Freitag, 23. März 2007

YouTube - Wirbel um Hillary-Clinton-Video:
Darstellung als Figur aus Orwells "1984"

  • US-Präsidentschatskandidatin "Hit" auf Video-Portal
  • Urheber im Obama-Lager geortet und sofort entlassen

Ein Mitarbeiter eines Internet-Beratungsunternehmens mit Verbindungen zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama hat eingeräumt, Urheber eines Anti-Hillary-Clinton-Videos zu sein. Das Video im Stil von Orwells "1984" stieß bei YouTube auf riesige Resonanz.

Philip de Vellis erklärte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP, er habe nach seiner Enttarnung seine Arbeit bei Blue State Digital beendet. Die Firma hat die Website für Obama gestaltet und einer ihrer Gründer ließ sich beurlauben, um dem Senator von Illinois als Wahlkampfberater für Neue Medien zu helfen.

Ein Schuss, der nach hinten losgeht?
Die Affäre könnte Obama im Kampf um die Kür als demokratischer Präsidentschaftskandidat schaden. Er kultiviert sein Image als Politiker, der sich vom brachialen Politikalltag abhebt. De Vellis erklärte, er habe das Video, das Obamas Rivalin Hillary Clinton als eine Figur aus George Orwells totalitärer Zukunftsvision "1984" darstellt und um Unterstützung für Obama wirbt, außerhalb seines Jobs erstellt. Weder Blue State noch das Wahlkampfteam des Senators hätten etwas davon gewusst, versicherte er. Nachdem die Sache bei einigen Stirnrunzeln hervorgerufen habe, hielt er es für das Beste, seine Arbeit niederzulegen, um niemanden zu schaden.

Keiner will etwas gewusst haben
Die Urheberschaft de Vellis' wurde nach wochenlangem Rätselraten von der liberalen Website HuffingtonPost.com enttarnt. Blue-State-Direktor Thomas Gensemer sagte, der Mitarbeiter sei entlassen worden. Das Management habe nichts von dem Video gewusst. Auch Obamas Wahlkampfteam versicherte, mit der Sache nichts zu tun zu haben. Im Lager von Clinton wollte sich niemand äußern.

Reue nach Überraschungserfolg
Der 74-Sekunden-Clip - die Kopie eines Apple-Werbespots aus dem Jahr 1984 - wurde auf YouTube rasch ein Hit und inzwischen fast 1,5 Millionen Mal aufgerufen. De Vellis sagte, er hätte niemals mit solchen Reaktionen gerechnet. "Ich möchte klarstellen, dass ich nicht denke, dass Hillary Clinton Big Brother ist oder eine schlechte Person." (apa/red)

23.3.2007 09:16