Donnerstag, 4. September 2008

NEWS: Kriminal-Akte Polizei - neue Zeugen und Dokumente belasten Spitzen-Polizisten!

  • Exekutive versinkt immer tiefer im Rotlicht-Sumpf
  • Rotlicht-Capo: "Ich bin der Mafiaboss, du Polizeiboss"

Kriminal-Akte Polizei: Neue Zeugen und Dokumente belasten Wiens Polizeispitze. Auch Polizeipräsident Peter Stiedl gerät jetzt unter Druck. NEWS beschreibt die Vorgänge in der Wiener Unterwelt.

Begonnen hatte die heiße Phase im Kampf um Vorherrschaft, Schutzgelder und den Verdacht der Involvierung mancher Topkriminalisten Anfang dieses Monats. Da wurden Dragan J., alias "Repic" – (serbisch: der Zopf; Anm. d. Red.) und seine beiden Komplizen Emir D. und Pedrag J. vom Kriminalkommissariat West unter der Leitung von Oberstleutnant Georg Rabensteiner festgenommen.

Der Vorwurf: Das Schlägertrio hätte mit grenzenloser Brutalität von Lokalbesitzern Schutzgeld eingetrieben. Das heißt laut den Aussagen, die teilweise aktenkundig sind: Opfer wären bewusstlos geschlagen worden, das Blut hätte bis an die Wände des Lokals gespritzt, der Pistolenlauf wäre einem jungen Mann in den Mund geschoben worden. Einem anderen wiederum soll mit dem Knauf ein Loch in die Schädeldecke geschlagen worden sein – so groß, dass bis heute ein Teil des Schädelknochens nicht nachwachsen konnte und das Gehirn dort nur noch durch einen Hautlappen geschützt wird.

Opfer hatten Angst
Anzeigen trauten sich die Opfer ihre Peiniger lange nicht. Der Grund war nicht nur die Brutalität der Angriffe, sondern: "Repic" soll immer betont haben, dass er einen Polizisten hinter sich habe, der ihn schütze. So sehr schütze, dass jede Anzeige sinnlos wäre.

Das brisante Video
NEWS-Recherchen im Milieu brachten dann zutage, was noch vor wenigen Wochen undenkbar schien: einen Augenzeugen, Günther (Name geändert), der ein Telefonat gehört haben will, in dem Rotlicht-Boss Richard Steiner zu Kripo-Chefermittler Roland Frühwirth gesagt haben soll: "Ich bin der Mafiaboss und du der Polizeiboss." Nach Roland Frühwirths vorübergehender Suspendierung will Günther nun wissen, dass Richard Steiner guten Wind für den Toppolizisten gemacht hätte: "Er hat gemeint, man soll den Frühwirth bitte raushalten, er hat uns immer geholfen, wir wollen ihm auch nichts Schlechtes."

Nur ein "Freundschaftsdienst" unter Capos auf beiden Seiten des Gesetzes – oder doch mehr? Im lokalen Mittelpunkt steht jedenfalls eine einschlägige Örtlichkeit: das "Pour Platin" am Wiener Gürtel. Und es stand auch auf der ominösen polizeiinternen Sperrliste. Geschützt vor unkoordinierten Zugriffen der Exekutive. Welcher Beamte war dafür namentlich verantwortlich? Exakt: Roland Frühwirth. Wieder schließt sich der Kreis zwischen Blaulicht und Rotlicht.

Und Richard Steiner gilt auch als Gründer des "Nokia- Clubs", eines Schutzgeldrings, der seinen Mitgliedern nicht nur Protektion bei Schlägereien und Konkurrenzkämpfen geboten haben soll und vielleicht auch noch bietet, sondern: Wer in diesem Club war, soll rechtzeitig Bescheid gewusst haben, wann eine Razzia durchgeführt worden sein sollte. Kommuniziert wurde und wird via Wertkartenhandy, versteht sich…

Polizei im Puff
Ein weiterer Insider aufseiten der Rotlicht-Fraktion ist ein Herr mit dem Rufnamen "Versace". Er war bis Herbst vergangenen Jahres Mitglied im "Nokia-Club" – in der "Familie", wie er es selber nennt. Er ist Aufpasser am Wiener Straßenstrich und hatte in der Zeit seiner Clubmitgliedschaft so gut wie keine Polizeikontrollen. Und auch er kennt den Polizisten Franz Pripfl. Nicht von Amtshandlungen, sondern aus dem "Pour Platin", berichtet der 37-Jährige. Geht es nach seinen Aussagen gegenüber NEWS, dann war das Gürteletablissement nicht die einzige Lokalität, die der Chefinspektor aufgesucht haben soll. "Versace" behauptet auch, den leitenden Beamten in einem weiteren Etablissement beobachtet zu haben: im "No Name" – das mittlerweile geschlossen ist und damals "Repic" gehörte. "Versace": "Der Pripfl ist dort mit Kollegen gesessen, hat Alkohol getrunken und ist mit Mädchen herumgehangen." Zur Erinnerung: "Repic" soll bei seinen Schutzgeldeintreibungen immer betont haben, dass ein Polizist hinter ihm stehen würde.

4.9.2008 15:47