Sonntag, 25. März 2007

200 Jahre Verbot des Sklavenhandels: Kein Jubel - Menschenhandel blüht nach wie vor

  • Trotz Verbot in Menschenrechtsdeklaration von 1948
  • UNO gedenken dem dunklen Kapitel der Menschheit

Die Vereinten Nationen gedenken eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Menschheit. Heute jährt sich das Verbot des transatlantischen Sklavenhandels zum 200. Mal. Im März 1807 entsagte Großbritannien per Gesetz dem Sklavenhandel. Die USA folgten im gleichen Monat mit einer Verordnung, die allerdings erst 1808 in Kraft trat. Dänemark hatte die Sklavenhaltung offiziell schon 1792 abgeschafft, griff aber erst Jahre später tatsächlich durch. Spanien verbot die Sklaverei 1811, Schweden und die Niederlande schlossen sich an. In Frankreich erhielten Sklaven 1848 per Dekret ihre Freiheit zurück.

Ein Grund zum Feiern also? Eher nicht, bedauert UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon. Das Thema Menschenhandel sei bis heute nicht bewältigt. Noch immer würden etliche Millionen Erdenbürger - wie einst die Sklaven - ihrer Menschenrechte beraubt, klagte Ban bei der Eröffnung der Ausstellung "Triumph über die Sklaverei" am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York. Als Beispiele führt er das Schicksal von Kindersoldaten und von Erwachsenen an, die wegen Schulden auch im 21. Jahrhundert noch wie Leibeigene gehalten werden.

"Die Opfer sind meist zu verängstigt, um aufzubegehren", sagt der UNO-Generalsekretär. "Trotz aller Errungenschaften in unserem Kampf für die Menschenrechte bleibt noch viel zu tun für uns." Kein Wunder also, dass sich die Weltorganisation zum 200. Geburtstag des britischen Gesetzes gegen den transatlantischen Sklavenhandel an diesem Wochenende bedeckt hält.

Moderne Formen der Sklaverei wie Kinderarbeit ohne Lohn, Schuldknechtschaft und Sexhandel mit Frauen sind zwar 1956 per Konvention unter Strafe gestellt worden, florierten aber nichtsdestotrotz in weiten Teilen der Welt, heißt es in New York. Die Betroffenen, Kinder und Jugendliche, Frauen und Schuldner, sind dem Willen ihres "Besitzers" unterworfen, wie einst die Schwarzen auf den Zuckerrohrplantagen in der Karibik und den Baumwollfeldern im Mississippi-Delta.

Bis ins Altertum reicht die Praxis der Sklaverei zurück. Selbst berühmte griechische Philosophen sahen in dem Handel mit Menschen nichts Verwerfliches. Bei den Römern durfte der Sklavenhalter über Leben und Tod des erworbenen Menschen entscheiden. 1444 wurden in Lagos (im heutigen Nigeria) erstmals Schwarze öffentlich zum Verkauf angeboten. Portugal etablierte 1482 einen Umschlagplatz für Sklaven an der Goldküste, dem heutigen Ghana. 1510 trafen die ersten Schwarzen in den spanischen Kolonien von Südamerika ein. Acht Jahre später legte das erste Sklavenschiff in Nordamerika an.

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete die "Universal Declaration of Human Rights" 1948 als eine der ersten Amtshandlungen. Darin heißt es: "Kein Mensch darf als Sklave oder Leibeigener gehalten werden; Sklaverei und der Sklavenhandel sind in jedweder Form verboten." (apa/red)

25.3.2007 11:54