Freitag, 16. März 2007

75 Prozent der Pendler fährt mit dem Auto: Pendlerzahl in letzten Jahren stark gestiegen

  • Gründe: Zersiedelung & Rückgang der Nahversorgung
  • 581 Millionen Euro Pendlerpauschale geltend gemacht

In Österreich arbeiten bereits 1,9 Millionen Menschen an einem anderen Ort als sie wohnen. Das sind um 455.000 oder 31 Prozent mehr als vor 15 Jahren. Von diesen Pendlern fahren 75 Prozent mit dem Auto zur Arbeit. Insgesamt werden im Autopendlerverkehr täglich rund 55 Millionen Kilometer zurückgelegt. Dies verursachte 2006 einen CO2-Ausstoß von 2,7 Millionen Tonnen, was nahezu einer Verdopplung gegenüber dem Jahr 1991 entspricht, rechnete der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) vor.

Ein Trend, der nicht nur die Umwelt teuer zu stehen kommt. 581 Mio. Euro wurden alleine für das Jahr 2006 an Pendlerpauschalen geltend gemacht. Wobei die untersten Einkommensschichten ohnehin keine Pauschale bekommen, da diese über die Lohnsteuer abgerechnet wird und Personen mit einem sehr geringe Einkommen praktisch keine Lohnsteuer zahlen. Wie der VCÖ in der Vergangenheit vorrechnete, haben 2005 hingegen rund 85.000 Personen mit einem Jahreseinkommen von jeweils mehr als 50.000 Euro in Summe 73 Mio. Euro Pendlerpauschale geltend gemacht.

Gründe für steigende Pendler-Anzahl
Gründe für den nahezu explosionsartigen Anstieg des Pendlerverkehrs sind laut VCÖ die Zersiedlung und der Rückgang der Nahversorgung. "Die Hälfte der neuen Einfamilienhäuser sind in den letzten Jahren in dünn besiedelten Gebieten erreichtet worden. Dazu kommt, dass sich die Zahl der Einkaufscenter-Flächen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hat. 51 Prozent davon befinden sich auf der 'Grünen Wiese', während es in Deutschland nur 17 Prozent sind", erklärte VCÖ-Geschäftsführer Willi Nowak. Der Trend gehe klar Richtung Einkaufszentren. "Zwischen 2001 und 2005 ist die Zahl der kleinen Lebensmittelgeschäfte um 29 Prozent zurückgegangen, gleichzeitig stieg die Zahl der Großmärkte um 13 Prozent", so Nowak.

Stichwort Pendeln - Vergleich der Verkehrsträger
Ein Pkw kostet den Besitzer 5.500 Euro im Jahr - eine ÖsterreichCard der ÖBB hingegen 1.690 Euro, geht aus Zahlen des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) hervor. Ein Kilometer Autobahn (Bau und Betrieb) kostet der Allgemeinheit 7,5 Mio. Euro, die gleiche Länge eingleisige Bahn 2 Mio. Euro. Ein richtiges Schnäppchen dagegen ist ein Kilometer Radweg: Den gibt es bereits um 125.000 Euro. (APA/red)

16.3.2007 14:32