Donnerstag, 22. März 2007

Prozess zu Mohammed-Karikaturen zu
Ende: Zeitungsmacher wurde freigesprochen

  • Paris: Islamrat und Moschee klagten "Charlie Hebdo"
  • Val verwies auf "Freiheit, über alles zu lachen"

In Frankreich ist der Prozess um den umstrittenen Abdruck von Karikaturen des Religionsstifters Mohammed mit einem Freispruch zu Ende gegangen. Der Chefredakteur des Satire-Magazins "Charlie Hebdo", Philippe Val, wurde durch die 17. Pariser Strafkammer vom Vorwurf der "öffentlichen Beleidigung einer Personengruppe wegen ihrer Religion" entlastet. Die Zeitung hatte im Februar 2006 die zwölf zuerst in der dänischen Zeitung "Jyllands Posten" erschienenen Zeichnungen veröffentlicht und weitere Karikaturen hinzugefügt. Dagegen hatten der Verband islamischer Organisationen in Frankreich (UOIF) und die Große Moschee von Paris geklagt.

Val drohten nach französischen Strafgesetzbuch bis zu sechs Monate Haft und 22.500 Euro Geldstrafe. Die Staatsanwaltschaft hatte einen Freispruch verlangt, nachdem sich in dem Verfahren parteiübergreifend zahlreiche prominente Politiker für die Meinungs- und Pressefreiheit stark gemacht hatten, darunter Innenminister Nicolas Sakrozy. Ein ähnlicher Prozess in Dänemark war im Oktober gleichfalls mit Freisprüchen für die Verantwortlichen von "Jyllands Posten" ausgegangen.

Val rechtfertigte die Entscheidung, die dänischen Karikaturen abzudrucken, mit dem Willen, "die Religion als Ideologie zu kritisieren." Er habe zeigen wollen, dass man dies in Frankreich tun könne, und berief sich auf die "Freiheit, über alles zu lachen". Der Prozess sorgt in Frankreich, wo schätzungsweise fünf Millionen Muslime leben, für großes Aufsehen. Die internationale Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit "Reporter ohne Grenzen" (RSF) stellte sich "bedingungslos" hinter das Magazin.
(apa/red)

22.3.2007 14:11