Montag, 7. Mai 2007

Österreich erstickt unter Transit-Lawine:
Lkw-Verkehr nimmt drastisch um 37 % zu

  • Schwerverkehr rollt verstärkt aus neuen EU-Staaten
  • "Brummis" verpesten Luft: CO2-Ausstoß verdreifacht

Der Lkw-Verkehr aus Osteuropa rollt immer stärker nach Österreich. Seit Jahresbeginn hat der gesamte Schwerverkehr im Großraum Wien um 37 Prozent zugelegt, wobei 64 Prozent des Wachstums auf die osteuropäischen Länder zurückzuführen ist. Deutlich mehr Brummis rollen auch über den Westkorridor (A1, A7, A8, A25, S33), der ein Plus von 24 Prozent aufweist. Österreichweit wurde ein Plus an Lkw-Kilometern von 18 Prozent registriert.

Spitzenreiter ist Ungarn mit einem Anstieg von 28 Prozent, gefolgt von Rumänien (21 Prozent), Slowakei (7 Prozent) sowie Tschechien, Bulgarien und Polen (jeweils 3 Prozent). Aber auch innerhalb Österreichs hat es einen Zuwachs von 22 Prozent gegeben. Dafür legten die Deutschen lediglich um drei Prozent zu.

Laut Autobahnfinanzierungsgesellschaft Asfinag ist der Verkehr aus Rumänien und Ungarn auf hohem Niveau nochmals angewachsen, während es 2006 - vor dem EU-Beitritt - aus Bulgarien kaum Verkehr nach Österreich gab. Mittlerweile legten Lkw unter bulgarischer Flagge im Jänner und Februar 548.000 Kilometer zurück. Zum Vergleich: Aus Rumänien waren es 3,7 Mio. Kilometer, aus Ungarn 4,9 Mio. Kilometer. In Summe rollten die Ost-Lkw 11,5 Mio. Kilometer über die Autobahnen und Schnellstraßen im Großraum Wiens. Lkw aus Österreich kamen auf 4,6 Mio. Kilometer.

Mehr österreichische Frachter unter Ost-Flagge
Wobei der Verkehr aus Osteuropa auch zu einem bedeutenden Anteil von Österreichern erzeugt wurde. Bisher haben laut Güterbeförderer von den 8.000 konzessionierten Lkw-Betreibern aus der Alpenrepublik rund 1.000 ihr Heil im Ausland gesucht. Und auch der Lkw mit Österreich-Kennzeichen ist nicht ganz "österreichisch". Laut Arbeiterkammer sitzt in jedem dritten österreichischen Lastwagen ein ausländischer - in der Regel osteuropäischer - Fahrer.

Deutliches Plus auch im Westen und Süden
Auch im Westen und Süden gibt es keinen Grund zum Durchatmen. Hier wurde zu Jahresbeginn ein Plus von 9 bis 24 Prozent verzeichnet. Auffallend ist, dass gerade im Korridor West, der auch die meisten Zuwächse aufweist, insbesondere der Verkehr mit vierachsigen Lkw zugenommen hat. Ein Umstand, der auch im Donauraum beobachtbar ist. Die Asfinag vermutet, dass es sich hierbei besonders um Bau-Lkw handelte. Österreichweit hat der Anteil der Vierachser um 21 Prozent zugelegt, bei den Dreiachsern waren es 11 und bei den Zweiachsern 6 Prozent.

Asfinag beschwichtigt: Lkw-Maut wird Lage bessern
Die staatliche Asfinag versucht indes zu beschwichtigen. Bis zur Jahresmitte werde sich der Zuwachs auf die üblichen acht Prozent einpendeln. Denn die Frächter würden dort fahren, wo es am billigsten ist, und in Österreich soll zur Jahresmitte die Lkw-Maut von durchschnittlich 22 auf 26 Cent je Kilometer angehoben werden. So zumindest der Plan der Regierung. Allerdings muss dem noch die EU zustimmen, und das gilt als fraglich. Das EU-Ja ist deswegen erforderlich, weil sich die Union - auch mit dem Stimmen der österreichischen Vorgängerregierung - auf eine gemeinsame Wegekostenrichtlinie geeinigt hat, und hier wurden Maut-Höchstgrenzen festgelegt.

Lkw-Ausstoß seit 1990 verdreifacht
Der Lkw-Verkehr hat 2005 einen CO2-Ausstoß von über 10 Mio. Tonnen verursacht - das ist mehr als drei Mal so viel wie 1990, rechnete der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) vor. Er beruft sich dabei auf Daten des Umweltbundesamtes. Demnach sind die Lastwagen mittlerweile für elf Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Österreich verantwortlich.

"Um eine Wirkung für den Klimaschutz zu erzielen, braucht es eine Erhöhung um mindestens sechs Cent pro Liter. Und selbst dann zahlen die Frächter weniger Mineralölsteuer als zwei Millionen Autofahrer, die Benzin tanken", so die Interessensvereinigung in einer Aussendung.

(apa/red)

7.5.2007 15:28