Donnerstag, 22. März 2007

Skivergnügen immer noch getrübt:
Weiter "erhebliche" Lawinengefahr in Tirol

  • Kärnten hat wieder Strom: Millionenschaden am Netz
  • BILDER: Winter-Chaos legt ganz Österreich lahm

Die Experten des Tiroler Lawinenwarndienstes haben einen nur langsamen Rückgang der Lawinengefahr prognostiziert. In den Tourengebieten bestand "erhebliche" Gefahr, die Stufe "3" auf der fünfteiligen Gefahrenskala.

Gefahrenstellen befanden sich an steilen Hängen aller Expositionen, hauptsächlich oberhalb von etwa 2.000 Metern. Vor allem in kammnahen Geländebereichen reiche dabei schon die geringe Zusatzbelastung durch einen einzelnen Skifahrer oder Snowboarder aus, um eine Schneebrettlawine auszulösen. Skitouren und Variantenfahrten erforderten daher Erfahrung in der Beurteilung der Lawinensituation. Bei stärkerer Sonneneinstrahlung steige die Lawinengefahr kurzfristig etwas an, es sei dann auch mit vereinzelten Selbstauslösungen zu rechnen.

In den vergangenen 24 Stunden gab es vor allem im Raum Arlberg/Außerfern, den Nordalpen sowie in der Silvretta mit bis zu 20 Zentimeter Neuschneezuwachs, in den übrigen Regionen war es deutlich weniger. Die überwiegend mäßigen Winde aus nördlichen Richtungen sorgten vor allem in hochalpinen Kammlagen für neue, eher kleinräumige Triebschneeumlagerungen. Es sei aber an allen Messstellen schon eine deutliche Setzung des Neuschnees zu beobachten gewesen. Die zum Teil sehr ergiebigen Neuschnee- und Triebschneemengen dieser Woche überdeckten sonnseitig häufig eine Schmelzharschkruste. Schattseitig sei die Oberfläche der Altschneedecke oft locker, teilweise aber auch vom Wind hartgepresst. Vor allem in höher gelegenen inneralpinen Lagen ist das Fundament der Schneedecke verbreitet schwach und störanfällig.

Stromversorgung in Kärnten wieder hergestellt
Die Stromversorgung in Kärnten ist nach den massiven Ausfällen durch den Wintereinbruch so gut wie flächendeckend wieder hergestellt worden. Nach Angaben des Landesenergieversorgers Kelag waren in der Früh nur noch 80 Haushalte ohne Energieversorgung.

Bei den Anschlüssen handelt es sich hauptsächlich um abgelegene Häuser im Raum Griffen, Bleiburg und Bad Eisenkappel. Die übrigen Stromkunden konnten am Mittwoch bis in die späten Nachtstunden wieder ans Netz angeschlossen werden, insgesamt waren seit den Schneefällen mehr als 40.000 Haushalte von den Stromausfällen betroffen gewesen.

Die restlichen noch stromlosen Haushalte sollten im Lauf des Tages damit rechnen dürfen, dass sie wieder elektrische Energie bekommen, hieß es bei der Kelag. Der Schaden am Stromnetz wird mit mindestens einer Million Euro beziffert.

Große Lawinengefahr in der Steiermark
Die Fachleute der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Graz haben vor einer großen Lawinengefahr für die kommenden Tage gewarnt: In Teilen der Steiermark könnten noch bis zu 100 Zentimeter Neuschnee auf eine "störanfällige Altschneedecke" hinzukommen, so Arnold Studeregger von der ZAMG.

"Wir rechnen für das Wochenende in vielen Regionen Niederösterreichs und in der Steiermark mit großer Lawinengefahr, also Stufe vier auf der fünfteiligen Skala", so der Experte. Die einzelnen Schneeschichten hätten untereinander eine schlechte Verbindung, weshalb in den meisten Steilhängen schon geringe Zusatzbelastungen wie etwa durch Skitourengeher, ausreichen würden, um ein Schneebrett auszulösen. Der meiste Neuschnee könne auf der Koralpe mit bis zu 100 Zentimeter fallen. Im Rax-Schneeberg-Gebiet seien 60 bis 80 Zentimeter Neuschnee möglich, vom Dachstein bis zum Hochschwab sei noch mit 30 bis 50 Zentimeter zu rechnen.

In der Steiermark gab es in der Wintersaison 2006/2007 bereits neun dokumentierte Lawinenabgänge, von denen Menschen betroffen waren. Dabei wurde am 24. Februar am 2.225 Meter hohen Kerschkern ein Skitourengeher, am 24. Jänner ein Alpinist im Hochschwabgebiet und am 20. März ebenfalls ein Wiener Skitourengeher im Karlgraben im Raxgebiet getötet. In Niederösterreich kam es in dieser Wintersaison noch zu keinem dokumentierten Lawinenabgang mit Personenbeteiligung, so die ZAMG.

(apa/red)

22.3.2007 13:06