuss", betonte die 37-Jährige. Ihr Rechtsbeistand bezeichnete den Eurofighter-Ausschuss als "Polittribunal".
Mit der Begründung, es handle sich um ein Provisorialverfahren und dass über die von den Klägern geltend gemachte Entschädigung in einem fortgesetzten Verfahren abgesprochen werden müsse, nahm die Richterin davon Abstand, die Rechnungen zu prüfen: "Das ist unmöglich, in der kurzen Zeit und ohne Sachverständigen." Der Tageszeitung wurde eine vorläufige Gegendarstellung aufgetragen, wogegen "Österreich"-Anwalt Peter Zöchbauer volle Berufung anmeldete.
Rumpolds Rechtsbeistand kündigte an, das gegenständliche Verfahren in jedem Fall fortsetzen zu wollen, womit sich die Justiz für den Inhalt des schwarzen Koffers näher zu interessieren hätte - zumindest ein Medienrichter, sollte "Österreich" dabei bleiben, korrekt berichtet zu haben.
(apa/red)
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