Donnerstag, 29. März 2007

Von Holender bis Seipel: Enttäuschung und Frustration über Kunst- und Kulturbudget

  • Staatsopernchef hat mit wesentlich mehr gerechnet
  • Seipel muss Papst-Ausstellung für KHM absagen

Staatsoperndirektor Holender ist über die Einfrierung der Bundestheater- Basissubventionen für 2007 und eine Erhöhung um fünf Millionen Euro für 2008 "zutiefst entäuscht". Die Holding habe einen Mehrbedarf von zehn Millionen Euro ab 2007/08 ausgerechnet. "Jetzt gibt es für 2007 nichts und für 2008 nur die Hälfte dessen, was als minimal angesehen wurde." Auch der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, zeigt sich "ratlos".

"Ich hörte in den vergangenen Tagen immer wieder über steigende Steuereinnahmen, und auch die Wirtschaftsdaten wurden nach oben korrigiert, ich bin davon ausgegangen, dass die Kultur davon aliquot profitieren wird", so der enttäuschte Staatsopern-Direktor. Man könne nicht verlangen, dass in den Theatern die Menschen für immer weniger Geld arbeiten würden, die Honorare lägen längst unter denen vergleichbarer anderer Häuser.

Holender geht davon aus, dass die fünf Millionen Euro ab 2008 nach dem bisherigen Verteilungsschlüssel von 1999 auf die einzelnen Häuser aufgeteilt werden: "Das wäre logisch, korrekt und fair!" Andererseits habe die Volksoper einen höheren Zusatz-Bedarf, räumt der Staatsopern-Direktor ein. Einen Ausweg aus den Finanzproblemen sieht er trotz gegenwärtig "sehr hoher Einnahmen" der Staatsoper nicht. "Ich kann keine neuen Einnahmequellen erschließen", jedenfalls nicht in einer Größenordnung, die dazu geeignet wäre, die Probleme zu lösen. Außerdem wäre sicher noch ein Sonderbudget für die Vorbereitungszeit der neuen Direktion notwendig.

Seipel "enttäuscht und etwas ratlos"
Auch der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, "enttäuscht und etwas ratlos" und muss eine Ausstellung absagen sowie die Neueröffnung der Kunstkammer und einen geplanten neuen Ausstellungsraum im KHM-Hof "hintanstellen". Die Erhöhung der Bundesmuseen-Basisabgeltung um sechs Mio. Euro im Jahr 2008 sei "bei weitem zu gering", die Museumsdirektoren können einander "nur Beileid wünschen", so Seipel zur APA.

KHM-Ausstellung muss abgesagt werden
Seipel kündigte an, die Ausstellung "Meisterwerke aus den Vatikanischen Museen" absagen zu müssen, die anlässlich des Papstbesuches geplant war. Die Budgetsituation führe zu "ungeahnten Einsparungsmaßnahmen" im KHM, die "bis zur Schließung von Sammlungsteilen führen könnten", so Seipel. Welche das sein würden, wollte Seipel nicht bekannt geben. Es sei "sehr schade", dass die Valorisierung wieder nicht im Gesetz festgeschrieben sei. Für 2007 gebe es noch ein ausgeglichenes Budget, das jedoch keinen Spielraum für Erweiterungen und Neuaufstellungen bietet.

"Schmied am Finanzministerium gescheitert"
In der Politik, insbesondere dem Finanzministerium, herrsche ein "totales Missverständnis über die Bedeutung von Kunst und Kultur in Österreich". Es sei "unverständlich, dass eine derartige Möglichkeit der internationalen Präsentation Österreichs nicht wahrgenommen wird". Dies sei für ihn und die Direktoren-Kollegen "frustrierend", jedoch wäre es "schade, wenn man die Öffentlichkeit oder die Museen dafür bestrafen würde. Man muss weiterarbeiten, so weit das möglich ist." Seipel attestierte Ministerin Claudia Schmied (S) "große Anstrengungen", "man ist am Finanzministerium gescheitert".

Technisches Museum: Auf Notwendiges konzentrieren
"Also Geburtstag oder Weihnachten fällt heuer aus." So kommentierte Gabriele Zuna-Kratky die Bekanntgabe der Kulturbudgets für 2007/2008 im Gespräch mit der APA. Man werde im Technischen Museum Wien "schauen müssen, wie wir unserem gesetzlichen Auftrag nachkommen können" und sich auf jene Dinge konzentrieren, die "unbedingt notwendig" sind, etwa die Erhaltung der Sammlung, die aus konservatorischer Sicht "sehr teuer" sei. Ein wenig entspannter sieht MUMOK-Direktor Edelbert Köb die Zahlen. Er fordert vor allem eine Diskussion der Bundesmuseen über die Aufgabenbereiche.

Grüne: Budget "eine riesige Enttäuschung"
Für den Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, ist das Kunst- und Kulturbudget "eine einzige, riesige Enttäuschung". "In der schriftlich vorliegenden Rede betont der Finanzminister noch frech, dass die Bundesregierung investieren will, wo es notwendig ist, aber die beiden Wörter Kunst und Kultur kommen in der gesamten Rede nicht einmal vor", kritisierte Zinggl in einer Aussendung. In diesem Bereich sei es der Regierung also nicht wichtig zu investieren, der Kurs der alten schwarzblauen Regierung werde 1:1 fortgesetzt.

Auf Grund der Inflation sänken bis auf die Bundestheater und Bundesmuseen, denen die Inflation 2008 abgegolten werde, die Budgets der Kulturschaffenden. Einzig der Film erhalte 2,2 Mio. Euro mehr - für Zinggl "nicht nur angesichts der von der ÖVP im Wahlkampf versprochenen zusätzlichen zehn Mio. und der von der SP zugesagten 20 Mio. ein völlig unzureichender Betrag", der zudem in anderen Kunstbereichen wieder eingespart werde.

Während die SPÖ vor der Wahl von einer Erhöhung um 200 Mio. Euro gesprochen und die alte Regierung ob ihrer stagnierenden Kulturbudgets gegeißelt habe, seien im Jahr 2006 für die Kunst ohne Bundestheater noch 89,6 Mio., für 2008 nur noch 89,3 Mio. budgetiert. "Wozu die SP in der Regierung sitzt und das Kulturministerium übernommen hat, bleibt völlig rätselhaft", so Zinggl.

Ruiss: Literaturbudget nur scheinbar erhöht
Als "nur scheinbare Erhöhung" relativierte der Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, Gerhard Ruiss, gegenüber der APA die veranschlagte Steigerung des Literaturbudgets. "Auch mit 9,3 Mio. Euro erreichen wir de facto nicht den Wert von 8,37 Mio. im Jahr 1999, wenn man die Verteuerungen berücksichtigt." Die "dramatischen" Kürzungen auf 7,35 Mio, im Jahr 2000 bzw. auf 7,25 Mio. im Jahr 2001 würden nicht aufgefangen. Mit der aktuellen Budgeterhöhung könnten allenfalls "Löcher gestopft" werden, "aber es ist kein Potenzial da für Entwicklungen".
(apa/red)

29.3.2007 14:22