Montag, 19. März 2007

Prozess-Auftakt zum Böhler-Unglück: Fünf Arbeiter starben im April 2005 bei Explosion

  • Chef und Mitarbeiter der Wartungsfirma angeklagt

Im Straflandesgericht Leoben begann ein Prozess, der sich mit der verheerenden Explosion im Böhler Werk in Kapfenberg im April 2005 beschäftigt. Damals waren fünf Arbeiter ums Leben gekommen, weil die Trocknung einer Umleerpfanne nach einer Reparatur nicht ordentlich durchgeführt worden war. Angeklagt waren der Geschäftsführer und ein Mitarbeiter der Wartungsfirma.

Zum Unglück war es während des Abstichs (Entleeren des Ofens, Anm.) gekommen. Weil in der Umleerpfanne Restfeuchtigkeit war, kam es in Verbindung mit dem heißen Stahl zur explosionsartigen Verpuffung. Dadurch wurde die auf dem Stahl schwimmende Schlacke rund 20 Meter weit weg geschleudert und tötete fünf Arbeiter.

Bei der Verhandlung drehte sich alles um die Frage, wer nun tatsächlich für die Trocknungs- und Aufheizarbeiten an der reparierten Pfanne zuständig war. Sowohl das Böhler-Werk als auch die Wartungsfirma schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu. Der Geschäftsführer der Wartungsfirma und sein Angestellter fühlten sich beide nicht schuldig. "Mit der Überwachung der Aufheizung haben wir nichts zu tun, wir schulen nur die Leute ein und haben das Computerprogramm dazu gemacht."

Bei den Reparaturen war Material in der Umleerpfanne angebracht worden. Die anschließenden Trocknungsarbeiten waren durchgeführt worden, allerdings mit einem kürzeren Computerprogramm als es die Wartungsfirma mitgeliefert hatte. Außerdem soll während dieses Vorgangs das Aufheizfeuer ausgegangen sein. Da die Firma Böhler damals noch kein Gerät zum ständigen Überprüfens des Feuers besaß, war nicht klar, wie lange es gebrannt hatte. Aus diesem Grund übergaben die Arbeiter eine kalte Pfanne an Stelle einer aufgeheizten. Als dann die heiße Schlacke in die Pfanne traf, wurde sie sofort explosionsartig herausgeschleudert.

In den nächsten zwei Tagen wird es vor allem darum gehen, wer nun tatsächlich für die Trocknung und Aufheizung zuständig war. Zwölf Zeugen und drei Gutachter sollen Licht in die Sache bringen.

(apa/red)

19.3.2007 15:32