Samstag, 24. März 2007

Holocaust-Leugner macht weiter: Irving bekräftigt öffentlich Zweifel an Gaskammern

  • Leitung der Gedenkstätte: Unerwünschte Person
  • TV-Sender berichtet von Besuch in KZ Auschwitz

Der britische Holocaust-Leugner David Irving hat laut einem italienischen Fernsehbericht die Existenz von Gaskammern im NS-Konzentrationslager Auschwitz erneut in Zweifel gezogen. In einer Sendung von Sky TG24 wird Irving bei einem Besuch in Auschwitz gezeigt. Dabei behauptete er, technische Analysen untermauerten seine Aussage, dass dort keine Massenvergasungen von Juden während des Zweiten Weltkriegs stattgefunden hätten.

Ein Sprecher des Ausschwitz-Museums in Oswiecim bei Krakau, Jaroslaw Mensfelt, sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe davon gehört, dass Irving vor ein oder zwei Wochen das Lager besucht habe. Die Leitung der Gedenkstätte habe ihn jedoch nicht gesehen und betrachte ihn auch als unerwünschte Person.

Irving wurde im Februar 2006 in Österreich wegen Leugnung des Holocausts zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Er kam aber kurz vor Weihnachten frei und wurde nach Großbritannien abgeschoben. Die Reststrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. In einem Interview des britischen Fernsehsenders Sky sagte Irving unlängst, es bestehe kein Zweifel, dass die deutschen Nationalsozialisten Millionen Juden umgebracht hätten. Dies sei aber nicht in Auschwitz passiert.

Friedländer: Deutsche wussten früher von Judenvernichtung
Ein Großteil der Deutschen hat nach Meinung des Historikers Saul Friedländer bereits 1942 von den Plänen des Naziregimes für die Vernichtung der Juden gewusst. Bei einer Gesprächsrunde im Rahmen der Leipziger Buchmesse sagte der in den USA lebende Geschichtsprofessor: "Schon zu dieser Zeit konnte man in einer Zeitung die Schlagzeile "Juden werden ausgerottet" lesen, viele Menschen wussten mehr und vor allem eher Bescheid als bisher angenommen."

Trotz seiner langjährigen Auseinandersetzung mit der Thematik sei der Holocaust auch für ihn als Experten nach wie vor unfassbar. "Keine der zahlreichen Thesen konnte bisher dieses Grauen erklären und sagen, jetzt wissen wir genau, wie und warum es passiert ist", sagte der 74-Jährige. In seinem Buch "Die Jahre der Vernichtung", für das er den Leipziger Buchmessepreis in der Kategorie Sachbuch bekommen hat, spürt er der Ausrottung der Juden vor allem in persönlichen Dokumenten nach. Ohne die Tagebücher junger Mädchen oder die Briefe deportierter Juden könne dieser Teil der deutschen Geschichte nicht erzählt werden.

(apa/red)

24.3.2007 08:33