Vizegeneraldirektor Koren im U-Ausschuss:
Im BAWAG-Skandal noch einiges ungeklärt
- Erst im Oktober 2005 von Karibik-Verlusten informiert
- PLUS: Atomic-Konkurs wäre vermeidbar gewesen

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im Jahr 1922 bis heute
Der frühere Generaldirektor der Postsparkasse (P.S.K.) und seit 1. Oktober 2005 stellvertretende Generaldirektor der BAWAG P.S.K., Stephan Koren, wurde als letzte Auskunftsperson am 21. März spätabends im parlamentarischen Banken-Ausschuss befragt. "Das volle Schadensausmaß kennen wir, die vollen Vorgänge kennen wir nicht", resümierte er zum Skandal um vertuschte Karibik-Verluste der BAWAG. Er könne auch nicht ausschließen, dass es irgendwo noch Mittel gebe, die der Bank eigentlich gehören.
Von den Karibik-Verlusten habe er erst am Weltspartag im Oktober 2005 erfahren, und zwar durch Zufall über eine Information eines Vorstandskollegen in der slowakischen Istrobanka, einer 100-prozentigen BAWAG-Tochter, erläuterte Koren. Damals seien Zahlungsflüsse über die Istrobanka und Stiftungen geflossen, in die auch der insolvente US-Broker Refco involviert war. Bei der Istrobanka hätten daraufhin alle Alarmglocken geklingelt, und die Zentrale wurde informiert.
Hatte er zunächst noch geglaubt, es handle sich um eine Forderung an Refco, die nun verloren sei, so habe er im BAWAG-Vorstand, vom Aufsichtsratspräsidenten Günter Weninger und dem damaligen BAWAG-Generaldirektor Johann Zwettler dann erfahren, dass es sich um die Spätfolgen von Problemen in der Elsner-Ära handle, die saniert werden mussten. "Alle pochten auf Gutachten, die die Rechtmäßigkeit ihres Handelns unterstrichen hätten, ihr Handeln sollte sozusagen im Interesse des Unternehmens sein", berichtete Koren.
Die Fusion der P.S.K. mit der BAWAG habe er "persönlich nicht befürwortet". Sachlich sei aber schwer etwas dagegen zu sagen, nach einer 100-Prozent-Übernahmen sei eine Fusion der Institute eben ein normaler Vorgang.
Atomic-Konkurs nicht "unbedingt notwendig"
Für den Ausschussvorsitzenden des parlamentarischen Bankenausschusses, Martin Graf (F), war der Konkurs des Salzburger Skierzeugers Atomic vermeidbar. Der Konkurs sei "nicht unbedingt notwendig" gewesen, und hätte von der BAWAG vermieden werden können, sagte Graf im Anschluss an die Befragung des Atomic-Masseverwalters Karl Ludwig Vavrovsky vor Journalisten. Dies habe ihm auch der Masseverwalter bestätigt.
Die BAWAG habe mit Kreditzinsen von 10 bis 14 Prozent dem Skierzeuger einen hohen Zinssatz verrechnet, und damit sehr wesentlich dazu beigetragen, dass letztlich eine Überschuldung von Atomic zu Stande gekommen sei. Ob für den Konkurs ein "Netzwerk" mitverantwortlich gewesen sei, könne er erst nach der Befragung von weiteren involvierten Personen, wie dem Konkursrichter, sagen.
Atomic-Masseverwalter Karl Ludwig Vavrovsky zog eine andere Bilanz: Atomic-Gründer Alois Rohrmoser habe sich mit seiner einzigen Bank, der BAWAG, angelegt, und habe geglaubt dass das gut gehe. Das sei aber nicht gut gegangen.
Dabei habe es sich um das Ein-Schilling-Konsortium gehandelt, an das Rohrmoser im September 1994 die Mehrheit seiner Anteile übergeben habe. Die BAWAG hatte sich damals übergangen gefühlt und Atomic wenige Tage danach Kredite fällig gestellt. Ob der Atomic-Konkurs grundsätzlich vermeidbar gewesen sei, könne er nicht sagen, so Vavrovsky. Der Gläubiger, die BAWAG, habe damals aber offenbar den Konkurs für notwendig erachtet und ihn daher angestrebt. (apa/red)
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