Montag, 19. März 2007

"Noch können wir im Irak gewinnen!": Bush ruft US-Bevölkerung zum Durchhalten auf

  • Vier Jahre nach Einmarsch überwiegt Pessimismus
  • 20 Tote bei erneuten Terroranschlägen in Irak

Angesichts des wachsenden Widerstands gegen seine Irak-Politik hat US-Präsident George W. Bush die US-Bürger zur Geduld aufgerufen. "Wenn man sich die Herausforderungen im Irak anschaut, mag es verlockend sein zu denken, dass wir am besten unsere Sachen zusammenpacken und nach Hause gehen", sagte Bush im Weißen Haus in Washington in einer kurzen Ansprache zum vierten Jahrestag des US-geführten Einmarsches im Irak. "Das mag kurzfristig überzeugend sein, langfristig wären die Folgen für die amerikanische Sicherheit aber verheerend." Während sich Bush vom langfristigen Erfolg seiner Strategie überzeugt zeigte, macht sich innerhalb der irakischen Bevölkerung laut einer Befragung zunehmend Resignation breit.

Die neue Sicherheitsstrategie für Bagdad werde "Monate, nicht Tage oder Wochen" dauern, bis sie Wirkung zeige, sagte der US-Präsident in seiner vom Fernsehen übertragenen achtminütigen Erklärung nach einer Videokonferenz mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Sie sei erst in der Anfangsphase. Müssten die US-Soldaten jetzt gehen, würde die Gewalt das gesamte Land und schließlich auch die Region erfassen und der Irak zum "sicheren Hafen" für Terroristen werden.

Am Vorabend des vierten Jahrestags des Irak-Kriegs wies Bush erneut auf bereits erreichte Fortschritte hin: Ein Diktator (Saddam Hussein) sei gestürzt und für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen (hingerichtet) worden, zwölf Millionen Iraker hätten frei wählen können, ihre Führer arbeiteten nun am Aufbau einer demokratischen Gesellschaft. Ohne wie früher ausdrücklich von einem "Sieg" zu sprechen, betonte Bush, noch könne der Kampf im Irak gewonnen werden.

In Kontrast zu Bushs Ausführungen stehen die Ergebnisse einer Umfrage unter 2.000 Irakern, die das Meinungsforschungsinstitut D 3 Systems im Auftrag von WDR/ARD, ABC News, BBC und der Zeitung "USA Today" vorgenommen hat. In einer von Gewalt und einem fast vollständigen Zusammenbruch der zivilen Infrastruktur geprägten Gegenwart glauben nur noch 42 Prozent der Befragten, dass es ihre Kinder einmal besser haben werden. Kurzfristig rechnet sogar nur etwas mehr als ein Drittel der Iraker damit, dass sich ihre Situation deutlich oder teilweise verbessert. 86 Prozent gaben an, sich Sorgen zu machen, dass ein Angehöriger Opfer von Gewalt werden könnte. 78 Prozent lehnen inzwischen die Präsenz ausländischer Truppen ab. Bei früheren Umfragen in den Jahren 2004 und 2005 hatten noch rund 80 Prozent der Befragten mit Optimismus in die Zukunft geblickt.

Auch innerhalb der US-Bevölkerung schrumpft die Zustimmung zu Bushs Irak-Strategie weiter. Laut einer am Montag veröffentlichten CNN-Umfrage befürworten nur noch 32 Prozent der US-Bürger den Krieg; kurz nach seinem Beginn am 20. März 2003 waren es noch 72 Prozent. In mehreren US-Städten hatten am Wochenende Zehntausende Menschen gegen den Krieg im Irak demonstriert. Die oppositionellen Demokraten wollen nun ihren Druck für einen raschen Truppenabzug weiter erhöhen. Mitte der Woche berät das Repräsentantenhaus über weitere Gelder für die Kriege in Irak und Afghanistan; vergangene Woche hatten die Demokraten deren Bewilligung mit der Forderung verknüpft, dass die US-Kampfeinheiten den Irak spätestens zum September 2008 verlassen müssen.

Im Irak hielt die Gewalt unterdessen weiter an: Bei Bombenanschlägen kamen etwa 20 Menschen um Leben. In der nordirakischen Öl-Metropole Kirkuk wurden Polizeiangaben zufolge mindestens zwölf Menschen getötet und 39 weitere verletzt. In der von Schiiten, Sunniten, Kurden und Turkmenen bewohnten Stadt ist es in jüngster Vergangenheit zu einem merklichen Anstieg der Gewalt gekommen. In der Hauptstadt Bagdad wurden nach Polizeiangaben bei einer Bombenexplosion in der Nähe einer Moschee mindestens acht Menschen getötet und rund drei Dutzend verletzt.

(apa/red)

19.3.2007 20:39