Montag, 19. März 2007

FORMAT - Die digitale Ewigkeit ist wackelig:
Wie Datenberge richtig konserviert werden

  • Exponentielles Wachstum von Daten problematisch
  • Gängige Medien für Langzeitarchivierung ungeeignet

Mit den digitalen Datenbergen verhält es sich wie mit dem Klimawandel. Alle wissen, dass er voranschreitet, aber wie und wo genau lässt sich schwer benennen. Die Marktforscher von IDC haben mit ihrer Studie zum digitalen Datenaufkommen der Menschheit ("The Expanding Digital Universe") unlängst versucht, dem Phänomen der explodierenden Nullen und Einsen einen Namen zu geben.

Schon 2006 hat die über diverse Schnittstellen verkabelte Menschheit das unvorstellbare Ausmaß von 161 Exabyte Daten - das sind 161 Milliarden Gigabyte - zusammengetragen. Zum Vergleich: Das Standard-Notebook wird heute mit 40-Gigabyte-Festplatte ausgeliefert. Und es wird mehr, viel mehr, und verantwortlich dafür ist der Digital Lifestyle: E-Mails, Instant Messaging und Chats tragen erheblich zu dem Datenaufkommen bei, und die digitalen Endgeräte wie Digicams, Fotohandys und Musik-Player tragen das Ihrige dazu bei.

Auftraggeber der Studie, Chuck Hollis, seines Zeichens Vizepräsident der Speicherfirma EMC, konnte angesichts der Sachlage Spiegel Online Analogien zum Urknall herstellen: "In kurzer Zeit haben wir eine dramatische Expansion der zur Verfügung stehenden Informationen erlebt - und die nimmt weiterhin exponentiell zu, nicht linear."

Wohin also mit der anschwellenden Datenflut, die sich schon 2010 zu zwei Dritteln aus den privaten Quellen speisen wird. Die gute, alte Festplatte reicht heute selbst da kaum noch aus. Stark im Ansteigen ist die Verwendung von Flash-Speichern, wie sie in USB-Sticks und in den meisten tragbaren digitalen Endgeräten wie Handys oder Musik-Playern verwendet werden. Technisch gesehen könnten sie auch die rotierende Festplatte in PCs ersetzen. Einziges Problem: Die Kosten pro gespeichertes Byte betragen derzeit noch ein Vielfaches.

Das digitale Gedächtnis ist mitunter sehr kurz
Auf die drängendste Frage im Umgang mit dem exponentiell ansteigenden Datenaufkommen sind aber weder Festplatten noch Flash-Speicher eine adäquate Antwort - nämlich die Frage der Langzeitarchivierung. Standard-PC-Platten haben eine Lebensdauer von fünf Jahren, Flash-Speicher von drei bis fünf Jahren - bei oftmaligem Überschreiben der Daten können sie ihr Leben auch schon viel früher aushauchen. Die Datensicherung auf anderen Datenträgern ist also unumgänglich. Der deutsche Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft (IFPI) hat erst diese Woche errechnet, dass sich die Zahl der Benutzer, die sich digitale Inhalte auf CD/DVD brennen, von 1999 bis 2006 vervierfacht hat. Auf der Hitliste ganz oben ist nach wie vor Musik (70 %), gefolgt von privaten Fotos oder Videos (67 %) - Hauptverursacher des "digitalen Urknalls".

Die Krux dabei: Selbst Experten sind sich uneinig, wie lange selbst gebrannte CDs oder DVDs überhaupt halten. Echte Langzeitstudien sind ob der jungen Geschichte nicht gegeben, und den Herstellerangaben ist nur bedingt zu trauen, die unter optimalen Lagerbedingungen - vor Licht, Wärme und Feuchtigkeit geschützt - bis zu 50 Jahre Lebensdauer versprechen. Für die sichere, langfristige Speicherung sind die Silberlinge ungeeignet, sagt IBM-Speicherexperte Kurt Gerecke.

Den kompletten Beitrag können Sie im akutellen FORMAT (Nr. 11/2007) nachlesen!

19.3.2007 16:14