Dienstag, 20. März 2007

EURO 2008 im Schweizer Free-TV: SRG hat Vertrag mit UEFA bereits unterzeichnet

  • Verhandlungen zwischen ORF und UEFA laufen noch

Die Schweizer Rundfunkanstalt SRG und der Europäische Fußballverband UEFA haben einen Vertrag für die Fernseh- und Radio-Übertragungen der EURO 2008 für die Schweiz unterzeichnet. Während sich der öffentlich-rechtliche Schweizer Sender damit für seine Zuschauer die Übertragungsrechte von der Fußball-Europameisterschaft gesichert hat, heißt es in Österreich noch warten. Die Verhandlungen zwischen UEFA bzw. der vom Fußballverband beauftragten Sportrechteagentur Sportfive und dem ORF laufen nach APA-Informationen noch.

Die Fernsehsender der SRG werden in der Schweiz die einzigen frei empfangbaren Sender sein, die Direktübertragungen aller 31 Begegnungen der EURO 2008 ausstrahlen. Die SRG wird zudem ein Fernsehsignal im High-Definition-Format produzieren, wie es in einer Aussendung hieß. UEFA-Boss Michel Platini hieß die SRG "als Mitglied der exklusiven Gruppe der Broadcaster für die UEFA EURO 2008 willkommen". SRG-Generaldirektor Armin Walpen sprach von "langen und komplexen Verhandlungen" und einer "guten Lösung im Interesse unseres Publikums".

Laut Schweizer Nachrichtenagentur sda enthält der Vertrag keine Regelungen über ein mögliches Engagement der SRG im Bereich Host Broadcasting. Die UEFA strebt hier eigene Lösungen für die Produktion der Spiele in den Stadien in Österreich und der Schweiz an. Über die Kosten für die Übertragungsrechte in der Schweiz wurde Stillschweigen vereinbart.

Die SRG ist damit der erste Sender auf dem deutschsprachigen Markt, der sich mit Sportfive einigen konnte. Die Übertragungsrechte werden erstmals in der 46-jährigen Geschichte der EM marktweise verkauft. Bisher wurde in knapp der Hälfte der 52 europäischen Länder ein TV-Vertrag abgeschlossen. Auf den großen Märkten wurde erst mit Italien (Rai) eine Einigung erzielt.

Deutschland: Free-TV-Lösung noch offen
In Deutschland ist etwa noch völlig offen, ob das wichtigste Fußballturnier nach der Weltmeisterschaft überhaupt im Free-TV zu sehen sein wird. Die Verhandlungen zwischen Sportfive und den Fernsehsendern sind ins Stocken geraten. Es spießt sich am Geld. Dem Vernehmen nach will Sportfive auf dem deutschen Markt 150 Millionen Euro für die Fernsehrechte erzielen. Bei 31 Spielen wären das fast fünf Millionen Euro pro Partie. Ein Spiel der Fußball-WM im Vorjahr kostete durchschnittlich vier Millionen Euro. ARD und ZDF sehen deshalb eine Grenze erreicht, und bei der privaten Konkurrenz hält sich das Interesse für das EURO-Komplettpaket generell in Grenzen.

ORF wartet noch zu
Der ORF hat für Österreich von der UEFA bereits den grundsätzlichen Zuschlag für die Fußball-EM erhalten. Nach Medienberichten soll der öffentlich-rechtliche Sender ein Angebot im Gesamtwert von 24 Millionen Euro (15 Millionen davon in cash) gelegt haben. An den Details der Vertragsverhandlungen dürfte es sich nun aber spießen, weil die UEFA ihre Stellung gegenüber dem ORF ausreize. Das reiche vom Preis bis zu allerlei Nebendetails, erfuhr die APA. Im ORF warte man deshalb im Gegensatz zur SRG noch zu, um bei den Verhandlungen mehr raus zu holen.

Kritik an UEFA
Vor allem in Deutschland mehren sich inzwischen auch kritische Stimmen in Richtung UEFA. Der Verkauf der TV-Rechte erfolge viel zu spät, mahnen Senderverantwortliche bei ARD und ZDF. "Auf die WM 2006 haben wir uns über zwei Jahre lang vorbereitet", meinte jüngst etwa ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender.

Auch im ORF ortet man eine zeitkritische Entwicklung rund um die TV-Rechte für die EURO. Die Leitungen für die Olympischen Sommerspiele in Peking habe man etwa längst bestellt, für die EURO im eigenen Land seien solche Fragen freilich noch immer nicht geklärt. Die Abwicklung von Produktion und Erstellung des Fernsehsignals durch die UEFA sei etwa noch völlig offen, die angekündigte technische Ausschreibung noch nicht erfolgt.

(apa/red)

20.3.2007 17:32
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