Geisel mit Taliban ausgetauscht: Deutliche Kritik an Italiens "Handel" mit den Taliban
- Scharfe Töne kommen vor allem aus den USA
- Auch innerhalb Italiens wächst Druck auf Regierung

·Rom: Freigelassener Italiener heimgekehrt
Ehemalige Taliban-Geisel Mastrogiacomo ist gesund
Die Freilassung des in Afghanistan entführten Italieners Daniele Mastrogiacomo im Austausch gegen fünf Taliban-Kämpfer hat international deutliche Kritik ausgelöst. Besonders scharfe Töne kamen aus Washington. Angesichts der "erhöhten Bedrohung" aller Ausländer in Afghanistan erwarte die US-Regierung von Rom, dass "in der Zukunft keine Konzessionen mehr gemacht werden", hieß es in einer Stellungnahme des US-Außenministeriums.
Außenministerin Condoleezza Rice telefonierte den Angaben zufolge am selben Tag mit ihrem italienischen Amtskollegen Massimo D'Alema in dieser Angelegenheit. D'Alema bestritt nach dem Telefonat allerdings Spannungen mit den USA wegen der Freilassung des Journalisten.
"Wir verhandeln nicht mit Terroristen, und wir raten auch anderen nicht dazu, so etwas zu tun", betonte US-Außenamtssprecher Sean McCormack. Es sei zu befürchten, dass "gefährliche Personen" aus der Haft entlassen würden und dass Geschäfte mit Geiselnehmern zu Nachfolgetaten ermutigten.
Auch London und die Niederlande kritisierten die Regierung in Rom. Der niederländische Außenminister Maxime Verhagen sagte bereits am Vortag: "Wenn man eine Situation schafft, in der sich die Freilassung von Taliban-Gefangenen durch die Verschleppung von Journalisten bewerkstelligen lässt, dann wird es bald keine Journalisten mehr geben."
Auch innerhalb Italiens gab es Druck auf die Regierung von Ministerpräsident Romano Prodi. Der Oppositionsführer Silvio Berlusconi warnte, dass sich die Regierung durch derartige Handlungen ihren Alliierten gegenüber als "unzuverlässig" erweise und dem Ansehen des Landes schade. "Die Art und Weise, durch die es zur Freilassung kam, beleidigt die Institutionen, denn hier wurde mit Terroristen verhandelt", erklärte ein anderer Oppositionspolitiker.
Italien sei am Rande einer diplomatischen Krise, schrieb die Zeitung "La Repubblica". "Dies ist ein unvorhergesehener Preis, den die Regierung jetzt dafür bezahlen muss, dass sie das Leben von Daniele Mastrogiacomo gerettet hat", hieß es.
Der Reporter der römischen Zeitung "La Repubblica" war am Montag nach rund zwei Wochen Geiselhaft freigelassen worden. Er beschrieb die Zeit in den Händen der Taliban als Martyrium. "Ich war immer an Händen und Füßen gefesselt, während man mich kreuz und quer durch die südliche Provinz Helmand schleppte." Die 15 Tage hätten ihn gezeichnet, als wären es 15 Jahre gewesen, erklärte Mastrogiacomo nach seiner Heimkehr nach Italien. Sein Fahrer war wenige Tage nach dem Kidnapping vor Mastrogiacomos Augen ermordet worden.
(apa)
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