Donnerstag, 22. März 2007

Vorarlberger wollte sich in Luft sprengen: Protestierte so gegen geplante Delogierung

  • Hausverwalter konnte Waffennarr Bombe entreißen
  • Abschiedsbrief: Der 40-Jährige wollte Suizid begehen

Ein 40-jähriger Vorarlberger hat bei der Delogierung aus seiner Wohnung damit gedroht, sich in die Luft zu sprengen. Der als "Waffennarr" amtsbekannte Mann zog bei der Amtshandlung einen scharfen Sprengsatz aus einem Rucksack und versuchte, die Zündschnur in Brand zu stecken. Einem Hausverwalter gelang es, dem 40-Jährigen die Bombe aus der Hand zu reißen.

Der Mann aus Lochau am Bodensee sollte seine Wohnung räumen, da er für seine Umgebung als Sicherheitsrisiko gilt und mit den Mietzahlungen im Rückstand war. Er ließ den Gerichtsvollzieher und zwei Hausverwaltungsangestellte der Vorarlberger gemeinnützigen Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft (Vogewosi) anstandslos die Wohnung betreten, ehe er die selbst gebastelte Bombe aus dem Rucksack zog.

Untersuchungen von Sprengstoffexperten des Landespolizeikommandos zeigten, dass der Sprengsatz tatsächlich echt und sehr gefährlich war. Wie sich herausstellte, bewahrte der Mann in dem Rucksack drei weitere Bomben auf, berichtete ORF Radio Vorarlberg unter Bezugnahme auf die Polizei.

Waffennarr war schon länger amtsbekannt
Der 40-Jährige ist in der Vergangenheit bereits öfter wegen seiner Leidenschaft zu allem Explosiven aufgefallen. Erst im Jänner erlitt er Verletzungen im Bauchraum, nachdem er in der Wohnung mit einem Luftdruckgewehr auf eine scharfe Patrone geschossen hatte. Im Jahr 2000 hatte er versucht, in seiner Küche in der Kaffeemühle Schwarzpulver zu mahlen, um Feuerwerkskörper für Silvester herzustellen. Dabei war das Schwarzpulver in die Luft gegangen, und der Mann hatte schwere Verletzungen erlitten. Gegen den 40-Jährigen besteht ein behördlich auferlegtes Waffenverbot, an das er sich aber nicht hielt.

40-jähriger wollte Selbstmord begehen
Der 40-jährige Vorarlberger wollte offenbar Suizid begehen. Sprengstoff-Experte Peter Freudlsperger von der Vorarlberger Exekutive erklärte auf APA-Anfrage, dass es einen Abschiedsbrief gebe. Die vier sicher gestellten Sprengsätze hat der 40-Jährige aus legal gekauften Feuerwerkskörpern hergestellt.

Der Mann habe die Knallsätze aus den pyrotechnischen Gegenständen entfernt und in verschiedene Behältnisse gefüllt. Dazu verwendete er eine Haarspraydose, zwei Plastikdosen und ein Glas. Zu zünden versucht hatte "Bomben-Mike", wie der Mann in Lochau genannt wird, die umfunktionierte Haarspraydose. Welches Gemisch der Mann genau eingefüllt habe, müsse erste eine chemische Untersuchung zeigen, so Freudlsperger.

Für den 40-Jährigen habe jedenfalls Lebensgefahr bestanden, sagte Freudlsperger. Auf Grund der Länge der Zündschnur hätte es 40 Sekunden gedauert, bis der Sprengsatz explodiert wäre. Gegen den Mann wurde Untersuchungshaft verhängt, er wurde in die Justizanstalt Feldkirch eingeliefert. (apa/red)

22.3.2007 11:27