Kühle Alpenländer als Rückzugsgebiete:
Klimawandel wird den Tourismus verändern
- Tourismusexperten über die Reisebranche-Zukunft
- Limitierte Gästekontingente, Maßstäbe für Umwelt

·Und hinter uns soll die Sintflut kommen
FORMAT: Vorm Klima- Gau will ich noch sehen...
·November 2006 wärmster seit 1950
Für Österreicher liegt Ursache im Klimawandel
Durch den globalen Klimawandel könnten die Alpenländer zu touristischen "Hot Spots" werden. Die Reiseströme werden sich vom Süden Richtung Norden verlagern, prognostizieren die Tourismusexperten und wittern darin eine Chance. Die Klimatologen sehen die Bergregionen und Gletscher Europas als Verlierer der Erwärmung ebenso wie den Mittelmeerraum. Klar scheint nur eines: Reisen wird insgesamt teurer werden. Die zukünftigen Fernreisenden kommen aber nicht aus Europa, sondern aus dem asiatischen Raum.
Die Tourismusindustrie sieht die Zukunft nicht völlig schwarz. Zukunftsforscher Andreas Reiter deutete den diesjährigen schneearmen Winter aber als "Warnhinweis", sagte er kürzlich bei einer Veranstaltung des "Club Travel Media" in Wien. Es gelte, in den Tourismusregionen neue Konzepte abseits des Skisports zu installieren.
Urlaub ist immer gefragt
"Menschen werden immer Urlaub brauchen", so Eleonore Gudmundsson, Sprecherin der Österreich Werbung. Der allgemeine Wunsch zu Verreisen mische sich zunehmend mit dem Trend "Urlaub plus sinnvoller Zugewinn", wie etwa Wellness- oder Gesundheitstourismus.
Die zukünftigen Hauptzielgruppen des Tourismus würden im Alter zwischen 45 und 50 Jahren liegen, betonte Reiter. Bereits jetzt würden rund 22 Prozent das Wandern dem Skifahren vorziehen. Bereits für ein Viertel wäre Winterurlaub ohne Skifahren vorstellbar. Auch Shopping sei mittlerweile ein triftiger und oft genannter Urlaubsgrund.
Kühler Rückzugsort
Für Gudmundsson könnten intakte Landschaften im Licht des Klimaschutzes als wichtiges "Asset" an Bedeutung gewinnen. Die kühlen Alpen als Rückzugsgebiet vor den immer heißeren Sommern. Bereits jetzt punkte das Urlaubsland Österreich bei Gästen aus dem indischen und arabischen Raum. Aber auch die Attraktivität als Naherholungsgebiet für Deutschland könnte mit der laufenden Erderwärmung und der Moral-Debatte steigen. Der Vorteil sei, dass die heimischen Tourismusbetriebe die Zeit hätten, sich auf die Veränderungen einzustellen.
Umweltverträglichkeit
Für den Umweltexperte des mittlerweile weltweit größten Tourismuskonzerns TUI, Wolf Michael Iwand, steht fest, dass Urlaubsdestinationen vermehrt auf ihre Umweltverträglichkeit hin auf dem Prüfstein stehen müssen. Wenn dort die klimamäßige Verträglichkeit überschritten werde, könne dies nur das Ende des Massentourismus bedeuten. Eine personelle Kontingentierung hält Iwand, der dem TUI-Vorstand direkt berichtet, für möglich. Eine solche Diskussion sei aber keine rein ökologische, sondern auch eine kulturelle und soziale. Diese Fragen über die Verträglichkeit von Massentourismus würden sich heute schon stellen.
Fernreise-Verbot ist unmoralisch
Das Verbot von Fernreisen hält Iwand für unmoralisch. "Fliegen ist unverzichtbar." Auch dürfe man nicht vor zukünftigen Quellmärkten die Grenzen dicht machen. Tourismus habe das Potenzial, Wertschöpfung über Grenzen hinweg zu tragen. Die Perspektive des Tourismus in den Schwellenländern sehe er als die "bessere wirtschaftliche Alternative zu Fabriken oder Atomkraftwerken". (apa/red)
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