Umdenkprozess in ÖVP: Behinderte Kinder sollen künftig besser integriert werden
- Auch in BHS und AHS-Oberstufen bis 18 Jahre
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Großteil der Minister- Forderungen abgeblockt
Für eine Ausweitung der schulischen Integration von behinderten Kindern sprechen sich die Leiterin des Bereichs Bildung in der VP-Perspektivengruppe, Katharina Cortolezis-Schlager, sowie VP-Behindertensprecher Franz-Joseph Huainigg aus. Im Zusammenhang mit der im Regierungsprogramm verankerten Ausbildungsgarantie bis 18 würden sich auch neue Forderungen für den integrativen Unterricht in der Sekundarstufe II ergeben, so Cortolezis-Schlager bei einer Pressekonferenz. Integration solle es nicht nur im dualen System der Berufsausbildung geben, sondern auch an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen und AHS-Oberstufen.
Huainigg will, dass der gemeinsame Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern zum Regelfall wird. Derzeit gibt es etwa gleich viele Sonderschulklassen wie Integrationsklassen an regulären Schulen. Auch Huainigg plädierte dafür, das Schulsystem nach der achten Schulstufe für die Integration zu öffnen. Die bisher abgeschlossenen 2.800 Lehrverträge in der Integrativen Berufsausbildung würden zeigen, wie groß der Bedarf an weiterführenden Angeboten sei. Vor allem an den berufsbildenden Schulen gebe es dafür gute Ansatzmöglichkeiten.
In der ÖVP hat es damit bei diesem Thema ein Umdenken gegeben: In den vergangenen Jahren wollte die ÖVP die Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf nur bis zur Polytechnischen Schule verankern, während SPÖ und Behindertenverbände weitergehende Regelungen verlangten.
Verbesserungen müsse es auch bei der Lehrer-Ausbildung geben, meinte Huainigg: Wer eine Pädagogische Hochschule absolviert habe, müsse auch Integration beherrschen. "Ein Lehrer darf nicht mehr sagen, dass er keine Integration macht, weil er's nicht gelernt hat." Die Schulbehörden müssten sich wiederum besser auf den Integrationsbedarf einstellen: "Ein behindertes Kind fällt nicht mit sechs Jahren vom Himmel." Die Sonderschulen selbst will Huainigg mit einem "Integrationsauftrag" ausstatten - sie sollen den Wechsel in eine Regelschule erleichtern.
Cortolezis-Schlager plädierte dafür, den Begriff "Sonderpädagogik" durch "Individualpädagogik" zu ersetzen. Es gehe darum, vom Kindergarten an das individuelle Potenzial der Kinder zu fördern. "Je mehr wir Kinder voneinander trennen, um so weniger haben sie Gelegenheit, gemeinsam und voneinander zu lernen." Nötig dafür wären aber etwa die entsprechenden Räumlichkeiten und mehr Platz in den Klassen.
Die SPÖ begrüßt den "Umdenkprozess" in der ÖVP. Sämtliche internationale Erfahrungen würden deutlich zeigen, dass die gemeinsame Erziehung und Bildung von behinderten und nicht behinderten Kindern eine große Bereicherung darstelle und schon im Kindesalter beginnen müsse, so SP-Behindertensprecherin Christine Lapp in einer Aussendung. Vor diesem Hintergrund sei es "natürlich sehr begrüßenswert", dass in der Regierung nun die Integration über die achte Schulstufe hinaus gemeinsam umgesetzt werden könne.
(apa/red)
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