Donnerstag, 15. März 2007

Warnung vor zu leichtem Essen: Zu wenig
Fett ist genauso schädlich wie zuviel Fett!

  • Sogar Hormonhaushalt kann durcheinander geraten
  • Immunabwehr geschwächt, gutes Cholesterin sinkt

Zuviel Fett macht fett. Das ist jedem klar, der auf seine Figur achtet. Doch jene Menschen, die fanatisch den Geschmacksträger einsparen, um schlank zu werden oder zu bleiben, sollten aufpassen. Wenn der Körper zu wenig Fett bekommt, ist es genauso schädlich, wie wenn zu viel davon konsumiert wird. Die Immunabwehr wird geschwächt, der Hormonhaushalt durcheinander gebracht und das gute HDL-Cholesterin gesenkt. Zudem nimmt der Körper zu wenig Vitamine auf.

Darum ist Vorsicht geboten, sagt Ernährungsexpertin Ingrid Kiefer: "Die Aufnahme von 40 Gramm Fett pro Tag ist durchaus normal." Es ist für den Körper lebenswichtig, um die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K aufzunehmen. Besonders das Vitamin D schützt die Menschen vor Infektionen und Krebserkrankungen. Wer regelmäßig zu wenig Fett zu sich nimmt, bringt seinen Hormonhaushalt durcheinander und schwächt die Immunabwehr. Was hinzu kommt: Der Spiegel des guten HDL-Cholesterins wird gesenkt. "Und das wollen wir ja nicht", so Kiefer. Unter die 30 Gramm pro Tag sollte man nach Möglichkeit nur in Ausnahmefällen gelangen. Zum Vergleich: In den Industrieländern werden pro Tag 100 bis 160 Gramm Fett verzehrt, was eindeutig zu viel ist.

Auch extrem fettfreie Diäten würden nicht zum Erfolg führen. Wenn die Kalorienzufuhr nicht gesenkt wird, hilft eine Fettreduktion auch nichts, meint Kiefer. Zudem ist der Stoff ein Geschmacksträger. Solche Diäten hätten dann auf lange Sicht keinen Erfolg, weil der Geschmack sehr limitiert wird und die Abnehmwilligen schnell aufgeben, meint Kiefer. "Man muss flexibel sein, sonst kommt der Heißhunger und das hält keiner durch", so die Expertin.

Fettkonsum einfach zu errechnen
Für den Konsumenten ist es recht einfach seinen täglichen Fettkonsum zu errechnen, die Werte sind auf den Verpackungen angegeben. 3,6 Prozent Fett in der Milch bedeuten 3,6 Gramm Fett auf 100 Milliliter. Ein bisschen schwieriger wird es bei den Angaben beim Käse, da auf der Verpackung der "Fettgehalt in der Trockenmasse" (Fett i.Tr.) angegeben ist. Jeder Käse enthält unterschiedliche Mengen an Wasser und an eigentlicher Käsemasse, sprich der Trockenmasse. Die Angabe "Fett i.Tr." bezieht sich nur auf den Fettgehalt dieser Trockenmasse. Sie berücksichtigt also nicht, ob ein Käse besonders viel oder wenig Wasser enthält.

Das sieht dann so aus, dass 100 Gramm Topfen mit 40 Prozent Fett i.Tr. ca. zwölf Gramm Fett enthalten. 100 Gramm Edamer mit 40 Prozent Fett i.Tr. entsprechen aber rund 22 Gramm Fett, weil Edamer viel weniger Wasser enthält. "Die meisten Produzenten geben aber schon den absoluten Prozentgehalt an", erklärt Kiefer. Generell gilt aber die Regel, bei Hartkäsen die Trockenmassenangaben mit 0,5 zu multiplizieren, also zu halbieren.

Fett ist nicht gleich Fett
Doch Fett ist nicht gleich Fett. Die Hauptquellen der Österreicher sind die versteckten Fette, wie in Wurst, Fleisch oder Schokolade, aber auch in Milch und Milchprodukten. Gesünder wären jedoch essenzielle ungesättigte Fettsäuren, wie sie in pflanzlichen Ölen, in Nüssen oder im Fisch - Stichwort Omega 3-Fettsäuren - enthalten sind. Tierische Fette sollten weitgehend vermieden werden, sagt die Expertin.

Deshalb findet Kiefer den boomenden Markt von fettfreien bzw. fettreduzierten Produkten wie Joghurts, Käse oder Milch gar nicht schlecht. "Das Kalzium und die hochwertigen Eiweiße sind ja trotzdem enthalten." So lange man es nicht übertreibt, seien diese Nahrungsmittel gut, um bewusst den Dickmacher wegzulassen.

Um den Konsumenten den Umgang mit dem Geschmacksträger näher zu bringen, hat Kiefer gemeinsam mit dem Sozialmediziner Michael Kunze ein Fettsparbuch geschrieben. Darin sind viele Nahrungsmittel enthalten und gleich angegeben, mit wieviel Bewegung Fett und Zucker verbrannt werden kann. Ein Buch mit klassischen Speisen ist in Planung. (apa/red)

15.3.2007 15:41