Donnerstag, 22. März 2007

Schon bald "Flughafengeruchskontrolle"? Menschlicher Schweiß als Fingerabdruck

  • "e-nose": Künstliche Nase als exaktes Kontrollorgan
  • Forscher: Geruchssignatur hat tausende Dimensionen

Der menschliche Schweiß als hochkomplexer Fingerabdruck: Ein internationales Forscher-Team unter österreichischer Beteiligung hat bei der Untersuchung des menschlichen Geruchs Interessantes herausgefunden. Die chemischen Bestandteile unterscheiden sich sowohl individuell als auch zwischen den Geschlechtern stark. Für die österreichische Duft-Forscherin und Anthropologin Elisabeth Oberzaucher, die an der Untersuchung mitgearbeitet hat, ist es denkbar, dass der Menschengeruch durch seine Einzigartigkeit als Identifizierungsinstrument - etwa am Flughafen - eingesetzt werden kann.

Es war bisher noch wenig bekannt, woraus sich die jeweilige Duftnote zusammensetzt. Durch die Langzeitstudie der österreichischen, britischen und amerikanischen Wissenschafter wurde der Achselschweiß genau unter die Lupe genommen. Zehn Wochen lang wurden Proben von 197 Einwohnern (108 Frauen und 89 Männer) eines Kärntner Dorfes entnommen. Die Probanden stammten aus Großfamilien (zehn bis 31 Mitglieder, zwei bis vier Generationen im Alter von 18 bis 92 Jahren).

Schweiß-, Speichel- und Urinproben
Die Testpersonen mussten alle zwei Wochen ins Feldlabor. Sie durften sich zwölf Stunden davor nur mit einer neutralen Seife waschen und mussten ein weißes Baumwoll-Shirt tragen. Danach wurden Schweiß-, aber auch Speichel- und Urinproben entnommen und auf ihre chemischen Bestandteile analysiert.

Das Ergebnis: Schweiß enthält mehr flüchtige organische Verbindungen als Urin oder Speichel. Unter der enormen Anzahl von flüchtigen Komponenten fanden die Wissenschafter 373 Komponenten, die individuelle und geschlechtsspezifische Geruchsprofile ergaben, also über den Untersuchungszeitraum gleich blieben. Ein Teil dieser Komponenten konnte bereits chemisch identifiziert werden.

"Flughafengeruchskontrolle wahrscheinlich"
Das Resultat der genetischen und mikrobiellen Einflüsse auf den individuellen Geruch lässt auf einen so genannten Duft-Fingerabdruck hoffen. Mit der Hilfe von künstlichen Nasen mit elektronischen Sensoren ("e-nose") wäre in Zukunft etwa eine "Flughafengeruchskontrolle wahrscheinlich", meint Oberzaucher. "Denn der Fingerabdruck ist zweidimensional, die Geruchssignatur hat tausende Dimensionen", erklärte die Wissenschafterin.

Der menschliche Duft sei eine individuelle Signatur, die sogar innerhalb der Familie unterscheidbar sei. Auch die Probanden mussten bei der Studie riechen und bewerten. Dabei stellte sich heraus, dass Menschen andere Menschen anhand ihres Geruches identifizieren. Sie können ihre Partner, Verwandte bzw. die Geschlechter erkennen. Der Mensch kann 5.000 verschiedene Gerüche differenzieren: 500 Grundgerüche, der Rest sind zusammengesetzte Düfte. Es zeigte sich, dass etwa Frauen gegen den Bruder- oder Vaterduft Aversionen entwickelten; scheinbar, um Inzest zu vermeiden, glaubt Oberzaucher. (apa/red)

22.3.2007 10:51